„STILL IM LAND“
Archiv der Ausgabe 1 | 3. Jahrgang | Winter 2006/07
- Königliche Schmuckstücke im Schloss Paretz zu sehen
Paretz im Havelland erstrahlt erst seit kurzer Zeit wieder im alten Glanz. Neuerdings können auch diamantene Ohrringe von König Luise bewundert werden.
Foto: © Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin / BrandenburgDie Diamanten glitzern hundertfach selbst durch die doppelte Glasscheibe hindurch. Doch nicht nur deshalb bewegen die Besucher vor der Vitrine ihre Köpfe hin und her. Sie wollen die neue Kostbarkeit im Schloss Paretz bei Potsdam ganz genau und von möglichst vielen Seiten betrachten. Schließlich gehörten die Ohrringe einst einer bis heute unvergessenen und verehrten Dame: Königin Luise trug die Schmuckstücke bei ihrer Hochzeit.
Die 1810 verstorbene preußische Herrscherin umgibt wegen ihrer Schönheit, ihres Engagements für die einfachen Landbewohner, des zurückgezogenen Lebens und nicht zuletzt ihres frühen Todes im Alter von nur 34 Jahren noch immer ein Mythos. Auf ungewöhnliche Weise gelangten die Ohrringe jetzt in das Schloss „Still-im-Land“ zurück. Das kann nun zusammen mit den Gemälden, Vasen, Wandtapeten und der Ausstellung königlicher Kutschen, Sänften und Schlitten ganz besonders für einen Besuch empfohlen werden.
Das Testament eines einst wohlhabenden Berliner Bauunternehmers verfügte die Rückgabe der königlichen Ohrringe ins kleine Paretz. 1993 hatte er die Schmuckstücke auf einer Auktion in der Schweiz für etwa 15 000 Franken für seine Frau erworben. Wie sie dort hingelangten, ist bis heute ein Rätsel geblieben. Die Gattin kannte die Geschichte der Ohrringe, trug sie nur zu ausgewählten Anlässen und stimmte dem letzten Willen ihres Ehemannes zu. Nach dessen Tod machte sie sich auf den Weg von ihrem Heimatort in der Nähe von Coburg nach Paretz und übergab die Ohrringe der Schlösserstiftung.
Wäre sie nur fünf Jahre früher gekommen, hätte sie das Schloss im Dorf womöglich gar nicht gefunden. Eine Agrarschule hatte zu DDR-Zeiten die Sommerresidenz von Königin Luise und ihrem Gemahl König Friedrich Wilhelm III. völlig verunstaltet.
Die Liste der Retter des Schlosses ist lang; allen voran ist der heutige Kastellan Matthias Marr zu nennen. Er sammelte seit den Achtzigerjahren Informationen über das Königspaar und dessen glückliche Zeit im Havelland, bot Führungen an, verkaufte historische Postkarten und warb für den Wiederaufbau.
Doch neben dem unermüdlichen Hobby-Historiker Marr hatte Paretz das Glück, auf das große Interesse einer anderen tatendurstigen Person zu treffen. Ruth Cornelsen, Witwe des 1989 verstorbenen Verlagsgründers Franz Cornelsen, verliebte sich in den kleinen Ort. Sie bot 1997 eine Spende von rund 1,5 Millionen Mark für die Restaurierung der kostbaren Wandtapeten an, stellte dafür aber eine entscheidende Bedingung: Das Land Brandenburg sollte sich endlich zu Paretz bekennen. Der gewünschte Deal gelang. Nach vierjähriger Sanierung erstrahlte das Schloss 2001 in alter Schönheit.
SCHLOSS PARETZ
Schloss und Schlossremise Paretz
Parkring 1, 14669 Ketzin
Telefon 033233 / 7 36 11
www.spsg.de
Anreise: Vom Potsdamer Hauptbahnhof direkt zum Schloss mit der Buslinie 614. Mit dem Auto über die Ausfahrt Potsdam-Nord des westlichen Berliner Autobahnrings oder über die B 273 aus Potsdam.
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/200






















