Raus aus der Kreditklemme
Archiv der Ausgabe 3 | 5. Jahrgang | Herbst 2009
- Wieder flüssig werden Brandenburger Unternehmen mit dem Kredit für Liquiditätssicherung von der ILB und der Bürgschaftsbank.
- von Gerald Backhaus
Das klassische Dilemma eines Liquiditätsengpasses umreißt Dr. Miloś Stefanovic, Sprecher der Geschäftsführung der Bürgschaftsbank Brandenburg, anhand eines 40-Mann-Betriebes aus der Region:
„Seine großen Abnehmer zahlen zunehmend später, was er tolerieren muss, da sie 80 Prozent seines Umsatzes ausmachen. Auf der anderen Seite verlangen seine – nicht minder mächtigen – Lieferanten wegen eigener Liquiditätsprobleme eine schnellere Bezahlung ihrer Rechnungen. Was bleibt ihm übrig? Er muss schneller zahlen, bekommt aber später Geld.“ Diese Liquiditätslücke muss geschlossen werden, zum einen durch einen Kredit, zum anderen durch die allmähliche Normalisierung der Zahlungsverhältnisse. An Kredite zu kommen, ist in der jetzigen Finanzkrise alles andere als einfach, viele Banken agieren verhaltener. Wie Brandenburger Unternehmer trotzdem an Geld kommen können, erklärt Dr. Stefanovic in der InvestitionsBank des Landes Brandenburg (ILB) gemeinsam mit Gastgeber Tillmann Stenger, Bereichsleiter Unternehmenssteuerung der ILB. Im modernen Gebäude der ILB in Babelsberg ist Dr. Stefanovic häufig Gast.
Kräfte bündeln gegen die Wirtschaftskrise

Tillmann Stenger, Foto: Oliver Wia
Die beiden Finanzprofis und ihre Institute arbeiten seit 1992 Hand in Hand, ganz besonders aber in den letzten Monaten. Sie treffen sich regelmäßig in der so genannten „Monitoring Group“, die aus Vertretern von ILB, Bürgschaftsbank, Wirtschaftsministerium und Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) besteht. Diese alle an einen Tisch zu bringen, ihre Kräfte zu bündeln, war die Idee von Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns. Los ging es damit bereits im November 2008. Stenger erinnert sich gut daran, dass die Landesregierung bereits damals davon ausging, dass sich die Finanzkrise zu einer handfesten Wirtschaftskrise ausweiten würde: Brandenburg hat sich als Land rechtzeitig darauf eingestellt. Zunächst wurde ein Maßnahmepaket für die gewerbliche Wirtschaft geschnürt, was im ersten Halbjahr 2009 sukzessive konkretisiert wurde, um damit „nichts zu doppeln, was der Bund mit seinen Konjunkturpaketen berteits anbietet“, so Stenger. Also legte Brandenburg eigene Programme auf, die ergänzend zu denen der Bundesregierung wirken. Aktuelles Beispiel dafür ist ein zinsgünstiges Darlehen, das die Liquidität des Mittelstandes sichern soll. Mit dem „Brandenburg- Kredit Liquiditätssicherung“, der seit Mitte Juni beantragt werden kann, können zum Beispiel Betriebsausstattung, Aufstockung des Warenlagers und Betriebsmittel finanziert werden. Die ILB bietet den Kredit in Kombination mit einer mindestens 70-prozentigen Bürgschaft der Bürgschaftsbank an. Abgewickelt wird er über die Hausbank des antragstellenden Unternehmens, die ihre Kunden am längsten kennt und am besten einschätzen kann, so Dr. Miloš Stefanovic. Durch ihre Bürgschaft minimiert die Bürgschaftsbank das Risiko der Hausbank und signalisiert, dass sie das Vorhaben für tragfähig hält. Das Prozedere, um an diese Mittel zu kommen, ist einfach: Liegt eine Bürgschaft vor, können Unternehmen mit gutem Rating von der ILB Liquidität zu einem traumhaften Festzinssatz von 2,5 Prozent erhalten, bei einem weniger guten Rating werden günstige 4 Prozent Zinsen gewährt. „Das ist im Vergleich sensationell preiswert“, so Dr. Stefanovic, der gerade einen Fall auf dem Tisch hatte, bei dem ein Unternehmen 11,5 Prozent Kreditzinsen an seine Hausbank zahlen sollte, obwohl eine Bürgschaft vorliegt. Ganz anders der ILB-Kredit, der zwischen 100.000 und 2 Millionen Euro pro Jahr liegen kann.
