Rückkehr eines Gesamtkunstwerkes
Archiv der Ausgabe 1 | 3. Jahrgang | Frühjahr 2008
- Action und Aktien für das Potsdamer Stadtschloss
Das Potsdamer Stadtschloss war das historisch bedeutendste Gebäude in Brandenburg und gehörte zum künstlerischen Gedächtnis Europas. Das Bauwerk ist bis heute in allen maßgeblichen Enzyklopädien zur europäischen Architektur verzeichnet. Bei dem Bombenangriff am 14. April 1945 brannte das Schloss aus, 1959 folgte die Sprengung der Ruine. Seitdem fehlt ein Stück Geschichte in Potsdams Mitte.
Foto: Aus der Fotothek der Sächsischen Landesbibliothek„Wenn es wirklich geschieht, dass das Potsdamer Stadtschloss dem Erdboden gleichgemacht wird, so ist eine der schönsten Städte Deutschlands heillos verarmt, weil ihr geschichtliches und künstlerisches Dasein im Innersten getroffen ist“, schrieb wenige Tage vor der Sprengung 1959 die hoch geehrte Generaldirektorin der Schlösser, Prof. Dr. Dr. Margarete Kühn. Ihre Warnung verhallte ungehört.
Als Friedrich Wilhelm 1666 den Bau des Schlosses veranlasste, begann Potsdams Aufstieg vom Rang einer durchschnittlichen Fischersiedlung auf die Bühne der europäischen Geschichte. Das Gesamtkunstwerk verankerte Potsdam im kulturellen Bild Europas, es war städtebaulich das Rückgrat der Stadt.
In den Mauern wurde Weltgeschichte geschrieben, zum Beispiel die Anerkennung der Unabhängigkeit der USA. Voltaire und Napoleon logierten hier, Bach, Mozart und Furtwängler gaben Konzerte. Nach der politischen Wende von 1989 / 90 gab es unzählige Versuche, die verödete Mitte Potsdams wieder zu beleben. Aber erst der 1997 gegründete Bürgerverein setzte – mit prominenter Hilfe von Günther Jauch – mit dem Fortunaportal den ersten sichtbaren Akzent. Daraus entwickelte sich der Verein Potsdamer Stadtschloss e. V. Am 20. Mai 2005 beschloss der Landtag ein Parlament auf dem Gelände des Stadtschlosses „in den äußeren Um- und Aufrissen“ des „historischen Gebäudes“.

Längst organisieren die Bürger ideenreich und originell den Wunsch zum Wiederaufbau dieses Gesamtkunstwerkes. Das reichte von „Montagsdemos“ über Vorträge, Kunstauktionen und Veranstaltungen bis hin zu „Dinner-Demos“ auf dem Alten Markt. Seit Sommer 2007 existieren die „Potsdamer Stadtschloss-Aktien“, seit Herbst 2007 „Zeichnungsscheine“. Alle diese Aktivitäten sollen den historischen Fassaden zugute kommen.
Im Dezember 2008 sagte Prof. Hasso Plattner eine Spende von 20 Millionen Euro zu. Das ist die großzügigste Spende in der deutschen Geschichte für ein öffentliches Gebäude.
Trotz der Großzügigkeit des SAP-Gründers legt der Verein Potsdamer Stadtschloss e. V. die Hände nicht in den Schoß. Schließlich sind es Kunst, Geschichte und Schönheit, die die Gäste aus dem In- und Ausland nach Potsdam ziehen. Dr. Hans-Joachim Kuke
Spenden für den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses: MBS Mittelbrandenburgische Sparkasse, Konto Nr. 350 600 6060, BLZ 16050000
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