Prächtige Kunst im neuen „DKW“
Archiv der Ausgabe 1 | 3. Jahrgang | Frühjahr 2008
- Das alte Dieselkraftwerk (DKW) eröffnet im April mitten in Cottbus als Museum und Veranstaltungsort
Fällt künftig unter Brandenburgs Kulturinteressierten irgendwo die Abkürzung „DKW“, führen alle bekannten Deutungen ins Leere. Denn dahinter verbirgt sich weder der „Deutsche Kraftwagen“ oder der einst als „Das kleine Wunder“ umschriebene Fahrradhilfsmotor noch die bis 1966 unter dieser Marke produzierten Autos. Nein, mit „DKW“ wird die neue Kulturadresse in Cottbus bezeichnet, das „Dieselkraftwerk“.
Fotos: Marlies KrossEnde April steigt die große Eröffnungsparty in dem für mehr als sieben Millionen Euro zum Kunstmuseum umgebauten Fabrikgebäude mitten in der Lausitzmetropole auf der Mühleninsel. Es beherbergt rund 16.400 Werke aus den Gattungen Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Plakat. Dazu kommen jährlich zehn bis zwölf Wechselausstellungen. Deren Spektrum erstreckt sich von der klassischen Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst, in der die Fotografie am stärksten vertreten sein wird. Das bisherige Domizil der Brandenburgischen Kunstsammlungen in der Fußgängerzone Spremberger Straße war im Laufe der Zeit einfach zu klein geworden.
Von den neuen Räumen profitiert auch die Abteilung der Museumspädagogik. Das Museumsprogramm umfasst Führungen, Angebote für die Primär- und Sekundarstufe, Projekttage zu unterschiedlichen Themen, Ferienspiele, Arbeit mit gehandicapten Menschen, Lehrerfortbildung, Seniorentreff, Werkstätten, Kurse, eine Som mer kunst werkstatt und ein Som mer camp.
Kaum 30 Jahre dröhnte der Dieselmotor
Der beeindruckende Bau ist ein Werk des Berliner Architekten Werner Issel. Er entschied sich in den Jahren 1927/1928 für den damals noch jungen Stil der Neuen Sachlichkeit. Im ehemaligen Maschinenhaus, dem größeren der beiden Gebäudetrakte, dröhnte einst ein 1.450 PS starker Dieselmotor. Er sollte Engpässe in der Stromversorgung der Stadt Cottbus gerade in den Zeiten des höchsten Strombedarfs schließen. Der Turmflügel bot Platz für die Hochvolt-Endverschlüsse und die Messwandler eines Schalthauses. Hier endeten auch die Hochspannungsleitungen, mit denen Energie von außerhalb in die Stadt gebracht wurde. Der Strom wurde für die Endverbraucher transformiert.
Klassische Industriearchitektur beherbergt zeitgenössische Werke

Allerdings war das Dieselkraftwerk kaum mehr als 30 Jahre in Betrieb. Rings um Cottbus waren große Braunkohlekraftwerke entstanden, die die Stromversorgung übernahmen. Nach langem Leerstand und umfassender Restaurierung können sich Künstler und Ausstellungsbesucher auf einen vortrefflichen Kontrast freuen: In klassischer Industriearchitektur entfaltet sich zeitgenössische Kunst.
Seit Mitte der neunziger Jahre arbeitet und sammelt das Kunstmuseum verstärkt zum Themenkomplex „Landschaft / Raum / Natur / Umwelt“. Das ist für einen Standort in dieser Region nicht sehr verwunderlich. Schließlich schuf Fürst Pückler hier seinen Park in Branitz, der Braunkohleabbau brachte ganze Landschaften durcheinander, das Biosphärenreservat Spreewald zeigt die Kräfte und die Schönheit der Natur, während die Internationale Bauausstellung IBA weiten Teilen der Lausitz ein völlig neues Aussehen gibt.
Kunstmuseum Diesel, Kraftwerk Cottbus, Uferstraße / Am Amtsteich 15, 03046 Cottbus. Telefon 0355 / 49 49 40 44, www.museum-dkw.de
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