WIRTSCHAFT WÄHLT
Archiv der Ausgabe 2 | 3. Jahrgang | Frühjahr 2007
- Die Industrie- und Handelskammer Potsdam verweist auf vier erfolgreiche Jahre
In diesem Jahr wird bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam die neue IHK-Vollversammlung für die Dauer von fünf Jahren aus 75 direkt gewählten ehrenamtlichen Mitgliedern gewählt. Zur Bilanz der zu Ende gehenden Legislaturperiode äußert sich IHK-Präsident Dr.-Ing. Victor Stimming.
Herr Präsident – Ausbildung und IHK gehörten immer zusammen. Welche Fortschritte gibt es?
IHK-Präsident Dr.-Ing. Victor Stimming; Fotos: Detlef Gottschling/IHK PotsdamIm Jahr 2003 wurde der Brandenburgische Ausbildungskonsens unter Federführung der IHK Potsdam zur Verhinderung der so genannten Ausbildungsplatzabgabe entwickelt und er wird auch im Rahmen des nationalen Paktes bis heute erfolgreich umgesetzt. Die Zahl der betrieblichen dualen Ausbildungsplätze erhöhte sich seitdem um 586 auf 12.560 am Ende des Jahres 2006. Allein im vergangenen Jahr wurden 319 Unternehmen registriert, die erstmals ausbilden.
Wie sieht es mit der Weiterbildung aus?
Das MultimediaKompetenzCenter – MKC – in Potsdam entwickelte sich zu einem Dienstleistungszentrum bei der Qualifizierung von Fachkräften. Im Durchschnitt werden dort pro Woche 70 wirtschaftsnahe Lehrveranstaltungen nach aktuellen Anforderungen angeboten.
Nun hat sich die IHK auch immer stark gemacht für die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft …
Das ist richtig. Unter der Federführung der IHK Potsdam wurden hierfür die Positionen der Wirtschaft in zehn Forderungen der IHKs aus Berlin und Brandenburg an die Politik herangetragen. Erst im vergangenen Jahr hat die IHK Potsdam die Initiative „Innovationsbrücken zwischen Wirtschaft – Wissenschaft bauen“ gestartet.
Wie fördert die IHK Potsdam Innovationen?
Der Unternehmens-Innovationspreis der IHK Potsdam wird seit dem Jahr 2003 jährlich vergeben. Anfangs nahmen 34 Unternehmen am Wettbewerb teil – im vergangenen Jahr waren es 41 Firmen. Die Teilnehmer setzen die Mitwirkung am Wettbewerb offensiv für die Vermarktung ein.
Gibt es bereits die Innovationsbrücken?
Wir bauen ständig neue: Mit unserem Veranstaltungsformat „Wirtschaft trifft Wissenschaft“ in Instituten, Forschungseinrichtungen und Firmen die neuesten praxisrelevanten Forschungsergebnisse und Technologien kennen zu lernen, hat sich bestens bewährt. Insbesondere kleine Unternehmen sind auf die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen angewiesen. Von 2003 bis 2006 gab es zwölf Besuche in Einrichtungen wie der Fachhochschule Potsdam, dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung Rehbrücke und beim GeoForschungs-Zentrum Potsdam.
Diskussionen zu Umwelt und Energie laufen auf Hochtouren …
Eines ist klar: Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen für Wirtschaft und Wissenschaft. Mit der Neuausrichtung der Umweltpartnerschaft Brandenburg am 30. November 2005 wurde diese zwischen Politik und Wirtschaft fortgeschrieben. In der neuen Vereinbarung sind Vollzugserleichterungen und Gebührenermäßigung für die nach dem Eco-Management and Audit Scheme arbeitenden Betriebe sowie die frühzeitige Einbindung der Wirtschaft beim Rechtsetzungsprozess festgelegt. Am 12. September 2006 fand in Potsdam der Umweltkongress der Industrie- und Handelskammern des Landes Brandenburg mit über 200 Teilnehmern statt.
Alle reden von Bürokratieabbau …
Wir reden nicht nur: Bereits am 24. November 2004 habe ich an Ministerpräsident Matthias Platzeck eine Resolution der IHK-Vollversammlung zu Deregulierung und Bürokratieabbau zur Entlastung der Unternehmen vom bürokratischen Aufwand übergeben. Konkrete Vorschläge bekam die Landesregierung nach einem Fachkongress bei der IHK Potsdam im Mai 2005.
Helfen dabei auch die neuen Medien?
Natürlich – denn die Prozesse müssen effizienter werden. Auch deshalb haben wir im Jahr 2004 die Standortinitiative „We make IT“ ins Leben gerufen. Mit unserer Unterstützung gab es im Mai 2005 die erste regionale IT-Branchenmesse mit 80 Ausstellern und über 3.000 Besuchern.
Welche Rolle spielt dabei die Politik?
Das Gebäude der IHK in PotsdamZwischen der Landesregierung und den Wirtschaftskammern wurde am 5. September 2006 eine Vereinbarung zum wirtschaftsorientierten E-Government in Brandenburg unterzeichnet, die eine intensivere Verzahnung zwischen Verwaltung und Wirtschaft zum Ziel hat.
Dazu bedarf es aber bestimmter technischer Voraussetzungen …
Da sind wir dran unter dem Motto: Daten sollen laufen und nicht die Bürger. Schließlich haben Regionen und Landesteile, in denen die Grundversorgung mit Breitbandinternet nicht voll gewährleistet wird, klare Standort- und Wettbewerbsnachteile.
Unser Kompetenzzentrum für den elektronischen Geschäftsverkehr eCOMM Brandenburg unterrichtet zu mobilen Business-Anwendungen, stellt Anwendungen wie Voice over IP vor und informiert zu Telematik, mobiler Sicherheit und Datensicherheit.
Was tut die IHK gegen Standortnachteile?
Unermüdlich haben wir in den vergangenen Jahren für den Bau des Flughafens Berlin-Brandenburg International gekämpft – seit Herbst vergangenen Jahres rollen endlich die Baufahrzeuge. Die Veranstaltungsreihe „Verkehrsdrehscheibe Berlin-Brandenburg – Chancen und Risiken“ mit unseren Partnern wurde erfolgreich durchgeführt. In fünf Fachforen wurden Unternehmen der Region in die Diskussion zum Entwurf des Bundesverkehrswegeplanes 2003 einbezogen. Im Übrigen: Ende 2006 wurde auch auf unseren Druck hin mit dem Gesetz zur Neuordnung der Ladenöffnungszeiten dem Wunsch des Handels nach individueller Gestaltung und Freiheit Rechnung getragen.
Hat die IHK auch Möglichkeiten, gefährdeten Unternehmen zu helfen?
Wir können keine Schecks auf den Tisch legen, aber: Im Rahmen des KfW-Projekts „Runder Tisch – Unternehmen in Schwierigkeiten“ wurden in den vergangenen vier Jahren durch den Projektträger IHK Potsdam über 100 Unternehmen begleitet. In den vergangenen drei Jahren haben mehr als 50 Unternehmen mit unserer Unterstützung ihre Übergabe verbindlich eingeleitet und somit über 470 Arbeitsplätze gesichert. Seit 1. März 2007 sind wir für die Begleitung von Unternehmensnachfolgen im Kammerbezirk die Beratungsstelle. Der neue „Brandenburg-Kredit“ der ILB ist gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ein Instrument, das bei Aufbau und Erweiterung des Betriebes helfen wird.
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2006
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2007






















