Vorfahrt für die Wirtschaft an der Grenze
Archiv der Ausgabe 1 | 3. Jahrgang | Frühjahr 2008
- Vom Wegfall der Personenkontrollen an Oder und Neiße profitieren viele Unternehmen
Befürworter eines Wegfalls der Ausweiskontrollen an der deutsch-polnischen Grenze sollten Recht behalten: Seit dem historischen Akt kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres rollt der Verkehr über Oder und Neiße flüssig und die Wirtschaft profitiert von der erheblichen Zeitersparnis. Unternehmen, Wirtschaftsverbände und Mittelständler können jetzt im grenzüberschreitenden Verkehr ganz anders kalkulieren. Kein nervender und obendrein unfallträchtiger Stau vor den Übergängen behindert Zeitpläne oder den Warenaustausch.
Foto: © Birgit / PIXELIOAndererseits haben sich die Befürchtungen vor einem sprunghaften Anstieg der Kriminalität in der Grenzregion nicht bestätigt. Die Polizei kontrolliert verdächtige Personen jetzt verstärkt im Hinterland, oft gemeinsam mit polnischen Kollegen.
„Die Grenzöffnung gibt der Wirtschaft Vorfahrt“, sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) bei der symbolischen letzten Abfertigung eines Autos am Grenzübergang Stadtbrücke in Frankfurt (Oder). „Endlich können wir die Oder so einfach und selbstverständlich überfahren wie die Elbe. Dies ist ein großer Schritt für die Menschen ebenso wie für die Wirtschaft beiderseits von Oder und Neiße.“
Tatsächlich wird Polen damit noch enger in die Europäische Union integriert. Zugleich gehört Brandenburgs frühere Randlage nun endgültig der Vergangenheit an. Der schnellere Warenfluss bringt Vorteile für beide Seiten.
Polen bleibt wichtigster Handelspartner für Brandenburg
Im Schnitt mussten sich die Lastwagen in Frankfurt (Oder), Schwedt oder Forst zwölf Stunden gedulden, bis sie endlich über Oder und Neiße rollen durften. Foto: © Hans-Peter Reichartz / PIXELIOSchon heute nehmen die Ausfuhren nach Polen mit einem Anteil von 14,3 Prozent mit deutlichem Abstand den ersten Platz unter den Brandenburger Exportländern ein. Beachtlich ist auch die Dynamik des Exportgeschehens: Im EU-Beitrittsjahr 2004 lagen die Brandenburger Ausfuhren ins Nachbarland mit 552,9 Millionen Euro noch im Bereich der Vorjahre. Ein Jahr später waren sie bereits auf 863,8 Millionen Euro gestiegen, in 2006 dann auf den Rekordwert von 1,360 Milliarden Euro.
Zu den Profiteuren des Wegfalls der Personenkontrollen gehört der Papierhersteller Leipa Georg Leinfelder GmbH in Schwedt. „Wir haben jetzt größere Planungssicherheit“, sagte Geschäftsführer Peter Probst in einer ersten Bilanz. Rund 2.500 Lastwagen schicke das Unternehmen mit Standorten in Bukarest, Schrobenhausen und Schwedt an der Oder pro Jahr nach Polen. Die Lieferungen müssen nach Auskunft des Unternehmens termingenau eintreffen. Das sei nun viel besser möglich als zu Zeiten des Staus vor der Grenze. Im Schnitt mussten sich die Lastwagen in Frankfurt, Schwedt oder Forst zwölf Stunden gedulden, bis sie endlich über die Oder und die Neiße rollen durften. Manchmal betrug die Wartezeit sogar 24 oder 26 Stunden.
Auch die Immobilienbranche reagiert sehr positiv. Für viele leer stehende Häuser in der Uckermark, in der Umgebung von Frankfurt (Oder) oder im Spree-Neiße-Kreis gebe es wachsendes Interesse polnischer Kunden, heißt es in Maklerkreisen. Einzelheiten lässt die Diskretion zwar nicht zu. Aber das Interesse von gut situierten Polinnen und Polen an einem Wohnsitz in Deutschland kommt nicht überraschend, denn sie nutzen sehr gerne die gute Infrastruktur für den Ausbau ihrer Geschäfte. Dies wiederum nutzt auch deutschen Partnern.
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2006
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 2/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 4/2007






















