Justus Frantz
Archiv der Ausgabe 2 | 27. Jahrgang | Sommer 2010
- Aus dem Schatten zurück ins Licht.
- von Natalie Rosini
Momentaufnahme. Juni 2010.

Foto: Carsten Heidmann, Bremen
Justus Frantz genießt den Sonnenuntergang und die milde Abendluft auf einem malerischen Weingut der berühmten Ortschaft Valldemossa auf der Ferieninsel Mallorca. Wenige Minuten zuvor durfte er den begeisterten Applaus von rund 200 geladenen Gästen des Privatbankhauses Hauck & Aufhäuser genießen, die offensichtlich bestens unterhalten seiner fast 90-minütigen Hommage an FrĂ©dĂ©ric Chopin gelauscht hatten. Mit eloquenten und charmanten Einführungen in die Werke des polnischen Komponisten und Pianisten eröffnete Justus Frantz einen Klavierabend, der den eindrucksvollen Beweis führte, dass er nicht nur ein großartiger Dirigent, sondern auch außergewöhnlicher Pianist ist. Zu den ersten Gratulanten zählt Michael Schramm, persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses und Gastgeber des Abends.
Rückblende. Oktober 2009.
Die Philharmonie der Nationen und ihr Gründer, künstlerischer Leiter und Chefdirigent Justus Frantz sind durch falsche Berater und Managementfehler über Jahre in erhebliche finanzielle Schräglage geraten. Justus Frantz nimmt gegen das Versprechen von Anrechten auf sein Finca-Grundstück in Gran Canaria Privatkredite zugunsten des Orchesters auf und steht deshalb unmittelbar vor der Pfändung durch ein Mitglied des früheren Vorstandes des gemeinnützigen Fördervereins der Philharmonie der Nationen. Der Förderverein-Vorstand selbst klagt gegen den Dirigenten und den damaligen Konzertveranstalter des Orchesters, um eine Aufklärung angeblich undurchsichtiger Vertragsverhältnisse zu erreichen. Musiker des Orchesters wenden sich aufgrund der düsteren Zukunftsperspektiven schweren Herzens, aber notgedrungen auf der Suche nach Alternativen ab. Langjährige Wegbegleiter des erfolgreichen Dirigenten und Pianisten suchen verzweifelt wie vergeblich nach nachhaltigen Lösungen für die finanziellen Probleme ihres Freundes und seines jungen Orchesters. Das Lebenswerk einer der bekanntesten und bedeutendsten Persönlichkeiten der klassischen Musik in Deutschland scheint kaum mehr zu retten.
Noch nicht einmal neun Monate sind seit den in jeder Hinsicht tristen Herbsttagen 2009 vergangen und Justus Frantz steht wieder auf der Sonnenseite des Lebens. Ein modernes Märchen? Mitnichten!
Der amerikanische Kolumnist Walter Winchell (†1972) wird mit den Worten „Ein wahrer Freund ist einer, der kommt, wenn der Rest der Welt geht“ zitiert. So ähnlich müsste die Geschichte beginnen, die erzählt, wie sich das persönliche Schicksal von Justus Frantz und das seines Orchesters in den letzten Monaten ins Positive gewandelt hat. Nach langem Streit sind die Querelen mit dem Vorstand des Fördervereins der Philharmonie der Nationen und die gerichtlichen Verfahren beigelegt sowie die hohen Schulden aus verschiedenen Zusammenhängen nahezu vollständig beglichen. Der Fortbestand seines Orchesters, in dem nach Ideen von Leonard Bernstein, Yehudi Menuhin und Justus Frantz junge Musiker aus vielen Ländern gemeinsam auf internationalen Tourneen und Festivals auftreten, ist gesichert. Sowohl der Förderverein als auch das Management des Maestro und des Ensembles sind personell neu aufgestellt. Am 14. März 2010 wurde ein neuer Förderverein-Vorstand gewählt. Den Förderverein – mit über 2 500 Mitgliedern einer der größten Kulturvereine Europas – führt seitdem der Frankfurter Rechtsanwalt Adi Seffer, der sich jetzt intensiv um die Beilegung der vielen Rechtsstreitigkeiten bemüht und dabei in enger Abstimmung mit dem Mann agiert, der für die neue Zukunftsperspektive von Justus Frantz und der Philharmonie der Nationen steht.

Michael Schramm, Professor Justus Frantz und Holger Follmann (v. l. n. r.) / Fotos: Martin Joppen, Frankfurt
Wegbereiter der Befriedung und persönlichen Entschuldung von Justus Frantz und damit auch der Philharmonie der Nationen ist der Frankfurter Unternehmer Holger Follmann. Er ist der Geschäftsführer der neu gegründeten Philharmonia of Nations Management GmbH, die Inhaber aller Marken- und Vermarktungsrechte von Justus Frantz persönlich und vom Orchester ist. Mitgesellschafter sind Justus Frantz und der Unternehmer Dr. Jürgen Heraeus (Heraeus Holding, Vorsitzender UNICEF Deutschland). Holger Follmann – bestens vernetzt in der deutschen Bankenwirtschaft – war es auch, der Michael Schramm und sein Bankhaus als nationalen Sponsor mit ins Boot holte. Dieser ist davon überzeugt, dass in der neuen Struktur keine finanziellen Ausrutscher mehr möglich sind. Der Bankier hat bei der Entschuldung beratend unterstützt. Sein traditionsreiches Bankhaus ist nicht nur neue Hausbank des Orchesters, sondern steht auch für die Aufbruchsstimmung rund um die Philharmonie der Nationen und symbolisiert das neu geschaffene Vertrauen in Justus Frantz und dessen Wirken. „Er hat ja nie in die eigene Tasche gewirtschaftet, aber es zeigt sich, dass ein begnadeter Musiker nicht unbedingt auch ein guter Kaufmann sein muss. In diesem Bereich unterstützen wir zukünftig gerne“, sagt Michael Schramm.
Holger Follmann und sein Management-Team haben in den letzten Monaten nicht nur die Altlasten beseitigt und neue Strukturen geschaffen, sondern auch große Anstrengungen unternommen, die langjährigen Partner, Förderer und Sponsoren des Orchesters von der Tragfähigkeit und Nachhaltigkeit der neuen Strategien und Konzepte zu überzeugen. Eine Herkulesaufgabe angesichts der turbulenten Ereignisse der letzten Monate und Jahre. Noch sind nicht alle Verträge unterzeichnet, aber die ersten Gesprächsrunden mit dem langjährigen Mäzen, Förderer und Hauptsponsor Reinhold Würth und seinem Unternehmen verliefen offensichtlich vielversprechend. Auch mit dem Gründungssponsor Montblanc und der Mainzer Schott AG als Partner des Projektes „Kinder musizieren mit Justus Frantz“ ist man auf der Zielgeraden der Verhandlungsgespräche. Und dass die Philharmonie auf einem guten Weg ist, hat sich sogar bis nach China herumgesprochen. Erst vor wenigen Wochen wurde ein Vorvertrag für eine Konzertserie im Rahmen eines neuen Klassik-Festivals in 2010 unterzeichnet. Das Auftaktkonzert ist an historischer Stätte geplant – an der Chinesischen Mauer. Wenn das keine guten Aussichten sind!
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