Echte Hilfe in Krisenzeiten

Dr. Miloś Stefanovic, Foto: Oliver Wia
Bis zu drei Jahre lang muss nicht getilgt werden. Kreditnehmer brauchen lediglich die geringen Zinsen aufzubringen, erst bei Laufzeitende ist der Gesamtbetrag fällig. Die Bürgschaftsbank organisiert die Haftung. Während sie den Löwenanteil absichert, übernimmt die Hausbank des Antragstellers 10 bis 30 Prozent des Risikos. Bürgschaften bis zu 88 Prozent sind derzeit möglich. Dafür hat die Bürgschaftsbank Brandenburg ihren Bürgschafthöchstbetrag von 1 auf 1,5 Millionen Euro erhöht. Mitte Juli wurden bereits die ersten Darlehensbürgschaften von der Bürgschaftsbank genehmigt, die ILB zieht nach mit den Liquiditätszusagen. Für das Programm stehen derzeit 10 Millionen Euro bereit. Dieser Betrag kann bei starker Nachfrage von der ILB erhöht werden, so Tillmann Stenger. Die Zinsverbilligungen stammen aus dem ILB-Förderfonds. Dieser Förderfonds wird gespeist aus Gewinnen der ILB, die damit ihre Programme wie den Kredit zur Liquiditätssicherung, aber auch die Kredite für den ländlichen Raum, für Kommunen und den Mittelstand subventioniert. Für die Brandenburger Landwirtschaft bietet die ILB gesonderte Hilfen an. Landwirtschaftliche Betriebe können bis Ende 2009 – ähnlich wie die gewerbliche Wirtschaft – zinsgünstige Liquiditätshilfe-Darlehen beantragen. Daneben forciert die ILB langfristige Geschäfte, indem sie beispielsweise Globaldarlehen an Geschäftsbanken vergibt. Dafür hat sie allein in diesem Jahr 300 Millionen Euro vorgesehen. Genug Eigenkapital zu haben, ist essenziell für jedes Unternehmen. Die ILB hat drei neue Produkte aufgelegt, die Firmen generell bei der Eigenkapitalfinanzierung, aber auch gerade in der jetzigen Rezession helfen können. Dazu zählt der BFB Wachstumsfonds mit einem Budget von 30 Millionen Euro, aus dem Risikokapital-Finanzierungen vergeben werden. Daneben gibt es ein Nachrangdarlehen, das gekoppelt ist an die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“. Und im Herbst will die Bank mit einem Frühphasenfonds an den Markt gehen. Dieser soll unbürokratisch Risikokapital für technologieorientierte Firmen-Neugründungen bereitstellen.
Die „Monitoring Group“ schafft Lösungen
In Brandenburg ansässige Unternehmen, die sich aktuell mit einer Krisensituation konfrontiert sehen, können sich an die „Monitoring Group“ wenden. Gemeinsam helfen die vier Institutionen ILB, Bürgschaftsbank, Wirtschaftsministerium und ZAB dabei, eine individuelle Lösung für den Betrieb zu finden. Das geht von Finanzierung über Vermittlung eines Kooperationspartners bis hin zur Übernahme einer Bürgschaft. Bis Mitte Juli gab es schon 120 Anfragen. Viele davon konnten bearbeitet werden, rund 40 Unternehmen werden derzeit durch die „Monitoring Group“ intensiv betreut. Kontakt zu ihr bekommen interessierte Unternehmen über das Kundencenter der ILB sowie über die anderen beteiligten Partner. Damit die zurückhaltende Kreditvergabe der Hausbanken nicht zu einer existenziellen Bedrohung der Brandenburger Firmen wird, ziehen die Institutionen an einem Strang.
Archiv:
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