Natürliche Schönheit
Archiv der Ausgabe 2 | 27. Jahrgang | Sommer 2010
- von Brigitte Menge
Das belegt auch die Statistik, denn keine andere Ferienregion in Deutschland weist höhere Zuwachswerte als die Ostseeküste auf. 2009 registrierten die Tourismusexperten von Mecklenburg-Vorpommern zum dritten Mal in Folge einen Übernachtungsrekord und sie hoffen natürlich, dass 2010 die Latte noch höher klettert. Dabei steigen nicht nur die absoluten Zahlen, auch die Noten auf der Zufriedenheitsskala der Gäste klettern kontinuierlich nach oben.
Etwa die Hälfte der Urlauber Mecklenburg- Vorpommerns kommt mehrfach ins Land, rund ein Viertel sind sogar Stammgäste. Wichtigstes Kriterium für die Reiseentscheidung waren 2009 für 85 Prozent der Sommer-Urlauber Landschaft und Natur. Gute Luft und Klima liegen bei 76 Prozent auf Platz zwei. Doch was sind Zahlen schon gegen einen Sommertag am Meer, den langen Strandspaziergang, den frischen Fisch am Abend mit Blick aufs Wasser und die Gewissheit, dass nichts zu tun ist! Urlaub. Auszeit.
Fjord-Feeling und Mystery Check
Oberflächlich betrachtet standen die boomenden Seebäder des Ostens in den letzten Jahren mehr im Rampenlicht als Schleswig-Holstein. Wer genauer hinschaut, weiß, dass Deutschlands nördlichstes Bundesland nichts an Anziehungskraft verloren hat. Hier rauschen die Ostseewellen und Buchenwälder wie eh und je, das grüne Hinterland der Holsteinischen Schweiz ist zauberhaft. Die Fischer im Niendorfer Hafen verkaufen ihren Fang noch immer direkt vom Kutter. Der Tourismus befindet sich auch in Schleswig-Holstein auf einem soliden und nachhaltigen Wachstumskurs. Schwierigen Rahmenbedingungen wie der Finanz- und Wirtschaftskrise zum Trotz lag das Land im Jahr 2009 bei den Übernachtungszahlen erneut über dem Bundesdurchschnitt und konnte einen Gästezuwachs von 2,7 Prozent erzielen. Dieser positive Trend hält an: Auch im ersten Quartal 2010 kann nochmals ein Wachstum verzeichnet werden.
Zwischen Kiel und Flensburg erwartet Urlauber eines der schönsten Reiseziele des Nordens: die Region rund um den Ostseefjord Schlei, deutschlandweit bekannt geworden durch die ZDFFernsehserie „Der Landarzt“. Herzstück der Gegend ist die Schlei – mit 43 Kilometern Schleswig-Holsteins längste Ostseeförde. Die idyllische Region ist in den Sommermonaten ein ideales Revier für Wassersportler, Hochbetrieb nicht ausgeschlossen.
An den 400 Kilometern Strand Schleswig- Holsteins kommen Segler, Sonnenanbeter, Schiffsgucker, Surfbrett-Artisten und Naturfreunde voll auf ihre Kosten. Stolze 36 Segelschulen hat das Land. Hier wird alles gelehrt, was ein Segler im Wettstreit mit Wasser und Wind braucht: Boots- und Knotenkunde, Verkehrsregeln, die Freude am Sport und vor allem ein neues Lebensgefühl. Zu einem erlebnisreichen Segelrevier gehören natürlich auch attraktive Ausflugsmöglichkeiten für einen Landgang.
Ein beliebtes Segel- und Surfrevier ist die Hohwachter Bucht, übrigens eine der niederschlagsärmsten Regionen Schleswig-Holsteins. Das Ostsee-Heilbad Hohwacht hat sich seinen Fischerdorf- Charme erhalten. Natürlich gibt es neben kleinen verwunschenen Reetdachkaten am Meer längst auch Luxushotels für anspruchsvolle Gäste. Die Sonnenecke mitten im Ostholsteiner Land lockt mit kilometerlangen Sand- und Naturstränden, geschwungenen Dünen, bizarren Steilufern und stillen, romantischen Binnenseen. Und einem Service, den in diesem Jahr kein anderer Urlaubsort überbieten konnte. Beim Mystery Check 2010 wurde von den Unternehmensberatungen IRS-Consult und Mondial Assistance bereits zum siebten Mal anonym geprüft, wie schnell und in welcher Qualität ein Urlaubsort auf eine E-Mail-Anfrage reagiert. Deutschlands Sieger heißt Hohwacht! Der Mystery Check testet und vergleicht die Service-Qualität von Tourismusinformationsbüros in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mehr als 5 000 Urlaubsorte wurden beim diesjährigen Mystery Check mit der Bitte um ein konkretes Angebot angeschrieben.
