Wir haben was zu bieten – testen Sie uns!
Archiv der Ausgabe 2 | 3. Jahrgang | Sommer 2008
- Dr. Detlef Stronk, Vorsitzender der Geschäftsführung der ZukunftsAgentur Brandenburg GmbH (ZAB), im Interview
Brandenburgs Landesregierung verteilt Fördergelder nicht mehr nach dem „Gießkannenprinzip“, sondern gezielt, und zwar in so genannte „regionale Wachstumskerne“. Das sind 15 brandenburgische Städte und Stadtverbünde, die vorrangig bei der Entfaltung ihrer besonderen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Potenziale unterstützt werden. Die ZukunftsAgentur Brandenburg steht ihnen dabei tatkräftig zur Seite. Wir trafen Dr. Detlef Stronk, Vorsitzender der Geschäftsführung der ZukunftsAgentur, in seinem Potsdamer Büro.
Herr Dr. Stronk, liest man die Liste der Wachstumskerne, kommt der Gedanke auf, dass fast das gesamte Bundesland ein einziger großer Wachstumskern ist. Ist das so?
Es muss ins Herz der jungen Menschen hinein, dass ihnen diese Region Zukunftschancen bietet. Fotos: Michael LüderNein, es hat eine Konzentration auf diese 15 Wachstumskerne gegeben, wobei es auch Verbünde von Städten gibt, wie z. B. in der Lausitz, an der Oder und in der Prignitz. Sie sind bewusst so ausgewählt worden, dass die Stärken und Kompetenzen des Landes herausgesucht wurden. Das ist in manchen Bereichen nicht ganz unstrittig. Es gibt Bereiche, die auch gern regionaler Wachstumskern geworden wären oder gern einer werden würden, aber insgesamt widerspiegeln die Wachs tumskerne die Stärken Brandenburgs.
Warum sind zum Beispiel Prenzlau, Bernau und Wittstock nicht dabei?
Oder wie Teltow-Stahnsdorf-Kleinmachnow. Dieser Bereich würde auch gern Wachs tumskern werden, und die Region ist, was das Wissenschafts- und das Wirtschafts potenzial angeht, sicher eine sehr geeignete, aber da stimmte das Kriterium der Mindesteinwohnerzahl (mind. 20.0000 Einwohner, Anm. d. Red.) nicht. Drei Kriterien müssen grundsätzlich erfüllt sein, es kann aber auch sein, dass eine Region hineinwächst und später als Wachstumskern definiert wird.
Welche drei Kriterien sind das?
Das sind die wissenschaftlichen Einrichtungen, das ökonomische Entwicklungspotenzial und die Mindesteinwohnerzahl.
Wird es Korrekturen bei der Ausweisung der Wachstumskerne geben?
Es gibt eine Evaluierung, die festgestellt hat, dass die Grundausrichtung richtig ist. Die Region Teltow-Stahnsdorf-Kleinmachnow z.B. nähert sich immer mehr der erforderlichen Einwohnerzahl, die könnten also später ein Wachstumskern werden.
Außer der finanziellen Förderung durch das Land – wie unterstützt die ZukunftsAgentur konkret die Wachstumskerne und die Investoren?
Wir sind Ansiedlungs- und Innovationsagentur. Wir haben an der Konzeptionierung und auch bei der ersten Evaluierung mitgewirkt. Wir sehen also sehr genau, wie sich die Regionen entwickeln, und wir beraten die Landesregierung, was man tun kann, um voranzukommen. Beispielsweise der Wachstumskern Frankfurt-Eisenhüttenstadt: Da finden gerade hochinteressante Ansiedlungen statt. Es gibt dort auch Verknüpfungen mit Infrastrukturmaßnahmen. Wir beraten dabei die Landesregierung, die Kommunen und die Landkreise, wie wir diese Investitionsprojekte begleiten und fördern können.
Kennzeichnend für die Wachstumskerne ist die enge Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen. Wie sieht diese Zusammenarbeit aus?
Bisher gab es so genannte Hochschultransferstellen, in denen die Hochschulen wissenschaftliche Angebote zur Zusammenarbeit mit der Wirtschaft gemacht haben. Nun lautet die neue Konzeption, dass es Branchentransferstellen gibt, die die Nachfrage der Wirtschaft aufgreifen und in die Hochschulen transferieren, also genau andersherum. Das führt dazu, dass es neue Projekte gibt, wie beispielsweise an der Fachhochschule Lausitz. Die arbeitet zusammen mit dem Kunststoffkompetenzzentrum, da geht es um ein Leitplankensystem, das Alleebäume schützen soll.
Staatssekretär Clemens Appel sprach davon, „die Menschen stärker mitzunehmen”. Funktioniert das?
