Oben Ohne
Archiv der Ausgabe 1 | 3. Jahrgang | Frühjahr 2008
- Die Cabriotrends 2008 – jetzt kann der Sommer kommen
Coupés und ihre Cabrio-Varianten sind die Aushängeschilder der Autohersteller. Sie werden von allen Seiten mit besonderem Interesse beäugt, von Fachleuten unter die Lupe genommen und geben einer Marke ihr Gesicht.
Foto: Dr. Ing. h. c. F. Porsche AGDass die Liebe zum offenen Wagen schon in sehr jungen Jahren beginnen kann, zeigte jüngst ein Beispiel aus England: Zum Schrecken seiner Eltern hatte der dreijährige Jack ein gebrauchtes Cabrio ersteigert. Mit ein paar Mal Tippen auf die richtigen Computertasten kaufte der kleine Mann für umgerechnet etwa 13.000 Euro bei einer InternetAuktion einen japanischen Kleinwagen in Rosa. Zum Glück blieb dieser Kauf ohne praktische Folgen. Der amüsierte Cabrio-Verkäufer machte die Versteigerung nicht rechtlich bindend.
Meine Liebe zum Cabrio begann erst später. Als Student war ich fasziniert von einem schwarzen Käfer Cabriolet. Den Wagen entdeckte ich auf dem Hof einer kleinen Autowerkstatt, als wir vor dem Start zu einer Skandinavientour mit einem Freund dort ein Ersatzteil für sein Golf Cabrio kauften. Unterwegs zwischen Schweden und Norwegen schwor ich mir, zusätzlich angesteckt durch den Fahrspaß im Golf, das Käfer Cabrio zu kaufen. Vier Wochen später schlug ich zu. 6.000 Mark. Ein Stück zum Liebhaben! Das Verdeck war zwar defekt, aber die verchromten Stoßstangen blitzten, und er hatte auch eine Geschichte: zum ersten Mal zugelassen Anfang der 70er Jahre in Ost-Berlin, die Halterin war eine Dame aus dem Brecht-Clan. Sicher sorgte er zu DDR-Zeiten bei jeder Ausfahrt für Aufsehen. Und das tat er auch nach der Wende, wie die mir entgegengebrachten Hup- und Winkgrüße bezeugten.
Das Käfer Cabrio hat VW 1949 präsentiert, das New Beetle Cabriolet 2003. Beide stehen für offenen Fahrspaß für jedermann, ohne Bügel und mit dem hinten aufliegenden Verdeck. Die charakteristische Käferform wird beim New Beetle betont durch das dynamischere Design. Das New Beetle Cabriolet, in der Basisausführung für etwas über 25.000 Euro zu haben, ist damit die zeitgemäße Weiterentwicklung der positiven Käfer-Ausstrahlung.
Unter einem Cabrio – eigentlich Cabriolet – versteht man die Karosserie eines Personenkraftwagens, dessen Dach man durch Zurückklappen öffnen kann. Ein Cabriodach ist traditionell ein gefüttertes Stoffdach. In den letzten zwanzig Jahren wurden immer mehr Modelle mit einem versenkbaren Dach aus Stahl unter der Bezeichnung Coupé-Cabriolet angeboten. Als Cabrio bezeichnet man heute auch andere Bauformen von Fahrzeugen mit aufklappbarem Verdeck, aufgesetztem Verdeck oder Notverdeck. Wer des Französischen mächtig ist, weiß, dass Cabriolet von cabrioler kommt, was so viel bedeutet wie Luftsprünge machen. Leichte offene Wagen gab es übrigens schon vor der Erfindung des Automobils, meist als zweispännige Pferdekutschen, besonders geeignet für Ausflüge. Obwohl bei verschiedenen Herstellern heute Retro-Design angesagt ist: Cabrios mit zwei Pferdestärken sieht man hierzulande nur sehr selten, die neuen Modelle haben teilweise weit mehr als 200 PS unter ihrer Haube.
