ZU GUTER LETZT HORST POMPLUN
Archiv der Ausgabe 3 | 3. Jahrgang | Herbst 2008
Horst Pomplun, Jahrgang 1948, ist Präsident des Weltverbands der Personenschützer und betreibt in Potsdam Deutschlands erste private Sicherheitsakademie VTP-Security. Wir sprachen mit dem ehemaligen Angehörigen einer Berliner Spezialeinheit über die Ausbildung seiner Schüler und darüber, was einen guten Personenschützer ausmacht.
Horst Pomplun, Präsident des Weltverbands der Personenschützer, und Chef der VTP-Security1. Sie sind seit vielen Jahren im bewaffneten und unbewaffneten Personenschutz tätig und das Geschäft boomt. Worin sehen Sie die Gründe?
Unruheherde auf der ganzen Welt, die steigende Terrorismusgefahr, aber auch die wachsenden Klassenunterschiede stellen ein großes Gefahrenpotenzial dar.
2. Als Außenstehender könnte man denken, dass jeder diesen Job ausüben kann, wenn er muskulös, abenteuerlustig und risikobereit ist. Welche Voraussetzungen muss man tatsächlich mitbringen?
Die oben genannten Eigenschaften sind heute kaum noch von Bedeutung, da der gut ausgebildete Personenschützer überwiegend mit seinem Kopf arbeiten muss – Kandidaten, die die 1. Klasse fünfmal wiederholt haben, haben also kaum eine Chance. Aber natürlich gehören auch eine große Portion Fitness sowie eine Spezialausbildung, wie z. B. im Anti-Terror- Kampf die ATK-Ausbildung (eine auf Selbstverteidigung ausgelegte Kampfsportart, Anm. d. Red.) dazu. In Deutschland findet die Mehrzahl aller durchgeführten Aufträge ohne Schusswaffen statt, so dass die Gefahrenabwehr überwiegend mit dem eigenen körperlichen Einsatz ausgeführt werden muss.
3. Sie bilden in Deutschlands einziger Fachakademie IHK-zertifizierte Personenschützer aus. Wie lange dauert diese Ausbildung und welche Kosten sind damit verbunden?
Die Ausbildung dauert 1.200 Stunden, verteilt auf sechs Monate, oft folgt danach noch ein Praktikum. Die Kosten liegen bei 6.500 Euro – wobei dieser Preis seit 15 Jahren konstant geblieben ist, das ist einmalig in Deutschland. In diesem Preis sind verschiedene Spezialausbildungen enthalten, außerdem stellen wir den Seminaristen eine Vielzahl an Ausrüstungsgegenständen zur Verfügung.
Ebenfalls enthalten sind eine mehrtägige spezielle Fahrtrainingsausbildung, die Waffen- und Schießausbildung sowie die erforderliche Sachkundeprüfung mit anschließender Prüfung bei der IHK.
4. Sie und Ihre Zöglinge sind seit über dreißig Jahren „ohne Vorkommnisse“ für Größen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft tätig. Worin sehen Sie Ihr Erfolgsgeheimnis?
Disziplin, Disziplin und – Disziplin. Besonders wichtig ist uns auch, dass sich unsere Schüler sowohl in die zu beschützenden Personen als auch in die potenziellen Täter hineinversetzen können, um deren Verhaltensweisen verstehen zu lernen. Außerdem sind großes Fachwissen in der Gesetzeskunde und dazu ständige Weiterbildung die oberste Voraussetzung.
5. Wie gelingt es Ihnen, Ihre Schüler während der Ausbildung, die als die härteste in Westeuropa gilt, über ihre eigenen körperlichen Grenzen hinaus zu motivieren?
Selbst ein gutes Vorbild sein. Und die eigene Personenschutzerfahrung aus über 25 Jahren Einsatz für Staatsoberhäupter, Könige und Königinnen, Prinzen, Sheikhs, Botschafter sowie VIPs aus aller Welt nutzen und weitergeben.
Wichtig ist auch der ständige Wettbewerb unter den Schülern sowie interessante Überraschungsübungen in jeder möglichen Einsatzlage, z. B. spielte bei einem vorgetäuschten Hotelbrand kürzlich eine Studentin eine Attentäterin auf dem Hotelgelände – in solchen Situationen können unsere Schüler dann zeigen, was sie gelernt haben und wie sie ihren Kopf einsetzen.
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2006
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 2/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 4/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2008
- Archivbeiträge der Ausgabe 2/2008






















