Schmuckstück ohne Hüllen
Archivbeitrag der Ausgabe 4 | 5. Jahrgang | Winter 2009
- Marmorpalais in Potsdam restauriert
- von Christa Steuer
Potsdam hat endlich sein „zweites Sanssouci“ zurück. Nach 15 Jahren Bauzeit zeigt sich das Marmorpalais im Neuen Garten endlich wieder in seiner ganzen Schönheit. Kein Gerüst stört mehr den Blick auf dieses königliche Sommerschloss.

Innenansicht des Marmorpalais / Foto: scd
Der Vergleich mit dem Schloss Sanssouci stammt vom Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Professor Hartmut Dorgerloh, der damit sehr treffend die außergewöhnliche Schönheit und Harmonie des Gebäudes beschrieb. Es handele sich beim Marmorpalais schließlich um den „Leitbau des Klassizismus in Preußen“.
Rund 11,5 Millionen Euro haben der Bund sowie die Länder Brandenburg und Berlin in die Sanierung dieses Schmuckstücks gesteckt. Weitere zwei Millionen kommen bis 2013 für die Neugestaltung der Außenanlagen sowie die Reparatur der Ufermauer und der Freitreppen im Kolonnadengang des Südflügels hinzu. Außerdem wird das benachbarte Küchengebäude vor weiterem Verfall bewahrt. Es behält natürlich sein vom König gewünschtes Aussehen einer Ruine, aber auch so ein Gebilde braucht ab und an Pflege. Küchengebäude und Marmorpalais sind durch einen unterirdischen Gang miteinander verbunden. Die königliche Familie schützte sich mit der ausgelagerten Küche vor unliebsamen Gerüchen und minimierte gleichzeitig die Brandgefahr. Das Gesamtbild wird durch die restlichen Arbeiten aber kaum gestört.
Schwere Schäden durch Offizierscasino und Armeemuseum
Der aufwändigen Restaurierung der Außenfassade war die umfangreiche Instandsetzung der 40 Räume vorausgegangen, durch die die Besucher schon seit dem Jahre 2006 spazieren können. Die Ausstellung erinnert an den Preußenkönig Friedrich Wilhelm II., der den Bau zwischen 1787 und 1791 errichten ließ.
Der hohe Aufwand im Inneren und an der Außenfront ist vor allem auf die außergewöhnliche Vergangenheit des Gebäudes zurückzuführen. Es erlitt am Ende des Zweiten Weltkrieges zwar einige Schäden durch Brandbomben. Doch schwerer wog das Interesse von Militärs an dem architektonischen Meisterwerk. Zuerst richtete 1945 die Rote Armee in den Salons und Empfangsräumen ein Offizierskasino ein, ehe die Nationale Volksarmee der DDR 1961 schweres Kriegsgerät ins Haus schleppte. Ausgerechnet hier baute sie ein Armeemuseum auf, das selbst auf einen originalen Düsenjäger im Schlosshof nicht verzichtete. Der wertvolle Kloebersaal wurde zum Kino umgestaltet.
Heute kann jedermann wieder ungestört die ausgefallene Architektur des Hauses genießen, wunderschön spiegelt es sich nun in alter Pracht im Heiligen See.
Archiv:
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