Porsche Boxster RS 60 Spyder
Foto: Dr. Ing. h. c. F. Porsche AGAllen voran die Cabrios von Porsche. Vom neuen Boxster RS 60 Spyder, der in Form, Farbe, Ausstattung und Philosphie an die Porsche-Rennsport-Ära der 60er Jahre erinnert, gibt es genau 1960 Stück. Er ist zum Preis von etwa 64.000 Euro ab März zu haben. 1960 gelang dem Porsche-Rennwagen Typ 718 RS Spyder der erste Gesamtsieg bei einem 12-Stunden-Rennen in Florida. Den Schwung und das pure Desgin dieses erfolgreichen Zweisitzers greift der neue silbermetallic-farbene Boxster RS 60 Spyder fast 50 Jahre später auf. Er besticht durch eine geänderte Abgasführung, die die Leistung auf 303 PS steigert.
BMW 1er
Foto: BMW AGNicht nur „Freude am Fahren“ versprechen die neuen Cabrios von BMW. Auch BMW hat schon ganz früh mitgemischt in der sportlichen Cabrio-Tradition: 1936 schaffte der BMW 315 Kabriolett-Limousine als erstes BMW-Modell die damals magische 100 km/h-Marke. Das 3er Cabrio gab es 1986. Und als besonderen Augenschmaus für Liebhaber schneller Cabrios nahm BMW 1988 auch ein M3 Cabrio mit einem 200 PS starken Vierzylindermotor ins Sortiment. Das kompakte Einsteigermodell BMW 1er Cabrio, das seine Premiere in diesem Januar in Detroit hatte und ab April hier im Angebot ist, startet für unter 30.000 Euro. Der kleine Flitzer bietet ein klassisches Stoffdach, das man auf Wunsch in Anthrazit mit changierendem Silbereffekt haben kann. Je nach Fahrertemperament kann man wählen zwischen sparsamen Diesel-Triebwerken oder drehfreudigen Benzinern bis hinauf zum aufgeladenen Dreiliter-Sechszylinder. Das Topmodell der 1er Reihe, der 135i, dessen 306-PS-Motor von null auf 100 km/h in 5,6 Sekunden beschleunigen kann, kostet etwa 43.000 Euro.
Ebenfalls neu im Sortiment bei BMW sind ab diesem Frühjahr der offene M3 mit 420 PS sowie die Cabrioversion des Alpina B3. Im neuen 3er Cabrio, das ab etwa 74.000 Euro erhältlich ist, findet die Tradition der sportlich-eleganten Fahrzeuge seine Fortsetzung. Ein automatisch versenkbares Hardtop-Dach löst das bisherige Stoffverdeck serienmäßig ab. Mit seinem neuen ALPINA B3 Bi-Turbo Cabrio, dessen Weltpremiere 2007 auf der IAA war und das ab April zu einem Preis ab etwa 75.000 Euro zu haben ist, möchte BMW „dem Fahrer den Himmel ein Stück näher bringen“. Durch Finessen wie warmes Holz und serienmäßige Lederausstattung riecht es förmlich nach Luxus und Komfort. Die 360 PS sollen „ein emotionales Feuerwerk entfachen“, die Auspuffanlage klingt „kraftvoll, sonor, aber nie aufdringlich“.
Audi A3
Foto: Audi Marketing Datenbank (Holger Wild)Pünktlich zur Cabrio-Saison rollt in diesem Frühjahr das neue Audi A3 Cabriolet vom Band, laut Audi „das Premium-Angebot in der Kompaktklasse“. Erhältlich sind vier Motortypen: zwei Benziner und zwei TDI. Alle sind Direkteinspritzer mit Turboaufladung. In beiden Ausstattungslinien – sie heißen „Attraction“ und „Ambition“ – ist die Ausstattung großzügig, die Linie Ambition brilliert unter anderem mit 17-Zoll-Aluminiumrädern, einem Sportfahrwerk und Sportsitzen. Aber auch in den höheren Fahrzeugklassen tut sich etwas in Ingolstadt. Audi erweitert sein Cabrio-Angebot mit zwei offenen Viersitzern: Aus A4 wird A5, und die Lücke zwischen A6 und A8 soll ein A7 ausfüllen. Der offene A5 kommt als echter 2+2-Sitzer, in dem die Mitfahrer auf den hinteren Sitzen bei einem Unfall durch automatisch ausfahrende Überrollbügel geschützt werden. Ende 2008 soll dieses neue Cabrio zu haben sein, das A7er Cabrio erst ab Mitte 2011.
