NEUE WEGE GEHEN
Archiv der Ausgabe 3 | 2. Jahrgang | Herbst 2006
- Erster Vattenfall-Talk in Lippendorf diskutierte über verbesserten Klimaschutz
Der immer stärker voranschreitende Klimawandel mit extremen Wettersituationen veranlasst die Betreiber von Braunkohlekraftwerken, neue Wege im Klimaschutz zu gehen. Der weltweit steigende Ausstoß von Treibhausgasen, wie etwa Kohlendioxid (CO2), trägt zur globalen Klimaerwärmung mit all ihren Folgen für die Menschheit bei. Der Vattenfall-Konzern als drittgrößter Energieerzeuger Deutschlands stellt sich technologisch dieser Herausforderung und diskutierte das Thema „Handeln für den globalen Klimaschutz – was kostet saubere Luft?“ beim Vattenfall-Talk am Kraftwerksstandort, südlich von Leipzig.
Stephan Grafen, Reinhardt Hassa, Dr. Felix C. Matthes, Prof. Dr. Günter Borm (v.l.n.r.)Foto: Kathrin Rößler
Vattenfall gehört mit seinem derzeit im brandenburgischen Schwarze Pumpe entstehenden CO2-freien Pilotkraftwerk zu den Vorreitern einer zukunftsweisenden Technologie. „Wir scheiden schon bei der Kohleverbrennung das Kohlendioxid ab und pusten es nicht mehr in die Luft“, sagte Reinhardt Hassa, Sprecher des Vorstandes von Vattenfall Europe Mining & Generation sowie Vorstand der Erzeugungssparte der Vattenfall Europe AG. „Das Pilotprojekt eines emissionsfreien Kraftwerkes wird 2008 in Betrieb gehen. Bis 2020 soll die Technik ausgereift sein.“
Der im Modell für das Kraftwerk zu sehende Schornstein dient lediglich dem Ableiten von Stickstoffgasen. Doch auch die derzeit im Betrieb befindlichen Braunkohlekraftwerke sind mit den vor 10 oder 15 Jahren betriebenen Anlagen nicht mehr zu vergleichen. Überall, so Reinhardt Hassa, werde die Luft so sauber wie möglich gehalten und von zusätzlichen Emissionen, wie beispielsweise Schwefel, gereinigt.
Natürlich kostet größerer Umweltschutz auch mehr Geld, wie die Veranstaltungsgäste im Kraftwerk aus erster Hand erfuhren. Um zehn Prozent sinke der Wirkungsgrad der Energieerzeugung im Braunkohlekraftwerk, wenn CO2 nicht mehr in die Luft abgeleitet werde. Steigende Stromkosten könnten eine Folge sein. Doch Dr. Felix C. Matthes vom Öko-Institut in Freiburg lehnte diesen Automatismus ab. „Der Markt bestimmt den Preis für die Umwelt“, erklärte er und lobte den vor zwei Jahren gestarteten Handel mit staatlichen Emissionszertifikaten für Energieerzeuger und andere Industriebranchen. „Wer die Umwelt mit Gasen wenig belastet, braucht eine geringere Zahl von Zertifikaten und kann höhere Erlöse erzielen“, erklärte er. Vattenfall sei da mit Sicherheit gut auf den Wettbewerb eingestellt.
Der Konzern beteiligt sich auch an einem faszinierend klingenden Forschungsprojekt des GeoForschungsZentrums Potsdam. „Wir versuchen, symbolisch die Schornsteine umzudrehen und die schädlichen Treibhausgase in die Tiefen der Erde zu pressen, so wie es im Rahmen der Erdölgewinnung bereits gängige Praxis ist“, sagte Professor Dr. Günter Borm. „In Hohlräumen unterhalb der Erdoberfläche kann das CO2 sicher gelagert werden und richtet im Unterschied zur Luftemission keinen Schaden an.“ Frühestens in 10 bis 15 Jahren erwartet der Wissenschaftler die Marktreife der Technologie.
Die Besucher des ersten Vattenfall- Talks, der künftig regelmäßig und an wechselnden Orten mit unterschiedlichen Themen aufwartet, gingen mit einem guten Gefühl aus der Diskussion. Wirtschaft und Wissenschaft nehmen gemeinsam die globale Verantwortung für unser Klima wahr.






















