Von wegen Kind oder Karriere!
Archivbeitrag der Ausgabe 2 | 6. Jahrgang | Sommer 2010
- von Matthias Berger

Dr. Martina Münch / Foto: MWFK / Michael Lüder
Sie ist Mitglied der Brandenburger Landesregierung, promovierte Ärztin und siebenfache Mutter. Dr. Martina Münch zeigt am eigenen Beispiel, wie man erfolgreich Beruf und Familie unter einen Hut bringen kann. 1961 in Heidelberg geboren, studierte sie in Hamburg, London und den USA Medizin, um anschließend in der Neurologie als Ärztin in Berlin und Heidelberg zu arbeiten. Nebenbei war sie als Mitglied der SPD schon immer politisch aktiv. 2004 wurde sie erstmals in den Brandenburger Landtag gewählt, seit 2009 ist Dr. Martina Münch Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur im Kabinett des Ministerpräsidenten Matthias Platzeck. Wir sprachen mit ihr u. a. über die Bedeutung Brandenburgs als Kultur- und Wissenschaftsstandort.
Macht das Ministerleben auch nach dem ersten halben Jahr noch Spaß?
Es macht von Tag zu Tag mehr Spaß! Mein Ressort ist unglaublich interessant, spannend und abwechslungsreich. Ich lerne mit jeder Aufgabe dazu und treffe jeden Tag neue Menschen. Natürlich bringen sie mir jetzt andere Erwartungen entgegen als zu der Zeit, als ich noch „einfache“ Abgeordnete war. Zum Ministerinnenleben gehört mehr Verantwortung zu tragen.
Welche Bedeutung hat das Land Brandenburg als Wissenschaftsstandort?
Brandenburg kann sich als Wissenschaftsstandort international sehen lassen, das hat uns jüngst der Wissenschaftsrat bescheinigt. Alle großen Forschungsgemeinschaften sind hier: Helmholtz, Leibniz, Max-Planck und Fraunhofer, auf dem Potsdamer Telegrafenberg und dem Wissenschaftscampus in Golm. Damit können wir wirklich zufrieden sein.
Wie wollen Sie den Ruf der Brandenburger Universitäten und Hochschulen verbessern?
Unsere Hochschulen haben einen ausgezeichneten Ruf, dank ihrer unverwechselbaren Profile und hervorragenden Leistungen in Forschung und Lehre. Die Universität Potsdam ist als Kooperationspartnerin bei außeruniversitären Forschungseinrichtungen gefragt. Oder die Fachhochschule Eberswalde: Ihr neuer Name „Hochschule für nachhaltige Entwicklung“ ist Programm. Die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ ist Deutschlands älteste Filmhochschule mit internationaler Reputation. Trotzdem kann man immer etwas besser machen. 10 Jahre nach der Bologna- Reform wollen wir nachjustieren, Gewinner dabei sollen die Studenten sein.
Viele Hochschulabsolventen gehen nach dem Abschluss in ein anderes Bundesland oder ins Ausland. Wie kann man diese Fachkräfte in Brandenburg behalten?
Fachkräfte im Land zu halten, ist gemeinsame Aufgabe aller in der Landesregierung. Als Wissenschaftsministerin kann ich Rahmenbedingungen für spannende, zukunftsfähige Studienangebote schaffen und so junge Leute auch aus anderen Bundesländern und dem Ausland motivieren bei uns zu studieren. Gut ausgebildete junge Menschen müssen aber auch attraktive Angebote in der Region vorfinden, dazu gehört auch eine gute Bezahlung.
Müssen Wissenschaft und Forschung noch mehr miteinander kooperieren? Und wenn ja, gibt es schon geplante Maßnahmen hierzu?
In der „Forschungsplattform Klimawandel“ arbeiten schon jetzt Politiker, Wissenschaftler und Wirtschaftsleute in puncto Geo-, Klima- und Umweltwissenschaften Hand in Hand. Das bundesweit in dieser Form einmalige Netzwerk PEARLS „Potsdam Research Network“ bündelt Kompetenzen der Bio- und Erdwissenschaften. Es gibt unzählige Kooperationen und Netzwerke zwischen Brandenburger und Berliner Einrichtungen. Das spornt natürlich auch die Studenten an, in weltweit führenden Forschungseinrichtungen mitarbeiten zu können.
