POTSDAM – FASZINATION WASSER
Archiv der Ausgabe 3 | 3. Jahrgang | Sommer 2007
- Mit dem Fahrrad die Stadt entdecken
Potsdam fasziniert Besucher nicht allein durch die prachtvollen Schlösser und Gärten. Erst die Kombination mit den vielen Wasserflächen innerhalb der Stadtgrenzen und in der Umgebung macht die brandenburgische Metropole zum Schmuckstück. Sie liegt eingebettet in die Fluss- und Seenlandschaft der Havel, des Tiefen Sees, des Jungfernsees und des Templiner Sees. Nur einen Katzensprung entfernt liegt der ebenfalls durch die Havel gespeiste Schwielowsee. Für die Entdeckung der „Insel Potsdam“ bieten sich natürlich die Schiffe der Weißen Flotte an. Aber auch eine Radpartie beschert viele überraschende Ein- und Ausblicke.
Marmorpalais, Foto: TMBGleich in der Nähe des Potsdamer Hauptbahnhofes, wo auch Räder ausgeliehen werden können, liegt mit der Freundschaftsinsel ein wahrer Ruhepol. Hinter den malerischen Torhäuschen tauchen die Kuppeln der Nikolaikirche und des Alten Rathauses auf. Sechs Hektar misst das Terrain zwischen der Alten und der Neuen Fahrt der Havel. Es lädt mit einer einzigartigen Bepflanzung, mit Spielplatz, Freilichtbühne, Ausstellungspavillon und Café zum Verweilen ein.
Der berühmte Staudenzüchter Karl Foerster (1874-1970) gab der Insel ihr Gesicht. Auf seine Anregung wurde hier zwischen 1938 und 1940 Deutschlands erster Schau- und Sichtungsgarten für winterharte Blütenstauden, Farne und Gräser angelegt und in den fünfziger und siebziger Jahren weiterentwickelt.
Bezaubernde Parklandschaften
Auf einer romantischen Bank lässt es sich vortrefflich über die Wasserstadt Potsdam plaudern oder sinnieren. „Dass gantze
Eylandt mus ein paradis werden“, hatte Fürst Moritz von Nassau-Siegen 1664 an den Kurfürsten von Brandenburg geschrieben und damit den Anstoß für die über Jahrhunderte hindurch geformte Gartenlandschaft gegeben. Vor allem der Architekt und Gartengestalter Peter Joseph Lenné räumte der Havel in seiner Gestaltung von Gärten und Parks einen wichtigen Platz ein. Stets hatte er die gesamte Landschaft im Blick, keineswegs nur einzelne Bereiche. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören der Neue Garten, der Park Sanssouci, der Schlosspark Glienicke, der Park Charlottenhof, der Park Sacrow und der Babelsberger Park. Sein „Plan zur Verschönerung der Insel Potsdam“ von 1833 ließ kaum einen Flecken aus, wobei immer das Wasser in seinen Sichtbeziehungen eine dominierende Rolle spielte.
Von der Freundschaftsinsel führt der Weg weiter zur Straße Am Kanal, die an den einstigen Stadtkanal erinnert. Er gab dem Zentrum einst ein ganz besonderes Flair und soll deshalb wieder Schritt für Schritt freigelegt werden. In der Umgebung des Neuen Marktes kann seit der Bundesgartenschau 2001 bereits ein Teilstück bewundert werden. Jetzt konzentrieren sich die Arbeiten auf das frühere Kellertor in Höhe des Firmensitzes der Firma „E.ON edis AG“. Hier entsteht eine neue Brücke in Form des alten Vorbildes. In einigen Jahren soll Havelwasser wieder bis zur Berliner Straße fließen, so dass Boote direkt in die Stadt hineinfahren können.
Architektonische Schmuckstücke
Weiter geht die Tour entlang der Berliner Straße zur Glienicker Brücke. Kurz davor zweigt nach links die neu gestaltete Schwanenallee ab. Während zwischen 1961 und 1989 hier die Mauer stand, zeigt sich die Gegend nun wieder im alten Glanz. Direkt am Wasser gibt es einzigartige Möglichkeiten zum Wohnen und Erholen. Die Schwanenallee verbindet die Glienicker Brücke mit dem Neuen Garten. Aus Rücksicht auf das UNESCO-Weltkulturerbe muss das Fahrrad hier geschoben werden. Aber im gemächlichen Schritttempo erschließen sich die Schönheiten dieses Parks mit dem Marmorpalais, dem Schloss Cecilienhof und der Meierei ohnehin am besten.
Von der heutigen Ausflugsgaststätte geht es weiter zum Belvedere auf dem Pfingstberg, das den wohl schönsten Ausblick auf die Wasserstadt bietet. Vorbei an der Russischen Kolonie Alexandrowka und auf der Friedrich-Ebert-Straße geht es wieder zurück zum Potsdamer Zentrum. Auf der Brandenburger Straße bietet sich ein Abstecher zu einem besonderen Fisch-Restaurant an. Es hat sich zwar nicht auf einheimische Arten spezialisiert, genießt aber dennoch einen guten Ruf bis weit über die Stadtgrenzen hinaus. Die Sushi-Bar My Keng in der Brandenburger Straße 20 zieht täglich zwischen 11 und 22 Uhr auch weit gereiste Gäste an. Schließlich wurde sie mehrfach als bestes Sushi-Restaurant in Berlin und Brandenburg ausgezeichnet.
Schwielowsee – Medaillon an der Seenkette der Havel
Am Hauptbahnhof zweigt die Leipziger Straße (B 2) in Richtung Schwielowsee ab. Am Templiner See beginnt der separate Radweg. Schon Theodor Fontane geriet beim Anblick des Schwielowsees regelrecht ins Schwärmen. Er hänge wie ein Medaillon an der Seenkette der Havel westlich von Potsdam. „Der Schwielow ist breit, behaglich, sonnig und hat die Gutmütigkeit aller breitangelegten Naturen“, schrieb der Dichter in seinen bekannten Wanderungen und schilderte „vier Gebilde aus Menschenhand, die sich in seine Ufer kuscheln“ – die Dörfer Caputh, Ferch, Petzow und Geltow Nichts störte die Harmonie. Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert. Gut und gerne kann man hier einen Tag unterwegs sein, zumal die Radpartie direkt hinein ins Paradies führt.
So empfand es auch eine andere Berühmtheit dieser Gegend: der Physiker Albert Einstein. Er fühlte sich in Caputh so wohl, dass er später die Zeit in seinem Sommerhaus zu den schönsten Jahren seines Lebens zählte. 1929 zog er mit seiner Familie in das Blockhaus in Hanglage am Waldrand von Caputh. Von hier waren es nur wenige Minuten bis ans Wasser. Im Templiner See, den die Havel auf ihrem Weg zum Schwielowsee vor der engen Einfahrt nach Caputh passiert, ließ der Wissenschaftler sein Segelboot zu Wasser und genoss auf der Havel seine geliebten Tagträume.
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