Zu guter Letzt
Archiv der Ausgabe 1 | 3. Jahrgang | Frühjahr 2008
- Prof. Dr. Stefan Rahmstorf
Welche Folgen wird ein Klimawandel haben? Und was muss getan werden, um ihn aufzuhalten? Fragen wie diese beschäftigen uns zurzeit alle. Wir sprachen mit Prof. Dr. Stefan Rahmstorf – Professor für Physik der Ozeane und Leiter der Abteilung Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung – über „Klimaskeptiker“, sinnvolle Klimaschutzmaßnahmen und die Verantwortung des Einzelnen.
1 Wenn Sie ein Eisbär wären, hätten Sie Existenzängste?
Foto: Karsten SchöneJa. Die Eisdecke auf dem arktischen Ozean ist in den letzten 30 Jahren um ein Viertel geschrumpft. Schon in einigen Jahrzehnten könnte sie im Sommer ganz weg sein. Eisbären brauchen das Eis zum Jagen. Sie schwimmen vom Ufer zum Eis hinaus – ist es zu weit weg, dann ertrinken sie.
2 Die so genannten „Klimaskeptiker“ behaupten, dass der Wandel des Klimas sich unabhängig vom Tun der Menschheit vollzieht. Was halten Sie von solchen Thesen?
Das ist Unsinn. Die wissenschaftlichen Belege dafür, dass unser Ausstoß von Treibhausgasen das Klima aufheizt, sind erdrückend. Die Wirkung der Treibhausgase auf das Klima ist seit dem 19. Jahrhundert bekannt und bestens bestätigt. Solche „Klimaskeptiker“ behaupten in den Medien, die Sonnenaktivität sei für die Erwärmung verantwortlich. Sie verschweigen dabei, dass wir die Sonnenaktivität ja messen und sie seit Jahrzehnten abnimmt. Verleugnen der Tatsachen ist keine Lösung.
3 Klimawandel ist ein politisch stark beachtetes Thema. Allerdings schwankt die Diskussion über dieses Thema zwischen Hysterie und Verharmlosung. Welche Klimaschutzmaßnahmen halten Sie in naher Zukunft für sinnvoll und durchsetzbar?
Das Ziel der EU, die Emissionen bis zum Jahr 2020 um 20-30 % zu verringern, ist sinnvoll. Die nötigen Maßnahmen – z.B. Effizienz, Umstieg auf erneuerbare Energien – sind seit langem bekannt. Sie müssen jetzt nur umgesetzt werden.
4 Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass die steigende Sensibilisierung des Verbrauchers, etwas für den Klimaschutz zu tun, von manchen Unternehmen für rein kommerzielle Zwecke ausgenutzt wird? Plötzlich ist doch alles „bio“ und CO2-arm.
Natürlich gibt es „green-washing“ – Unternehmen, die nur ihre Werbung ändern, ohne die Emissionen tatsächlich zu vermindern. Das ist kurzsichtig – auf Dauer wird das die kritischen Bürger wohl kaum überzeugen.
5 Wie sinnvoll ist es, wenn der Verbraucher seinen Haushalt „umrüstet“ und bspw. überall Energiesparlampen benutzt, die Industrie aber weiter Tonnen von CO2 in die Atmosphäre bläst? Sind die Bemühungen des Einzelnen nur ein Tropfen auf den heißen Stein?
Das Ziel von Frau Merkel, die deutschen Emissionen bis 2020 um 40% zu reduzieren, kann jeder im eigenen Haushalt viel schneller schaffen. Dabei spart man auch noch kräftig Geld. Es ist absolut sinnvoll, dies zu tun. Ein Tropfen auf den heißen Stein bleibt es nur dann, wenn zu wenige mitmachen.
6 Ist Klimaschutz eher eine Frage des Geldes als eine Frage des Bewusstseins?
Nein. bm
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