Nachwuchs-Kapital
Frei gebliebene Ausbildungsplätze, fehlender Berufsnachwuchs ⊠natürlich kann der Personalchef noch eine Such-Anzeige schalten und der Firmeninhaber schaut, wie es andere machen. Einen ungewöhnlichen Weg geht Burkhard Weller, geschäftsführender Gesellschafter von Deutschlands drittgrößter Automobilhandelsgruppe: Er garantiert seinen knapp 2.000 Mitarbeitern Lehrstellen für deren Kinder.

Burkhard Weller, Foto: Sabeth Stickforth
Konkret heißt das: âJeder Mitarbeiter, der länger als fünf Jahre im Unternehmen tätig ist, kann sich darauf verlassen, dass Sohn und/oder Tochter einen Ausbildungsplatz bei uns bekommen. Wer noch kinderlos ist, bekommt die Garantie mit der Geburtâ, so Burkhard Weller. âDies soll ein besonderes Dankeschön für all diejenigen sein, die bereits seit mindestens fünf Jahren im Unternehmen beschäftigt sind und so ihr âkleines Dienstjubiläumâ feiern dürfen.â Einzig einen Schulabschluss nennt er als Voraussetzung. âSchließlich kennen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter meist seit vielen Jahren und können mit gutem Gewissen davon ausgehen, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fälltâ, so Burkhard Weller.
âUnser Unternehmen wächst seit Jahren aus den eigenen Reihen und wir haben in allen Fällen die beste Erfahrung mit Töchtern und Söhnen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gemacht.â Seit der Unternehmer auf dem Strategiemeeting 2012 seiner Firmengruppe Mitte November in Berlin diese Zusage gab, klingeln noch häufiger als sonst seine Telefone. Autohändler-Kollegen erkundigen sich nach den Beweggründen, Zahlen, Erfolgsaussichten und Hintergründen dieser unternehmerischen Aktion. Auch branchenfremde Manager interessieren sich für diese Art Nachwuchsgewinnung. Mehr als das freuen aber Burkhard Weller die Anrufe aus dem eigenen Haus.
âViele Mitarbeiter bedanken sich und sagen, wie froh sie über diese Lehrstellengarantie sind. Diese Reaktion hat mich verblüfft, denn ich wollte mich ja damit bei meinen Mitarbeitern bedanken, die mit ihrer Arbeit den Erfolg des Unternehmens begründenâ, erklärt Burkhard Weller. Er sieht somit einen Vorteil auf beiden Seiten. âDabei ist es auch eine praktische Erfahrung, dass Auszubildende oft viel disziplinierter sind, wenn sie mit Mutter oder Vater in einer Firma arbeitenâ, erklärt der Autohändler, der mit dieser Lehrstellengarantie schon persönlich gute Erfahrungen machte. Vor 17 Jahren schenkte er dem zweijährigen Sohn einer Freundin einen Ausbildungsplatz. Der junge Mann lernt heute Kfz-Mechatroniker im Unternehmen. Burkhard Weller gilt in der Branche als Unangepasster. Seit über 30 Jahren meistert er den schwierigen Balanceakt zwischen strategischer Trenderkennung und oftmals unkonventionellen Wegen. Die Auto-Affinität ist dem Sohn eines Autohändlers quasi angeboren, wobei er den schützenden Schoß der väterlichen Firma nach gerade mal drei Monaten verließ, um seine eigene Fahrstrecke zu finden.
1979 startete er in Osnabrück als Toyota-Fachhändler mit zwei Angestellten in die Selbst ständigkeit. Heute gehören die Marken Volkswagen, Audi, Skoda unter dem Namen MaxMoritz an 10 Standorten, BMW und MINI unter B&K an 17 Standorten, mit Toyota und LEXUS unter AutoWeller an 6 Standorten zu der Automobilhandelsgruppe. In der Hansestadt gehört das B&K-Autohaus in der Buxtehuder Straße zur Firmengruppe. 1996 übernahm Burkhard Weller den in Konkurs gegangenen ehemaligen BMW-Händler an diesem Standort und führte das Autohaus schon ein Jahr später aus der Verlustzone heraus. B&K ist heute der grösste BMW Händler Deutschlands. Beim Berufsnachwuchs gibt der Unternehmer von jeher Gas. Durchschnittlich 150 Lehrlinge beginnen pro Jahr eine Ausbildung in Weller-Unternehmen, mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres 2011 haben insgesamt 175 Auszubildende kaufmännischer und gewerblicher Berufe ihre Lehre in den 32 Autohäusern der Wellergruppe begonnen. Mit dieser Zahl an neuen Lehrlingen wird auch diesmal eine Auszubildendenquote von mehr als 25 Prozent erreicht. Darunter sind seit Jahren auch Jugendliche, die für sich eigentlich schon die klassische âHartz-IVKarriereâ auf dem Plan haben.
Wellers Projekt âStraßenkinderâ gibt Jugendlichen eine Chance, die mit mangelhafter Bildung, zerrütteten Familienverhältnissen, fehlenden Sprachkenntnissen oder weiteren Negativfaktoren den denkbar schlechtesten Start ins Berufsleben haben. âFördern und fordernâ ist der Leitsatz. Jedes der Straßenkinder hat einen persönlichen Betreuer an seiner Seite, der vor allem Tugenden wie Fleiß, Ehrgeiz und Disziplin fordert und fördert. Erklärtes Ziel ist der Ausbildungsabschluss. âEigens qualifizierte Mitarbeiter sind das Kapital unseres Unternehmensâ, weiß Burkhard Weller, der mit all seinen Ausbildungsmaßnahmen ein ehrgeiziges unternehmerisches Ziel verfolgt: âWir möchten im Jahr 2020 mit 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 1.00 000 Fahrzeuge verkaufen – das aber mit sozialer Verantwortungâ, erklärt der Westfale.
www.wellergruppe.de
www.bundk.de
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