STILLER AUFSCHWUNG
Archiv der Ausgabe 2 | 3. Jahrgang | Frühjahr 2007
Cottbus – der Hotspot in Brandenburg
Viel Aufhebens um die eigene Stadt zu machen, das liegt den Cottbusern nicht. In der Niederlausitz gibt man sich traditionsbewusst, kaufmännisch solide und stolz. Und während die schöne große Schwester Potsdam in altem Glanz strahlt, peilt man in Cottbus längst die Zukunft an: Heimlich, still und leise hat sich die zweitgrößte Stadt Brandenburgs zu einer modernen Forschungs- und Dienstleistungsmetropole gemausert.
Die IKMZ-Universitätsbibliothek Cottbus wurde als „Bibliothek des Jahres 2006“ ausgezeichnet; Foto: Ralf SchusterDabei setzt die Großstadt mit ihren rund 100.000 Einwohnern vor allem auf innovative Technik. An der jüngsten TU Deutschlands (1991 gegründet) sind Spitzenplätze im nationalen Uni-Ranking an der Tagesordnung. International anerkannte Leistungen im Flugzeugbau, der Architektur und der Umweltwissenschaft sorgen für den guten Ruf der Brandenburgischen Technischen Universität; auch die Fachhochschule Lausitz bietet ihren Studenten ein breites Angebot an ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen. Dabei lässt es sich im neuen Hotspot Brandenburgs nicht nur gut studieren und forschen, in der ehemaligen Industriestadt – zu DDR-Zeiten wichtigster Kohle- und Energielieferant – lässt es sich heute auch sehr gut leben. Im Mittelpunkt der lebendigen Theaterszene steht das Staatstheater Cottbus, das im kommenden Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiern kann. Wie vielfältig das Repertoire mit seinem gelungenen Mix aus Alt und Neu, E und U in den Sparten Oper, Theater, Ballett und Musik ist, zeigen die nächsten Premieren: Am 22. Juni wird „Antilopen“ gegeben, ein Theaterstück des schwedischen Bestseller-Autors Henning Mankell, am 23. Juni folgt der populäre Schwank „Pension Schöller“.
Kultur im Grünen
Wer Kultur gern unter freiem Himmel erlebt, der ist im Pückler-Park Branitz richtig. Fürst Pückler gelang 1845 das Kunststück, eine sandige Ebene in ein grünes Kleinod zu verwandeln, das heute auf der Denkmalliste Brandenburgs zu finden ist. Mit seinen 600 Hektar Park, durchzogen von künstlichen Wasserwegen, bietet der Pückler-Park eine perfekte Kulisse für den Lausitzer Opernsommer. Ein Hauch von Glyndebourne weht im August durch Cottbus, wenn vor elegantem Publikum versunkene Schätze der Opernliteratur zutage gefördert werden. Unter der Leitung des Dirigenten Richard Hughey wird in diesem Jahr die festliche Händel-Oper „Orlando“ von Studenten und Absolventen der Dresdner Hochschule für Musik auf der Schlossterrasse dargeboten. Neben einem romantischen Opernabend bietet ein Drei-Gänge-Opernmenü kulinarischen Hochgenuss.
Von Mai bis August lockt der Park darüber hinaus mit seinem „Branitzer Parksommer“ Gäste zu Konzerten, Salonabenden und zum Besuch seines Museums. Große und kleine Besucher haben viel Freude an der Parkeisenbahn. Die Schmalspurbahn, in Betrieb seit 1954, verbindet in der Sommerzeit den Pückler-Park mit dem Eliaspark, dem Spreeauenpark und dem Tierpark.
Traditionelle Wurzeln
Die IKMZ-Universitätsbibliothek Cottbus wurde als „Bibliothek des Jahres 2006“ ausgezeichnetFoto: Ralf Schuster
Wer Traditionen schätzt, der wird sich auch für die Kultur der Sorben interessieren. Mit ihren schönen Trachten, ihrer lebendigen Folklore und den aufwendigen Festen wie dem Osterreiten sind sie eine feste Größe in der Nieder- und Oberlausitz. Sorbische Medien, eigene Theater und Museen, darunter auch das Wendische Museum in Cottbus, sorgen dafür, dass die alte Sprache nicht in Vergessenheit gerät. Etliche Straßenschilder in Deutsch und Sorbisch weisen darauf hin, dass die Sorben eine selbst-bewusste (und anerkannte) Minderheit sind, die ihr Brauchtum pflegt.
Ebenfalls großer Beliebtheit erfreut sich eine andere Cottbuser Tradition: der Karneval. An jedem Tulpendienstag findet mit dem „Zug der lustigen Leute“ der größte Karnevalsumzug Ostdeutschlands statt, der jedes Jahr mehr als 100.000 Besucher anzieht.
Auch sportlich hat Cottbus einiges zu bieten. Der FC Energie Cottbus, 1966 gegründet, schaffte 1999 / 2000 den Aufstieg in die erste Bundesliga und den zweimaligen Klassenerhalt. Nach dem Abstieg in die zweite Liga gab es 2005 / 2006 ein gefeiertes Comeback der Rot-Weißen. Und wenn die Elf im 22.500 Plätze bietenden „Stadion der Freundschaft“ aufspielt, dann ist das in der ganzen Stadt zu hören. Energie-Fans wissen es schließlich schon lange: Die (Fußball-) Sonne geht im Osten auf!
Der Breitensport hat in der Niederlausitz ebenfalls einen hohen Stellenwert. Cottbus ist Olympiastützpunkt, über hundert Turnhallen, Sportplätze und Stadien sowie diverse Sportanlagen, wie Schwimmhallen, Schießstände und Tennisplätze, bieten Trainingsmöglichkeiten für mehr als 120 Cottbuser Sportvereine. Dieser Einsatz zahlt sich aus. Raten Sie mal, woher Rosemarie Ackermann kommt, die erste Frau, die die Zwei-Meter-Marke übersprang? Richtig: aus Cottbus natürlich.
ml
Staatstheater Cottbus: www.staatstheater-cottbus.de
Branitzer Parksommer: www.pueckler-museum.de
Lausitzer Opernsommer, 3.-5.8.: www.lausitzer-opernsommer.de
Energie Cottbus: www.fcenergie.de
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2006
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2007






















