Von Sägen und Schäfchen
Archiv der Ausgabe 2 | 5. Jahrgang | Sommer 2009
- Was bei Schnarchen und anderen Schlafstörungen helfen kann
- Von Gerald Backhaus
„Er sägt schon wieder“, meint meistens nicht, dass Schatzi sich um das Kaminholz kümmert. Schnarchen hat zur Folge, dass immer mehr Paare getrennte Betten bzw. getrennte Schlafzimmer bevorzugen, so eine Studie der Medizinischen Universität in Wien. Fast ein Drittel der Erwachsenen schnarcht, im höheren Alter gibt jeder zweite Mann und jede vierte Frau im Schlaf unangenehme Töne von sich. Der „Beziehungskiller“ kann auch zu schweren gesundheitlichen Folgen führen.
Nasenmaske, Schnarchschiene, Operation
Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad und den Begleiterkrankungen des Patienten. Die bislang wirksamste ist die „nCPAP-Therapie“. Diese „pneumatische Schienung“ der Atemwege ist eine Überdrucktherapie. Eine Maske – es gibt mehrere Varianten von „Oral“, „Nasal“ bis Vollgesichtsmasken – wird mit Bändern am Kopf befestigt. Sie drückt auf die Nase oder zusätzlich auf den Mund. Über einen Schlauch ist sie verbunden mit einem Gerät, das durch sein Gebläse in den Atemwegen einen leichten Überdruck erzeugt. Dieser individuell notwendige Beatmungsdruck wird im Schlaflabor eingestellt. Er verhindert das Zusammenfallen der Atemwege und damit das Schnarchen. Nach einer Eingewöh-nungsphase erleben die meisten einen erholsameren Schlaf.
Manchem Schnarcher helfen Unterkiefervorschubschienen vom Zahnarzt oder Kieferorthopäden, auch Schnarchoder Apnoe-Schienen genannt. Das sind herausnehmbare Zahnschienen, die Zahnspangen ähneln und während des Schlafes getragen werden. Sie beeinflussen die Lage von Unterkiefer, Zunge und Gaumensegel, indem sie diese in einer leichten Vorwärtsposition halten. Daraus resultiert eine Vergrößerung des Rachenraumes, was freies Durchatmen ermöglicht.
Bei einer ausgeprägten Behinderung der Nasenatmung kommt auch ein operativer Eingriff durch den HNO-Arzt in Betracht.
Für viele Hersteller von „Anti-Schnarch-Masken“, Nasenklammern und elektrischen Warngeräten ist der Schnarcher-Markt eine Goldgrube. Aber nur die wenigsten Produkte zur Eigenbehandlung sind ihr Geld wert. Ihre Wirksamkeit ist nicht nachgewiesen, sie stören den Nachtschlaf zusätzlich und verzögern oftmals, dass der Betroffene eine wirksame Behandlung seiner Schlafapnoe beginnt.
Wenn Schäfchen zählen nicht hilft
Jeder kennt das Problem, wenn er mal in einer Nacht nur zwei oder drei Stunden geschlafen hat. Am nächsten Tag ist man kaum zu gebrauchen. Mediziner geben als Ursachen für Schlafstörungen meistens Depressionen, Angststörungen oder das „Syndrom der unruhigen Beine“ an. Dafür gibt es Therapien. Wenn der Arzt allerdings keine eindeutigen Ursachen für das Problem ausmachen kann, bietet sich der Gang in ein Schlaflabor an. Im ambulanten Schlafmedizinischen Zentrum Berlin gibt es ein abgestuftes diagnostisches Vorgehen. Nach Anamnese und körperlicher Untersuchung führen die Patienten über vier Wochen ein Schlaftagebuch. Im Schlaflabor folgen apparative Maßnahmen wie die ambulante Polygraphie oder die Polysomnographie. Während des Schlafes werden Atmung, Herzrhythmus, Hirnströme und Muskelaktivitäten aufgezeichnet, gleichzeitig werden die Schnarchgeräusche über ein Mikrofon aufgenommen.
Grundsätzlich sollte man nur so viel schlafen, wie individuell notwendig ist. Schlafexperte Müller-Pawlowski empfiehlt, regelmäßige Schlafzeiten einzuhalten. Dazu gehören ein regelmäßiges Zubettgehen und morgendliches Aufstehen zu einer festen Uhrzeit. Von einer Siesta mit ausgedehntem Mittagsschlaf rät er ab. „Auf Tagesschlaf sollte man verzichten, Wenn, dann maximal 30 Minuten!“ Wichtig sind angenehme Schlafbedingungen, dazu gehören Ruhe, für manche Menschen Dunkelheit, und „die richtige Matratze“. Erholsamem Schlaf förderlich ist eine ausgeglichene Ernährung, was bedeutet, am Abend keine großen Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Dr. Müller-Pawlowski rät zum Verzicht auf Kaffee, Nikotin, Cola, schwarzen Tee und Alkohol, dafür zu entspannenden Tätigkeiten am Abend und zu regelmäßigem körperlichen Training. Sport sollte man aber mindestens sechs Stunden vorm Zubettgehen machen. Auch andere Aktivitäten direkt vor dem Schlafengehen sollten die Ausnahme sein. Den gesunden Schlaf fördern kann man auch durch Abendrituale wie das Anreichern der Raumluft mit ätherischen Ölen oder durch die Einrichtung des Schlafzimmers nach den Regeln des Feng Shui. Das kann hilfreich sein, so der Mediziner, denn „gut ist, was hilft!“ Fundierte wissenschaftliche Untersuchungen hierzu liegen seiner Ansicht nach aber nicht vor.
Service:
Dr. med. Harald Müller-Pawlowski, Pneumologe / Somnologe / Allergologe und Leiter des ambulanten Schlafmedizinischen Zentrums im St. Hedwig Krankenhaus Berlin www.somnolab-berlin.de
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