Ford Focus CC
Foto: Ford-Werke GmbH, KölnFord Focus war als Nachfolger des Ford Escort 2000 und 2001 das weltweit meistverkaufte Auto. Seit 2007 gibt es eine Cabrio-Version namens Focus Coupé-Cabriolet, in Europa das erste Ford-Cabrio mit einem klappbaren Hardtop. Den Wagen gibt es als Benziner und Diesel mit einer Leistung zwischen 74 und 107 kW. Im Februar bringt Ford nach einem „Facelift“ den deutlich überarbeiteten neuen Ford Focus zunächst in drei Formen auf den Markt: Dreitürer, Fünftürer und Kombi. Ab April erweitern ein Viertürer sowie das ebenfalls im so genannten „Kinetic Design“ veränderte Focus Coupé-Cabriolet die Modellpalette.
Mercedes SL Roadster
Auf den ersten Blick wenig Neues, dafür ein bewährtes Produkt der Spitzenklasse gibt es von Mercedes. Der SL Roadster wird beworben mit Argumenten wie „Dezenter Feinschliff und mehr Leistung für die neueste Generation“. Große Änderungen waren an dem Modell, das seit etwa vier Jahren auf dem Markt ist, nicht notwendig. Die Karosserie des Erfolgsschlagers erscheint immer noch dynamisch und aktuell. Interessante Neuerungen verbergen sich jedoch unter der Motorhaube. Cabriobegeisterten Kunden stehen hier die beiden neuen V6- und V8-Motoren sowie der überarbeitete V12 zur Auswahl. Je nach Gusto und Portemonnaie ein Sechs-, Acht- oder Zwölf-Zylinder.
Jaguar XK 350 Cabrio
Foto: Jaguar Deutschland258 PS, ein Sechsstufen-Automatikgetriebe, Lederausstattung und Paneele aus Walnusswurzelholz bietet der im April auf den Markt kommende Jaguar XK 3.5. Das 2006 eingeführte Coupé, das auch als Cabrio erhältlich ist, verfügt über einen 3,5-Liter-V8-Motor und kostet ab etwa 78.000 Euro. Optisch gibt es keinen Unterschied zwischen dem Neuen und der seit 2006 angebotenen stärkeren Version mit 4,2 Litern Hubraum und 298 PS. Die flache Aluminium-Karosserie prägt das Äußere des rund 4,80 Meter langen Sportwagens aus Großbritannien. Das Triebwerk beschleunigt auch bei höheren Geschwindigkeiten problemlos, in der Spitze fährt der Zweitürer um die 240 km/h.
VW Eos
Das laut Zulassungsstatistik beliebteste Cabrio der Deutschen kommt aus dem Hause Volkswagen, heißt Eos nach der griechischen Göttin der Morgenröte und ist seit 2006 auf dem Markt. Serienmäßig hat der VW Eos, der ab etwa 26.000 Euro kostet, unter anderem ESP, Leichtmetallräder, sicherheitsoptimierte Kopfstützen, Front- und Thoraxairbags, Klimaautomatik und elektrische Fensterheber. Ein Sondermodell namens „Edition 2008“ mit verchromten Kühlergrilllamellen und kirschroten LED-Rückleuchten gibt es jetzt bis zu 1.000 Euro günstiger. Neben vier Benzinern mit Leistungen von 115 bis 250 PS ist auch ein Diesel mit 140 PS im Angebot. Der Eos „Edition 2008“ kostet in der günstigsten Version etwa 31.000 Euro.
Die vielfältigen Modelle der Automobilhersteller bieten in der aktuellen Cabrio-Saison sicher für jeden Geschmack etwas. Da bleiben wohl keine Wünsche offen. Es muss ja nicht unbedingt ein gebrauchter Japaner sein, wie bei dem kleinen Engländer, und schon gar nicht ein Wagen in Rosa. gb
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2006
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 2/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 4/2007






















