Archiv der Ausgabe 2 | 26. Jahrgang | Sommer 2009
- Im Gespräch mit Schauspieler Bjarne Mädel
- von Misha Leuschen
Morgens um zehn in der Schanze. Die Sonne scheint, verschlafene Menschen sitzen schweigsam über ihrem ersten Kaffee, in den Kneipen wird rumpelnd das Bier für den Abend angeliefert. „Saal II“ hatte Bjarne Mädel als Treffpunkt vorgeschlagen, doch da stehen noch die Stühle auf den Tischen, ein müder Mann kehrt lustlos den Fußboden. Na toll. Also halte ich nach einem langweiligen Blonden im Pinneberg-Outfit Ausschau, einem Durchschnittstypen mit Kurzarmhemd eben, wie Bjarne Mädel ihn in der Serie „Der kleine Mann“ so beklemmend echt spielt. Erst auf den dritten Blick bringe ich den zerknautschten Menschen im Autonomen-Kapuzenlook, der hinter mir an der Laterne lehnt, damit deckungsgleich. „Tja, wenn man so blasse Langweiler spielt, dann denken manche, man sei so“, grinst der Schauspieler, die Morgenzigarette im unrasierten Gesicht.

„Wenn man so blasse Langweiler spielt, dann denken manche, man sei so.“ Foto: Martin Kath
Die Spießer und Normalos spielt der blonde Reinbeker so überzeugend, dass er sehr gut im Geschäft ist, trotz schwierigen Sendeplatzes und daraus resultierender schlechter Quoten für die eigene Serie „Der kleine Mann“. Umso mehr freut er sich, dass er für seine Darstellung in „Der kleine Mann“ für den bayerischen Fernsehpreis nominiert wurde. Als zwanghafter Bürostreber Ernie ist er in der 4. Staffel der Erfolgs-Comedy „Stromberg“ dabei, und in der ARD geht er bald wieder als Dorfpolizist in der Serie „Mord mit Aussicht“ auf Verbrecherjagd. Kinofilme wie „Die Könige der Nutzholzgewinnung“ oder Episodenrollen im „Tatort“, bei der „SOKO“ oder beim „Polizeiruf 110“ und Engagements bei Hörbüchern wie „Herr Lehmann“ (mit dem Deutschen Hörbuch-Preis ausgezeichnet) oder „Der kleine Bruder“ von Sven Regener halten den Schauspieler zusätzlich gut beschäftigt.
„Klar ist das eine komfortable Situation, aber ich kenne auch den Moment, wenn vorm Wochenende am Automaten die EC-Karte eingezogen wird und du nix in der Tasche hast“, sagt Mädel. Mit wenig auszukommen, fällt ihm nicht schwer: „Wenn man mal erlebt hat, unter welchen Umständen Menschen leben müssen und dabei trotzdem nicht ihren Lebensmut verlieren, dann begreift man, dass das, (mehr…)