Was war Ihre bisher überraschendste Erkenntnis als Ministerin?
Die überraschendste Erkenntnis … Dass es so viele engagierte Menschen, kluge Köpfe, so viel Potenzial und Tatendrang hier gibt, wusste ich schon aus meiner Zeit als Abgeordnete. Angenehm überrascht hat mich zu erleben, dass ich mit kompetenten Mitarbeitern in dem gut strukturierten Ministerium viel umsetzen und wirklich Dinge bewegen kann.

Ministerin Münch zu Besuch in der Galerie „Sonnensegel“ e. V. (Brandenburg / Havel) / Foto: Marek Schaller
Kann sich die märkische Kultur gegen die schier übermächtige Vielfalt in Berlin behaupten?
Berlin als „größte märkische Stadt“ mitten in Brandenburg ist eine große Bereicherung! Wir sind gut vernetzt, profitieren von der Metropole und die Kultur- und Wissenschaftsszene regt sich wechselseitig an. Denken Sie an die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die Potsdamer Tanztage, ein internationales Festival mit Künstlern aus Brandenburg, Berlin und Europa. Berliner zieht es nicht umsonst an den Wochenenden zu Konzerten in alten Dorfkirchen, zum Choriner Orgelsommer oder zur Kammeroper Schloss Rheinsberg, wir ergänzen einander.
Können Sie kleinen Theatergruppen weitere Förderung versprechen?
Wir fördern freie Theatergruppen und werden dies auch weiterhin tun. Freie Theater müssen an vielen Orten im Land Brandenburg unterwegs sein, denn es kann nicht überall große Häuser mit festen Ensembles geben. Freie Theater spielen da eine wichtige Rolle mit ihren vielfältigen Angeboten, das müssen wir unterstützen.
Wie kann die Kultur auf dem Lande gestärkt werden?
Überall im Lande müssen Menschen Zugang zu Kultur und kultureller Bildung haben. Der Verein „Kulturfeste im Land Brandenburg“ bietet da jährlich 800 Veranstaltungen – von der Barockoper bis zum Puppentheater, von Klassik bis Jazz, und das oft in kleinsten Dörfern. Auch „Kulturland Brandenburg“ ist mit hunderten Konzerten und Ausstellungen präsent. Die mehr als 250 Bibliotheken im Land sind wichtige Kultur-, Bildungs- und Informationsquellen. Wir stärken die Zukunftsfähigkeit solcher Einrichtungen, Vereine und Projekte, sie brauchen Planungssicherheit und Verlässlichkeit.
In welchem Museum sind Sie am liebsten zu Gast?
Das ist schwer zu sagen, bei rund 400 Museen in Brandenburg! Ich denke an Sanssouci oder Kloster Chorin, an die vielen Stadt- und Heimatmuseen, kennen Sie schon alle? Das Paulikloster ist großartig, das Potsdamer Filmmuseum oder das Dieselkraftwerk in Cottbus. Gerade habe ich beim Internationalen Museumstag eines meiner Lieblingsmuseen wieder besucht: das Schloss und Schulmuseum Reckahn.
Wie bringen Sie die beruflichen Verpflichtungen mit der Erziehung von sieben Kindern unter einen Hut?
Die Frage „Kind oder Karriere“ habe ich mir so nie gestellt. Meine Kinder geben mir viel Kraft. Kinder und Beruf gehören für mich einfach zusammen. Meine Familie ist ein eingespieltes Team: Alle ziehen an einem Strang und jeder übernimmt früh Verantwortung. Und Organisationstalent und ein gemeinsames Chaosmanagement gehören auch dazu! Kinder sind das Beste, was wir im Leben schaffen können.
An welchem Ort entspannen Sie allein oder mit Ihrer Familie?
Am besten entspanne ich mit meiner Familie. Ich genieße es, wenn ich mit meinen Kindern und meinem Mann im Branitzer Park spazieren gehe. Am Wochenende sitzen alle gemeinsam am Tisch und jeder erzählt, was er erlebt hat. Das ist die beste Entspannung. Und es ist ein großes Glück.
Archiv:
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2007
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