Netzwerk für den Mittelstand
Archiv der Ausgabe 3 | 3. Jahrgang | Herbst 2008
Direkt miteinander in Dialog zu treten, das haben sich die Netzwerker des Wirtschafts-Presse-Forum Brandenburg auf die Fahnen geschrieben. An der Spitze dieser Netzwerkplattform für Unternehmen, Presse und Politik in der Hauptstadtregion gab es jetzt einen Wechsel. Ende August wurde das Präsidium neu gewählt. Dem Gründervater Jürgen Simmer folgt der Chef der Brandenburger Bürgschaftsbank, Milos Stefanovic, auf den Präsidentensessel.
Jürgen Simmer & Dr. Milos StefanovicDas schönste Kompliment, erzählt der scheidende Präsident, bekam er von einem Unternehmer aus der Peripherie des Landes Brandenburg: „Wenn es Sie nicht geben würde, hätte ich gar keine Möglichkeiten, mich so auszutauschen mit anderen Unternehmern, mit der Politik und den Medien“. Das bringt gut auf den Punkt, welches Ziel das Wirtschafts-Presse- Forum Brandenburg hat. Jürgen Simmer reichte das Zepter mit einer Träne im Auge weiter an seinen Amtsnachfolger. Simmer, der neben seiner Tätigkeit beim Gesamtverband der Versicherer auch Präsident des Wirtschaftspolitischen Clubs Deutschland (WPCD) ist, widmet sich in Zukunft verstärkt bundespolitischen Themen, weshalb er weniger Zeit für die brandenburgischen haben wird und einen Nachfolger gesucht hat. Der erste Mann im Forum sei nicht nur protokollarisch der Erste, sondern auch beim Arbeiten, sagt er. „Er ist es“, so Simmer, „der sich ein attraktives Programm ausdenkt und Sponsoren für die einzelnen Veranstaltungen gewinnt.“ Besonders gern erinnert sich der Netzwerker, der das Wirtschafts- Presse-Forum als „mein Baby“ bezeichnet und ihm 16 Jahre vorstand, an die Atmosphäre nach dem Kampf gegen die Oderflut. Die Dankeschön- Veranstaltung für die ehrenamtlichen Helfer und Rettungsdienste in Frankfurt/ Oder war mit 9.000 Gästen die größte Veranstaltung, die das Forum bislang organisiert hat.
Seinem Nachfolger Milos Stefanovic, dem Spitzenmann der Bürgschaftsbank Brandenburg, der vor seiner Wahl zum Präsidenten bereits im Präsidium des Forums gearbeitet hat, gibt Simmer zwei Dinge mit auf den Weg. Es ist etwas Organisatorisches und etwas Inhaltliches: Das Forum lebe vom persönlichen Kontakt zu spannenden Unternehmern, zu denen „muss man den engen Kontakt suchen und pflegen.“ Außerdem „sollten wir mehr Brücken schlagen zwischen Unternehmen und der Wissenschaft“. Mit Sorge sieht er, wie wenig Patentanmeldungen es in Brandenburg gibt. Da sei noch viel Potenzial, weshalb er den neuen Präsidenten darum gebeten hat, dieses Feld weiter zu forcieren.
Zehn Veranstaltungen organisiert das Forum jedes Jahr. Der Ablauf ist in der Regel so: Nach einem interessanten politischen Vortrag, zum Beispiel eines Brandenburger Ministers, kommen Unternehmer zu Wort. Dem neu gewählten Präsidenten Stefanovic fällt dazu zuerst das Forum im April ein, Thema war die brandenburgische Holzwirtschaft. „Da haben sich“, so Stefanovic, „zwei ungewöhnliche Firmen vorgestellt: ein Spielplatzhersteller mit 180 Mitarbeitern, der weltweit verkauft und dessen Gründer Holzbildhauer ist, sowie ein erfolgreicher Produzent von Carports mit einem sehr jungen Inhaber.“ Von diesen Firmen wussten viele Anwesende vorher nichts. „Jeder kennt die Leuchttürme in Brandenburg, ob Rolls- Royce, Daimler, BASF oder die Solarfirmen in Frankfurt/Oder, aber die vielen mittelständischen Unternehmen, die sehr erfolgreich sind, die kennt man nicht. Die kann man bei uns kennen lernen!“ Simmer hat währenddessen nachgeschaut, dass sein Verein derzeit genau 1.142 Mitglieder und Interessenten hat. Biotechniker, Bäcker, Bauunternehmer oder Stahlproduzent – nahezu alle in Brandenburg vertretenen Branchen sind mit von der Partie.
1992 gründete Simmer, damals stellvertretender Regierungssprecher von Brandenburg, das Forum zunächst als Wirtschafts- Presse-Stammtisch. Statt der erwarteten 25 erschienen damals mehr als 80 Gäste. Zwei Jahre später wurde der Stammtisch zum Verein. Bald kamen über 200 Unternehmer, Journalisten, Landespolitiker und Spitzenbeamte regelmäßig zu den Veranstaltungen. 1998 wurde das Wirtschafts- Presse-Forum gegründet. Mittlerweile nehmen im Laufe eines Jahres fast 5.000 Mitglieder und Interessenten regelmäßig an den verschiedenen Veranstaltungen teil. Die Mitgliedsbeiträge sind günstig, für 160 Euro im Jahr sind Unternehmen dabei. Zu den Höhepunkten, erinnert sich der neu gewählte Ehrenpräsident Simmer, derdem Forum weiter als Berater zur Verfügung stehen wird, gehören die Informationsfahrten zur Europäischen Union nach Brüssel und zur Hannover- Messe. Zur Expo hatte das Wirtschafts- Presse-Forum gar einen Zug gechartert und war gemeinsam mit Landesregierung und Unternehmern nach Hannover gefahren. Der neue Präsident Stefanovic erwähnt den Ball der Wirtschaft in Potsdam und das Sommerfest des Landes Brandenburg, zu dem im Juni etwa 3.700 Gäste aufs Krongut Bornstedt gekommen waren. Durch die Vorträge im Wirtschafts- Presse-Forum gelangen Informationen manchmal zum ersten Mal an die Öffentlichkeit. „Als Finanzminister Speer bei uns verkündete, dass Brandenburg 2007 keine neue Nettokreditaufnahme durchführt, war das eine brandneue Info“, so Stefanovic, „da waren Pressevertreter dabei, die das sofort weitergaben, und daraus entstand der Wunsch nach einer Pressekonferenz.“
Was ihm besonders am Herzen liegt, daraus macht der neue Mann an der Forumsspitze keinen Hehl. Er möchte mehr Mittelständler, speziell auch die aus den „Potsdam-fernen Regionen des Landes“, als Mitglieder und Veranstaltungsbesucher gewinnen. Dazu bietet das Forum viele Gelegenheiten. Bei der Veranstaltung Anfang Dezember wird es zum Beispiel um die Gesundheitswirtschaft in Brandenburg gehen. gb
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