SABINE UND DER JUNGE FRITZ
Archiv der Ausgabe 3 | 3. Jahrgang | Sommer 2007
- Rheinsberg – Die Kulturhauptstadt im Norden Brandenburgs
Der junge Fritz, später Friedrich II., war ein recht aufsässiger Kronprinz, als er in Rheinsberg weilte, um sich hier seinen philosophischen, sprachlichen und historischen Studien zu widmen. Er scharte einen Kreis von Freunden der Musik, Dichtkunst und des Theaters um sich und – so sagt es die Legende – verliebte sich in die schöne Försterstochter Sabine. Mit der historisch belegten Gestalt der jungen Schönen hat die örtliche ältere Heimatdichtung zahlreiche Legenden aus der Neuruppiner und Rheinsberger Zeit des jungen Kronprinzen Friedrich verwoben. Seit kurzem ist Sabine zurückgekehrt.
Foto: Schwarz/TMB-FotoarchivSie steht im kleinen Örtchen Binenwalde am Ostufer des malerischen Kalksees und tatsächlich erinnert der Name des Ortes an die Försterstochter Anna Sabine Cusig, die 1715 in Zühlen geboren wurde. Die engagierten Verehrer der Schönen sorgten dafür, dass das 1945 mutwillig zerstörte Denkmal im Juni dieses Jahres an seinen ursprünglichen Standort zurückkehren konnte. Die Binenwalder brauchten viel Geduld. 16 Jahre lang hofften sie, dass es endlich etwas wird mit der schönen jungen Frau. Genaue Angaben, wie die originale Statue aussah, waren rar. Eine alte Postkarte gab es, mehr nicht. Nach Turbulenzen, einer großen Portion Hartnäckigkeit vor allem des Binenwalder Heimatvereins und vielen gesammelten Spenden steht Sabine nun auf ihrem Granitsockel, ihr langes Kleid umspielt die Hüften und enthüllt ihre linke Brust.
Wer in Rheinsberg und Umgebung unterwegs ist, begegnet auf Schritt und Tritt Geschichte und Geschichten. Friedrich II. verbrachte hier als Kronprinz die glücklichste Zeit seines Lebens. Sein jüngerer Bruder, Prinz Heinrich von Preußen, schuf hier einen bedeutenden Musenhof und prägte nachhaltig Schloss und Garten im Stil des frühen Klassizismus. In seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ setzte Theodor Fontane der Stadt ein literarisches Denkmal, und später machte Kurt Tucholsky Rheinsberg zum charmanten Schauplatz unbeschwerter Liebe. Auch heute kann sich kaum ein Besucher dem Charme des Ortes entziehen.
Wie kein anderes Schloss besticht Rheinsberg durch seine malerische Lage am Grienericksee. Hier verbinden sich Natur, Architektur und Kunst zu einem harmonischen Ensemble. Zahlreiche Kunstwerke schmücken die Räumlichkeiten des Schlosses und laden zu einer Reise in die Zeit des 18. Jahrhunderts ein.
Noch immer ist das Schloss ein Musentempel. Seit 1991 erfüllt die Kammeroper Schloss Rheinsberg den alten Musenhof mit neuem Leben. Der Berliner Komponist Prof. Siegfried Matthus (siehe Interview Rubrik „Zu guter Letzt“) gründete an diesem historischen Ort das „Internationale Opernfestival junger Sänger“. Rheinsberg wurde Festivalstadt und Gastgeber für die Weltelite des Sängernachwuchses. Es sind die Preisträger des Internationalen Gesangswettbewerbes der Kammeroper, die zu Beginn eines jeden Jahres unter ca. 450 Teilnehmern ermittelt werden. Die Stars von morgen bezaubern die zu Tausenden anreisenden Klassik-Fans mit dem Charme ihrer jungen Stimmen. Oper open air genießt der Besucher in einem zauberhaften Ambiente: im Heckentheater inmitten einer herrlichen Parklandschaft und im Ehrenhof des Schlosses mit seiner hervorragenden Akustik und dem Blick auf den Sonnenuntergang über dem See. Das wieder aufgebaute Schlosstheater fügt sich in den historischen Gebäudekomplex von Schloss und Kavalierhaus ein und überrascht im Innern mit einem modernen Theatersaal.
Rheinsbergs Hauptgeschäftsstraße ist die Schlossstraße. Im Ratskeller speiste schon Fontane und im Buch „Der Stechlin“ feierte Dubslav von Stechlin an diesem Ort seine verlorene Wahl. Hier ist auch „L’atelier“ des französischen Künstlers Tony Torrilhon, dessen Kupferstiche, Holzplastiken, Keramiken und Grafiken Kunstliebhaber und Sammler begeistern. Tony Torrilhon, der in Rheinsberg lebt und arbeitet, ist ein kommunikativer Künstler – wer möchte, kann einen Blick in seine Werkstatt werfen, Fragen stellen, die Entstehung eines Werkes beobachten. Das Atelier bietet Raum und Möglichkeit für Entdeckungen. Samstag und Sonntag sind Besuchertage, auch wochentags ist die Ateliertür häufig offen.
Natürlich bietet Rheinsberg auch viele Gelegenheiten, fürstlich, exotisch oder ganz bodenständig zu essen. Ganz geschichtlich geht es im Gasthof Endler zu, zu dem auch eine hauseigene Fleischerei gehört. Das Haus ist über 250 Jahre alt, liebevoll saniert erzählt es davon, wie die Rheinsberger einst lebten. Ein Tipp sind die Wildgerichte. „Uns beliefert ein Jäger. Wenn er was schießt, steht’s auf der Karte“, erzählt der rührige Wirt und bekennende Rheinsberg-Liebhaber. Regionale Küche, frisch, saisonal und ehrlich – ein alter Wert, der heute sehr gefragt ist. bm
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