ZU GUTER LETZT
Archiv der Ausgabe 1 | 3. Jahrgang | Winter 2006/07
Hank Teufer ließ sich an der Filmhochschule Babelsberg zum Schauspieler ausbilden. Nach Stationen wie dem Staatstheater Schwerin und den Bad Hersfelder Festspielen kam er 1990 ans Theater Brandenburg. Musical, Oper, Film und Fernsehen – der Charakterkopf Teufer überzeugte in vielen Rollen. Nach Auflösung der Sparte Schauspiel am Theater Brandenburg ging er mit dem event-theater neue Wege.
Sie sind einer jener „Besessenen“, die nicht-subventionierte Kultur organisieren. Welche Fähigkeiten und Begabungen muss man besitzen, um das zu schaffen?
Foto: event-theaterDas Wichtigste ist der Glaube an die Sache, verbunden mit hundertprozentigem Engagement. Und wenn man das Ganze noch mit einem gewissen spielerischen Moment versieht, d. h. es nicht verbissen ernst betrachtet und die liebe gute Angst in die Schranken weist, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Weiterhin schützte mich in den Gründungsjahren eine gute Portion Naivität. Hätte ich mir immer vor Augen gehalten, was schiefgehen könnte, wäre der Zug wahrscheinlich nie aus dem Bahnhof gekommen.
Kultur im Allgemeinen und das event-theater im Besonderen überleben oft nur durch die Unterstützung vieler Menschen, Einrichtungen und Organisationen. Diese Kontakte müssen hergestellt und gepflegt werden. Hält Sie das nicht von der eigentlichen künstlerischen Arbeit ab?
Nein. Meine eigentliche Arbeit ist dadurch nur reicher geworden, aber auch mehr. Es gibt sehr viele Menschen, die einschätzen können, was sich alles hinter einer Inszenierung verbirgt. Allein unseren Hauptspielort, das Pauli-Kloster, jedes Jahr in einen Theaterraum zu verwandeln, erfordert große finanzielle Anstrengungen. Und genau hier entstehen auch die Kontakte zu den meisten unserer Förderer, da diese oftmals aus dem Kreis unserer Gäste stammen. Es ist uns enorm wichtig Zeit zu haben, um mit unserem Publikum in Kontakt zu treten. Über persönliche Gespräche nach den Aufführungen entstehen oft Verbindungen, die einer Freundschaft nahekommen. Das event-theater ist übrigens ein gemeinnütziger Verein und stets offen für neue Mitglieder.
Das event-theater war nicht nur die erste Kultureinrichtung, die 2003 das Qualitätssiegel für brandenburgischen Tourismus erhielt, sondern ist auch der erste Wiederholungstäter“. Was machen Sie anders als andere?
Mir ist bewusst, dass wir mit unseren Angeboten nicht einzigartig auf dem Markt sind. Einzigartig ist lediglich der Unterschied im Service, mit dem ein Produkt angeboten wird. Und hier kann jeder seine individuelle Note setzen. Es kommt dabei nicht auf Perfektion an. Wir sind Menschen und machen Fehler. Doch wie wir damit umgehen, das macht uns liebenswert oder auch nicht. Wie überall kommt es auf den gesunden „Bauch“, den Instinkt, an. Fontane sagte dazu: „Glaub nicht du kannst es doch erklimmen, und Wolln sei höchste Kraft und Pflicht. Was ist, ist durch Vorherbestimmen. Man hat es, oder hat es nicht.“
Also, viel öfter dem nachgehen, was uns unsere innere Stimme sagt und immer schön bei sich bleiben.
2007 wird der Brandenburger Klostersommer an seinen Ursprungsort zurückkehren. Worauf dürfen sich die Zuschauer freuen?
Auf einen der attraktivsten Spielorte im Land Brandenburg. Mit dem sanierten Pauli-Kloster empfängt den Besucher ein Stück Zeitgeschichte in Backstein aus dem 12. Jahrhundert. In Verbindung mit unseren Inszenierungen und der stückbegleitenden Gastronomie verspricht dies Kultur der Ess-Klasse. Im Spielplan finden sich das Schauspiel „Nathan der Weise“ mit Jürgen Zartmann in der Titelrolle sowie Romantisches mit der „Undine“ von Fouque und Musik von E.T.A. Hoffmann. Mit „Orange & Zitrone“ inkl. Drei-Gänge-Menü hält man sich dann an den Ufern englischer Märchen mit Gesängen aus dem Frühbarock auf.
Gesang und Schauspiel, Klassik und Kabarett, Kulturmanagement und Eventorganisation. Bestimmt haben wir noch was vergessen. Welches Ihrer Talente finden Sie am wichtigsten?
Das Talent, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Erholung und gute Gespräche sind oft meine beruflichen Wegbegleiter.
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2006






