Und noch einen Rekord hält das Ostsee-Heilbad: Europas größter und höchster Hochseilparcours befindet sich nur 150 Meter vom Hohwachter Strand der Ostsee entfernt in einem der vielen schönen Buchen- und Eichenwälder. Wer die zehn Stationen bewältigt, wächst nicht nur über sich selbst hinaus, sondern wird auch sofort mit einem grandiosen Ausblick über die Küste hinweg belohnt.
Kunstkilometer am Strand
Action und Natur treffen sich auch am Timmendorfer Strand. Das mondäne Ostseebad an der Lübecker Bucht bezaubert mit dem längsten Strand Schleswig- Holsteins, einem historisch gewachsenen Ortskern mit Gründerzeitvillen, Sterne-Gastronomie und intakter Natur. Hier gehen Shopping-Paradies und Sommerfrische eine lebhafte Verbindung ein. Nur wenige Meter vom kilometerlangen Sandstrand entfernt finden Urlauber exklusive Mode, ausgefallenen Schmuck, edle PralinĂ©s, großartige Kunst, verführerische Düfte, internationales Design, neueste Trends und jede Menge Lifestyle. Beim Bummel über die autofreie Einkaufsmeile mit den kleinen, feinen Shops genießen Shopping-Freudige die entspannte Atmosphäre, die nur im Urlaub abseits der Großstädte möglich ist. Zum Pausieren und Sehen und gesehen Werden laden szenige StraßencafĂ©s wie das legendäre „CafĂ© Wichtig“ ein.
Ganz anders das Sehen und gesehen Werden beim „Kunstkilometer am Strand“: Von Mai bis Oktober werden hier jährlich Werke internationaler Künstler ausgestellt, sodass Besucher an der Strandpromenade immer wieder Neues entdecken und in Meeresnähe auf sich wirken lassen können. Der Kunstkilometer mit seinen wechselnden Skulpturen und Exponaten am Strand ist bislang einmalig an der Ostseeküste.
Der Darß:
Bunte Türen und Urwald Viele Künstler zog es von jeher an die Küste. Ruhe, das besondere Licht, die Spuren der Naturgewalten und Landschaftsbilder, die Kulissen gleichen, faszinierten vor allem Maler. Schon vor etwa 120 Jahren waren naturverliebte Maler von der herben Schönheit der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst bezaubert. Von weit her reisten sie an und gründeten im verschlafenen Fischerdorf Ahrenshoop eine Künstlerkolonie. Begeistert von der Ursprünglichkeit der windschiefen Fischer- und Büdnerkaten, zogen sie hier mit Pinsel und Palette ein. Den Malern folgten Literaten und Kunsthandwerker. Viele ihrer Häuser und Werkstätten haben die Zeit unbeschadet überdauert und trugen so zur Bewahrung der Idylle auf der gesamten Halbinsel bei. Oftmals ziehen schon die außergewöhnlichen Hauseingänge alle Blicke auf sich. Die reich geschnitzten und bunt bemalten „Darßer Türen“ gelten als Meisterwerke alter Handwerkskunst. Ebenso reizend wie die liebevoll restaurierten Fischerkaten sind die kleinen, aber feinen Kapitänshäuser in einigen Küstenorten. Besonders im 19. Jahrhundert bildeten die farbenfrohen Bauten gänzlich neue Straßenzüge. Ein Großteil der Männer fuhr damals zur See – wenn nicht als Kapitän, dann als Steuermann, Schiffsjunge und Smutje oder eben als Fischer direkt vor der Haustür. So lebten 1880 in Zingst 80 Kapitäne, die sogenannten Schiffer, und mindestens doppelt so viele Seeleute.
Heute ist Zingst ein attraktiver Ferienort mit viel traditionellem Charme. Das Ostseeheilbad ist die östlichste Gemeinde der reizvollen Halbinselkette Fischland-Darß-Zingst und liegt eingebettet zwischen Ostsee und Bodden inmitten des Nationalparks „Vorpommersche Boddenlandschaft“. Die Gäste finden hier endlose feinsandige Strände und eine einmalige nahezu unberührte Naturlandschaft, die auf dem sehr gut ausgebauten, vielfältigen Rad- und Wanderwegenetz zu ausgedehnten Erkundungstouren einlädt.
