PARADEBEISPIEL
Archiv der Ausgabe 2 | 3. Jahrgang | Frühjahr 2007
- Brandenburgs Schlösser brauchen einen sorgsamen Umgang
Der Freundeskreis der Schlösser und Gärten der Mark Brandenburg schlug kürzlich Alarm. Nur ein Drittel der rund 500 Schlösser und Herrenhäuser befinde sich in einem zufrieden stellenden Zustand.
Foto: Toma Babovic, Jörg KronsbeinEin weiteres Drittel sei wenigstens vor dem weiteren Verfall geschützt. Der große Rest allerdings wäre in Kürze unwiederbringlich verloren, wenn nicht sofort gegen den Niedergang eingeschritten werde. Die Vorsitzende des rührigen Vereins, Sibylle Badstübner-Gröger, nannte vor der Presse als abschreckende Beispiele unter anderem Hohenlandin in der Uckermark, Wulkow bei Boßen in der Nähe von Frankfurt (Oder), Prötzel bei Strausberg und Demerthin bei Kyritz. Dabei gebe es so viele nachahmenswerte Beispiele für eine geglückte Sanierung und eine sinnvolle Nutzung.
Tatsächlich spiegeln die meisten Brandenburger Schlösser auf anschauliche Weise die Wirren der deutschen Nachkriegsgeschichte wider. „Das Land muss sie endlich als Teil des kulturellen Erbes betrachten und entsprechende Mittel für ihre Erhaltung bereitstellen“, forderte die Vereinsvorsitzende. Man dürfe sich nicht nur auf die Perlen in Potsdam oder Rheinsberg konzentrieren. In der Obhut der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die vom Bund, dem Land Brandenburg und dem Land Berlin getragen wird, befinden sich derzeit 36 Museumsschlösser und 100 weitere Gebäude. Es handelt sich zweifellos um die schönsten und prunkvollsten Bauten, die die preußischen Könige, deren Familien und Günstlinge der Nachwelt hinterließen.
Als ein Paradebeispiel für einen sorgsamen Umgang mit einem Schloss weitab von Berlin und Potsdam gilt Neuhardenberg am Rande des Oderbruchs. Karl Friedrich Schinkel hatte 1820 den Auftrag vom königlichen Staatskanzler Karl August Fürst von Hardenberg erhalten, das ehemalige barock geprägte Herrenhaus umzugestalten. Er entschied sich für den Klassizismus in seiner schönsten Form. Die größte Zäsur in der Schlossgeschichte setzte mit dem Ende des Krieges 1945 ein. Zum zweiten Mal wurde die Familie von Carl Hans Graf von Hardenberg enteignet. Denn bereits ein Jahr zuvor hatten die Nazis den Grafen ins KZ Sachsenhausen gebracht und die Familie vertrieben, weil sich vor dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 die Verschwörer mehrfach in dem abgelegenen Schloss getroffen hatten.
In der DDR sollte jede Erinnerung an die Vergangenheit getilgt werden. Sogar ein neuer Name musste her: Der Ort hieß als „sozialistisches Musterdorf“ von 1949 bis 1990 „Marxwalde“. Nach der Vereinigung erhielten die Erben des Grafen Hardenberg das Schloss zwar wegen der zweifachen Enteignung kostenfrei zurück, doch für die Restaurierung fehlte ihnen das Geld. So übergab die Familie das Anwesen 1997 der Sparkassen-Gruppe. Sie eröffnete 2002 ein Hotel und machte aus Neuhardenberg einen weit über die Grenzen des Oderbruchs bekannten Ort bester Kultur.
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2006
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2007






