Ich persönlich stelle einen Stimmungs-, wenn nicht sogar einen Mentalitätswechsel in Brandenburg fest. Vor ein paar Jahren, als einige Großprojekte nicht geklappt hatten, gab es zum Teil eine negative Stimmung bis hin zur Angst vor der EU-Erweiterung. Das hat sich sehr zum Positiven verändert. Wenn ich heute in die Region fahre und mit den Bürgermeistern, Landräten und Firmen spreche, stelle ich fest, dass es viel mehr Optimismus gibt. Wir müssen als Brandenburger noch selbstbewusster unsere Stärken herausstreichen: Kopf hoch, Brust raus, wir haben was zu bieten, wir sind gut. Wir brauchen uns vor Polen und Tschechien nicht zu verstecken. Wir können im Ansiedlungsgeschäft mit den Sachsen mithalten …
… wie der weltgrößte Solarpark zeigt, den die Münchner Solar Tec AG auf dem Gelände des früheren Militärflugplatzes Brandenburg-Briest plant.
Das ist aber nicht das einzige spektakuläre Projekt. Wir haben es geschafft, Brandenburg als Solar-Region zu etablieren. In Frankfurt haben wir gegenwärtig die beste Solarmodulfabrik der Welt, mit inzwischen 520 Arbeitskräften. Ich zitiere den Chef von First Solar: „Wir kamen mit großen Erwartungen nach Brandenburg – und sie wurden übertroffen”. Besser kann man über Brandenburg nicht sprechen – und wenn das auch noch eine Weltfirma sagt! Wir haben eine sehr hohe Zufriedenheit, es gibt keine Abwanderung von Firmen.
… aber von Menschen. Werden in Zukunft die Fachkräfte knapp?
Was mir große Sorgen macht, ist, dass zu viele junge Leute weggehen, die hier studiert haben, einen guten Abschluss haben, und dass zu wenige zurückkommen. Beides können und müssen wir verändern, wenn wir unser Image verbessern möchten. Es muss ins Herz der jungen Menschen hinein, dass ihnen diese Region Zukunftschancen bietet.
Wo sehen Sie die Zukunft Brandenburgs in, sagen wir, 10 Jahren?

Wenn wir unser Wissenschafts- und Forschungspotential verstärkt für die Strukturverbesserung der Wirtschaft nutzen, kann dies zu einer großen Stärke der Region werden. Das ist die Chance der Region in den nächsten 10 oder 15 Jahren. Schon jetzt hat sich die Situation durch die neuen EU-Beitrittsländer drastisch verändert. Wir sind von einer Randlage in eine Mittellage gekommen, ein riesiger Vorteil. Polen entwickelt sich wirtschaftlich gut, und wenn Polen prosperiert, werden auch wir prosperieren, das ist eine alte regionale Erfahrung. Das Großprojekt BBI wird weit in die Region hinein wirken. Auch Regionen wie Märkisch-Oderland, die sich heute benachteiligt fühlen, werden davon profitieren. Seriöse Gutachten sprechen allein bis 2013 von 40.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Wichtig wird natürlich auch die weitere Entwicklung Berlins sein, das ist so etwas wie ein riesiger Wachstumskern in unserer Mitte. Ein offener, fairer Wettbewerb beflügelt. Jede Ansiedlung in Berlin kommt auch Brandenburg zugute und umgekehrt.
Wie locken Sie Investoren, die auf Brandenburg aufmerksam geworden sind?
Wir sind ein industriefreundliches Land. Die Menschen arbeiten hier gern, auch länger, und sie sind flexibler als anderswo. Wir haben viele freie Flächen und die modernste Infrastruktur – testen Sie uns!
Wir haben in dieser Ausgabe einen Schwerpunkt: Neuruppin – das ist einer der Wachstumskerne. Was ist denn dort in der letzten Zeit besonders „gewachsen“?
Neuruppin ist eine große Überraschung für mich gewesen. Ich habe noch vor kurzem nicht gewusst, wie viele gute mittelständische Betriebe es dort gibt. Die haben ein hervorragendes Arbeitsklima, sind sehr zufrieden mit ihrer Mannschaft, das sind Wachstumsbetriebe, die legen ständig zu, und sie sind auch international ausgerichtet. Hinzu kommt, dass Neuruppin eine zauberhafte Stadt ist, mit Tradition und inmitten einer schönen Landschaft. Diese Mischung aus günstigen Investitionsbedingungen und der Schönheit der Stadt und ihrer Umgebung gefällt vielen. gb www.zab-brandenburg.de
Dr. Detlef Stronk
- • geboren in Alt-Sellin in Pommern, 63 Jahre alt, verheiratet, drei Kinder; Studium der Rechtswissenschaften in München und Bonn
- • 1976-81 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag
- • 1981-85 Staatssekretär für Wirtschaft und Verkehr in Berlin
- • 1985-89 Chef der Staatskanzlei Berlin
- • 1989-98 Vorstandsmitglied der Herlitz AG und später der Herlitz Holding AG, Vorstandsvorsitzender der Herlitz Falkenhöhe AG und der HIT Herlitz International Trading AG
- • 1998-2001 stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der WIV Wein International GmbH in Burg Layen
- • 1991-97 Präsidiumsmitglied der Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg
- • seit 2001 Vorsitzender der Geschäftsführung der ZukunftsAgentur Brandenburg
- • 2006 Mitglied der Regierungsmannschaft von CDU-Spitzenkandidat Pflüger in Berlin für den Bereich Wirtschaft
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2006
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 2/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 4/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2008






