Die Landschaft der Halbinsel Fischland- Darß-Zingst ist beeindruckend. Mit ihren Stränden und Steilufern, Buchten und Nehrungen, Windwatten und Baumskulpturen ist die schmale Landzunge ein streng geschütztes Kronjuwel der Natur. Atemberaubend schön sind Radtouren zum wildromantischen Weststrand. Wind und Wellen formen unablässig sein Gesicht. Der riesige „Darßer Urwald“ reicht bis ans Wasser.
Abschalten und abtauchen
Wer auf Deutschlands größter – nicht wenige behaupten auch schönster – Insel unterwegs ist, landet immer wieder am Wasser. Rügen hat 140 Kilometer Küstenlinie mit allem, was das Urlauberherz begehrt: Sandstrände, einsame Buchten, Steilküsten und natürlich den grandiosen Kreidefelsen. Die Insel lockt mit einer Natur, die auf kleinstem Raum die unterschiedlichsten Facetten zeigt. Weitgehend unberührte Landschaft finden Besucher vor allem auf der Halbinsel Jasmund in der Vorpommerschen Boddenlandschaft. 1990 wurden diese Gebiete zum Nationalpark erklärt – ein Anlass, auf 20 Jahre Nationalpark zurückzublicken. Rügenurlauber und Interessierte können in diesem Jahr spannende Einblicke in die Geschichte dieser einzigartigen Landschaften gewinnen: Das ganze Jahr hindurch finden Veranstaltungen rund um den Nationalpark statt.
Umweltfreundlich sind Elektrofahrräder, die es in dieser Saison flächendeckend auf der Insel gibt. An bis zu 40 Stationen können Gäste die Räder, deren Elektromotor das Treten unterstützt, ausleihen und den Akku wechseln.
Zum Segeln wie die Profis lädt die Maxiyacht „Steinlager“, die in Sassnitz liegt, Urlauber ein. Das Schiff ist eine der bekanntesten Rennyachten der Welt und hat zahlreiche internationale Regatta- Erfolge zu verzeichnen. Auf der „Steinlager“ können Urlauber aktiver Teil der Crew werden und am Coffeegrinder, der Großschot oder am Steuerrad Regattaluft schnuppern.
Villenstädte auf feinem Sandboden
Ist es der weiße Strand, die Vielfalt der Villen oder die idyllischen Flecken der Stille und Abgeschiedenheit? Usedom wirkt unbeschwert, leicht, verspielt, hell und heiter. Hier ist der Himmel nah und der Horizont unendlich weit. Als der Kaiser, die deutschen Adligen, aber auch eine wohlhabende Mittelschicht nach 1870 die Insel als Urlaubsparadies entdeckten, avancierten mehrere bisher gottverlassene Nester im Handumdrehen zu eleganten Badeorten. Im Bauboom dieser Zeit entstanden die Villen mit ihrer einzigartigen Bäderarchitektur. Da Bauherren und Architekten mit Geschmack, Geld und Geschick recht unterschiedlich gesegnet waren, gleicht in den Bädern kein Haus dem anderen. So unterschiedlich die Architektur auch ist – der pseudogriechische Tempel zwischen dem großbürgerlichen Klein Sanssouci, ritterlich Trutziges und alpenländisch Rustikales, bauchig Neobarockes und schlank Gotisches, normannische Zinnen und römische Säulen, Rokoko und Jugendstil – es dominiert die Farbe weiß, die die Orte hell und freundlich macht. Fast jede Villa hat eine Terrasse oder Veranda, zumindest aber Balkon oder Erker. Die glühenden Sonnenuntergänge von hier aus zu genießen, ist ein besonderes Erlebnis, dessen Reiz sich seit Kaiserzeiten nicht verändert hat.
Auch das Ostseebad Zinnowitz war einst ein Fischerdorf. Wie so viele Badeorte erlebte auch dieses Ostseebad seinen zweiten Bauboom nach 1989. Die beliebteste Flaniermeile des Ortes ist die Strandpromenade, die gerade im Sommer Augen und Nase gleichermaßen gut tut. Bäume unterschiedlicher Form und Farbe, Blattpflanzen, Bambusstauden und Pflanzen mit aromatischen Düften sind wie Gärten zum Sehen, Schmecken, Hören, Fühlen und Riechen.
Stolze 2 247 Kilometer ist die deutsche Ostseeküste lang: 1 712 km im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und 535 km in Schleswig- Holstein. Manchmal umfasst das Paradies aber nur ein paar Quadratmeter Strand.
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