Meilenstein der Filmgeschichte
Kunst & Kultur-Archiv der Ausgabe 4 | 3. Jahrgang | Winter 2007
Babelsberg: Ein sagenhafter Name, der vielen Menschen außerhalb Potsdams eher als glamouröses Mekka der Filmgeschichte denn als Stadtteil einer preußischen Residenzstadt geläufig ist. Friedrich der Große ließ das neue Dorf vor Potsdam (Slawisch „Nova Ves“) ursprünglich als Siedlung für evangelisch-böhmische Weberfamilien aufbauen. Heute zählt das gesamte Areal der Filmstudios Babelsberg, dem weltweit ersten Großfilmstudio, rund 420.000 Quadratmeter und ist damit nach wie vor Deutschlands größtes Filmstudio. Es bietet Filmschaffenden sämtlicher Filmgattungen, vom Animations-, Dokumentar-, Fernseh-, Kinder- bis zum Kinofilm, ein breites Spektrum zur Produktion.
Fotos: Studio Babelsberg AGSeitdem im Jahre 1912 die ersten Dreharbeiten im „gläsernen Film atelier“ der Firma Bioscop begannen, haben sich die Filmstudios Babelsberg technisch konstant mit dem neuesten Stand der Technik entwickelt. Im ersten Produktionsjahr wurde hier der Stummfilm „Der Totentanz“ von Urban Gad mit Asta Nielsen in der Hauptrolle gedreht.
Bioscop fusionierte bald darauf mit der Decla, der deutschen Niederlassung des französischen Filmkonzerns Eclair, zur Decla Bioscop, die wiederum 1921 von der Ufa übernommen wurde. Während der „Ufa-Jahre“ der Weimarer Republik erlangte Babelsberg seine weltweite Bedeutung, die bis heute währt. Einen Höhepunkt markiert der 1926 produzierte Science-Fiction-Film „Metropolis“ von Fritz Lang, der dafür ein Großatelier, die heutige Marlene-Dietrich-Halle, errichten ließ. Im gleichen Jahr lernten die Bilder sprechen: Für den ersten deutschen Tonfilm „Melodie des Herzens“ gewann das Studiogelände ein Tonfilmatelier – das sogenannte „Tonkreuz“ mit vier kreuzförmig angelegten Ateliers war damals das modernste Tonstudio seiner Zeit. Berlins Filmstar Marlene Dietrich gelangte spätestens 1930 durch Josef von Sternbergs „Der blaue Engel“ zu internationalem Ruhm.
Zwischen Regimekonformität und deutscher Teilung : die Jahre 1933 bis 1989
Während des Dritten Reiches bekamen die Filmstudios ihre höchste Auslastung: Es entstanden über 1 000 Filme, darunter die „Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann. In diese Zeit fielen leider auch Propagandafilme wie „Jud Süß“, die ganz den demagogischen Zwecken der Diktatur dienten. In den letzten Kriegstagen besetzte die sowjetische Armee die Ateliers des ehemaligen Ufa-Geländes, die erst ab September 1947 wieder vollständig für die Filmproduktion freigegeben wurden. Doch schon im Mai 1946 wurde im Althoff-Atelier die deutsche Filmproduktion wieder aufgenommen: In Wolfgang Staudtes Film „Die Mörder sind unter uns“ brillierte eine junge Hildegard Knef, die bald zum Leinwandstar der Nachkriegsära aufstieg. Parallel dazu, am 17. Mai 1946, wurde die DEFA gegründet. Zwischen 1946 und 1990 entstanden in Potsdam-Babelsberg über 700 Spielfilme, darunter moderne Klassiker wie „Spur der Steine“ mit Manfred Krug, mehr als 150 Kinderfilme wie „Die Geschichte vom kleinen Muck“ sowie in den Jahren zwischen 1959 und 1990 über 600 Filme für den Deutschen Fernsehfunk. Das Althoff-Atelier wurde vom DEFA-Studio vorwiegend für Wochenschau und Dokumentarfilme genutzt. Mit dem Fall der Berliner Mauer erfolgte der vorläufig letzte historische Wechsel der Studiogeschichte.
Back into Business: Medienstadt Babelsberg seit 1990
Das Bourne Ultimatum mit Matt DamonAb 1. Juli 1990 nahm sich die Treuhand der Übernahme der DEFA an und verkaufte das Gelände 1992 an den französischen Konzern „Compagnie Générale des Eaux“ (heute Vivendi Universal). Investitionen in Millionenhöhe flossen in den Ausbau der Studios und des Medienstandortes. So bilden die Studios Babelsberg heute einen Teil der Medienstadt Babelsberg, zu dem auch der Filmpark Babelsberg, die Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf, das Sendezentrum des RBB, das Deutsche Rundfunkmuseum und das Deutsche Rundfunkarchiv sowie zahlreiche Bürogebäude mit vielen Filmproduktionen gehören. Auch das Medienboard Berlin-Brandenburg, das Filmproduktionen beider Bundesländer inhaltlich wie finanziell unterstützt und berät, hat hier seinen Sitz. Seit 2004 gehört das Gelände der Beteiligungsgesellschaft FBB-Filmbetriebe Berlin Brandenburg GmbH.
Griff zu den Sternen: der Babelsberg-Hollywood-Express
Der diesjährige Oscar für „Das Leben der Anderen“, die Preise für den Filmkomponisten Hans Zimmer und Hollywoodgrößen wie z. B. Jürgen Prochnow, Roland Emmerich, Udo Kier oder Wolfgang Petersen sorgen für die Verbreitung deutscher Filmkultur in Hollywood. Erfolgreiche Filmproduktionen der jüngsten Babelsberger Jahre knüpfen wieder an die Hollywood-Ära der Zwanziger an, und es scheint, als fänden die Amerikaner immer mehr Gefallen am Filmstandort Babelsberg: Für viel Wirbel sorgte zuletzt Megastar Tom Cruise, der vor kurzem in der Rolle des deutschen Widerstandskämpfers Oberst von Stauffenberg den Kinofilm „Valkyrie“ (Arbeitstitel) in Berlin und Babelsberg drehte. dk
www.studiobabelsberg.com und www.medienboard.de
Auswahl bedeutender Babelsberg-Produktionen:
Der Blaue Engel (1930)
In 80 Tagen um die Welt (2004)
Spur der Steine (1966)
V wie Vendetta (2005))
Die unendliche Geschichte III (1994)
Das Bourne Ultimatum (2007)
Sonnenallee (1999)
Valkyrie (Arbeitstitel) (2007)
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