Medien im Umbruch: Was bleibt? Was kommt?
Archivbeitrag der Ausgabe 2 | 6. Jahrgang | Sommer 2010
- von Friedo Madrawski
Brandenburg wird als Medienstandort international wahrgenommen. Das ist unbestritten, selbst wenn sich diese Wahrnehmung oft auf die Filmproduzenten in Babelsberg reduziert. Dass die Branche aber viel breiter aufgestellt ist, zeigte deren Präsenz auf den 12. Brandenburger Unternehmertagen am 22. April im Resort Schwielowsee bei Werder/Havel.

v. l. n. r.: Axel Hilpert, Iris Pfeifer, Marcel Pelletier, Hans-Dietrich Genscher / Foto: Manfred Thomas / PNN
Zur Medien- und Kreativwirtschaft gehören auch die Zeitungsverlage, die Buchverlage und Bibliotheken, die Online- Unternehmer, die Werbebranche, die vielfältige Musikbranche, die Lokalsender und viele andere mehr“, sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers zu den Tagungsteilnehmern. Die Filmindustrie sei überaus wichtig – „Babelsberg ist international eine Marke – und damit auch das Filmland Brandenburg“. Aber dies könne sich nur zukunftssicher aufstellen, wenn sich die Bereiche Film, Fernsehen und digitale Medien parallel positiv entwickeln. Besonders freute sich der Minister darüber, dass die Region ihre Bedeutung als wichtiger Verlagsstandort – „mit großer Tradition“ – wieder zurück gewinnt.
Wer sofort die Nachricht hat, kriegt die Clicks
Gerade das klassische Verlagswesen scheint jedoch von den Umbrüchen in der Medienlandschaft besonders betroffen zu sein. Herausgeber von Büchern stehen vor dem Problem, dass immer mehr Titel im Internet nachlesbar sind. Kaum noch eine Zeitung verzichtet auf eine Online-Ausgabe, und zwar mit Inhalten, die überhaupt nicht mehr gedruckt werden. Aktuelles gelangt in Windeseile auf die virtuellen Titelseiten – via Twitter, Youtube oder iPhone-Apps.
„Inzwischen gehen viele Medieninhalte direkt durch die sozialen Netzwerke auf Spiegel Online und Co. – auf das Statement eines Pressesprechers wartet man gar nicht erst.“ Das sagte Hajo Schumacher, bundesweit bekannter Journalist, Autor und Medienexperte, zur Teilnehmerrunde. Mit dem immensen Tempo der Nachrichtenverbreitung müssten die Medien heute mithalten. „Wer sofort die Nachricht online hat, kriegt die Clicks. Und wer die Clicks hat, bekommt die Werbung!“ Die „Clicks“- das sind die Internet-Aufrufe der Nutzer. Im Web 2.0-Zeitalter haben deren Bewertungen und Suchanfragen im Netz immensen Einfluss auf die Märkte. „78 Prozent aller Kaufinteressierten glauben den Bewertungen anderer Kunden im Netz – nicht nur bei Produkten, sondern auch bei Dienstleistungen“, so der Medienexperte.
Amazon statt Karstadt?
Kaufen wir künftig nicht mehr bei Karstadt ein, sondern nur noch bei Amazon und Ebay? Wird bei der Lektüre des nächsten Krimis nicht mehr genüsslich umgeblättert, sondern im iPad „gescrollt“? Können wir uns die Morgenzeitung beim Frühstück bald nicht mehr leisten?
Die klassischen Medien werden bald ihre Monopolstellung in Sachen Information verlieren, prophezeit Hajo Schumacher. Dennoch könnten sie weiterhin eine wichtige Rolle spielen – als Garanten für die Verlässlichkeit und Überprüfbarkeit einer Nachricht. „Große Titel werden überleben. Aber sie dürften teurer werden.“
Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers äußerte indes die Erwartung, dass sich sowohl Konsumenten als auch Produzenten von Informationen der Tatsache bewusst werden, „dass man mit Informationen eine Gesellschaft auch steuert.“ Dieser Verantwortung müsse sich die Medienbranche stellen.
Archiv:
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