Kulinarische Ausflüge
Archivbeitrag der Ausgabe 4 | 5. Jahrgang | Winter 2009
- Stilvolles Tafeln in der Mark.
- von Christa Steuer
Kein anderes Vorurteil über Brandenburg hält sich so hartnäckig wie das über die angeblich schlechte Küche. Da müssen irgendwann nach der Wende die bekanntesten Restaurantkritiker in die Mark ausgeschwärmt und hier völlig vom vorgefundenen Angebot enttäuscht worden sein. Seitdem unternahmen sie bestimmt keinen zweiten Versuch. Sonst müssten sie ihre Meinung gründlich korrigieren. Denn in allen Himmelsrichtungen finden sich inzwischen erstklassige Restaurants. Diese liegen fast alle in landschaftlich ausgesprochen schönen Gegenden, so dass sich vielerorts ein gutes Essen mit einem Bummel durch restaurierte Straßen und Gassen in romantischen Altstädten, einer Wanderung um einen schönen See oder der Besichtigung eines herrschaftlichen Schlosses verbinden lässt.
Selbst der Verfasser der wohl kritischsten Brandenburg-Hymne hat inzwischen Gefallen an dem Landstrich rund um Berlin gefunden. Immerhin dichtete einst Liedermacher Rainald Grebe in seinem Lied „Bandenburg“ in der Schlüsselzeile: „Nimm dir Essen mit, wir fahr’n nach Brandenburg“. Doch jetzt sucht er selbst nach einer idyllischen Bleibe in der Umgebung Berlins. Von da aus könnte er sich guten Gewissens auf kulinarische Ausflüge begeben, die keine Wünsche offenlassen.
Zu den ganz neuen Zielen gehört das Hotel und Restaurant „Cafe Wildau“. Dabei handelt es sich aber nicht um den Ort südöstlich Berlins bei Königs Wusterhausen, sondern um einen ganz idyllischen Flecken direkt am Werbellinsee in der Schorfheide. Im Juli öffnete das familiär geführte Haus mit Platz für bis zu 120 Gäste, drei Gasträumen und mehreren Hotelzimmern und Appartements. Wild und Fisch dominieren die Speisekarten, wobei alle Zutaten frisch geliefert werden. Am Kamin lässt es sich beim Blick über den See vortrefflich nachlesen über die eigenwillige Geschichte des Restaurants. Schließlich diente es als Fabrikantenvilla, als Gästehaus des Kaisers, als Domizil der Forstverwaltung und Ausflugsziel, ehe 1981 das zu diesem Zeitpunkt schon zur Ruine verfallene Gebäude kurzerhand abgetragen und die Reste in den See geschoben wurden. Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt sollte bei seinem Besuch in der Schorfheide keinen Schandfleck zu Gesicht bekommen. Private Investoren bauten jetzt das Restaurant nach historischem Vorbild wieder auf.
Erdbeeren mit Senf und Nougat im Kranhaus an der Elbe
Viel Historie erlebt der Gast auch im „Kranhaus“ in Wittenberge. Schließlich diente das direkt an der Elbe gelegene Gebäude einst der Hafenwirtschaft. Neben ganz normalen Gerichten werden hier auch Speisen serviert, die die Geschmacksnerven auf eine harte Probe stellen. „Erdbeeren in einer Senfsauce, dazu eine Kugel Vanilleeis mit Nougatsahne“, lautet beispielsweise ein Kultrezept von Chefkoch Knut Diete.
Wer den Weg nach Nordosten einschlägt, findet in Neuhardenberg nicht nur eine schöne Schinkel-Kirche, ein Schloss und einen auf Pückler zurückgehenden Park, sondern mit der „Kleinen Orangerie“ eine anspruchsvolle Gastronomie. Rustikaler geht es in der „Alten Brennerei“ zu.
Etwas weiter südlich reihen sich im Seengebiet zwischen Storkow und Bad Saarow gleich mehrere empfehlenswerte Adressen aneinander. Einst war hier das „Windspiel“ auf Schloss Hubertushöhe das Maß aller Dinge in Brandenburg. Nach mehreren Wechseln in der Küche ist es nun wieder auf bestem Wege zurück an die Spitze. Zu dieser gehören die „Alte Schule“ in Reichenwalde und neuerdings auch die „Villa Contessa“ in herrlicher Lage direkt am Scharmützelsee. Damit können auch das Restaurant „Alte Eichen“ in Bad Saarow und das an der Groß Schauener Seenkette gelegene Gasthaus der Fischerei Köllnitz punkten.
„Zur Bleiche“ steht unangefochten auf dem Spitzenplatz
Von hier ist es nur ein Katzensprung in den Spreewald, wo für das Restaurant „17fuffzig“ im Resort „Zur Bleiche“ in Burg alle Loblieder angestimmt werden können. Küchenchef Oliver Heilmeyer kann von seinem Arbeitsplatz aus den Kanufahrern fast direkt ins Gesicht schauen.
Wer von hier den Weg nach Südwesten einschlägt, findet in Finsterwalde den immer wieder viel Erstaunen auslösenden Familienbetrieb „Goldener Hahn“. Frank Schreiber gelingt in bewundernswerter Weise der Spagat zwischen Gourmetküche und bodenständigen Speisen. Von hier bieten sich Ausflüge zur Förderbrücke „F 60“, besser als „liegender Eiffelturm“ bekannt, und zu anderen Giganten der Tagebaulandschaft an.
Vorfreude auf den nächsten Urlaub stellt sich dagegen beim Besuch des Hafenrestaurants „Ernest“, der Dependance des Resorts Schwielowsee in Petzow, ein. Da die Plätze in diesem vorwiegend auf Fischspezialitäten ausgerichteten Lokal direkt am Wasser vor allem im Winter wegen der fehlenden Sommerterrasse beschränkt sind, empfiehlt sich ein Abstecher ins größere „Seapoint“ im Haupthaus. Hier werden selbst hohe Ansprüche erfüllt.
Das Restaurant „Kleines Schloss“ im Park Babelsberg profitiert natürlich von seiner herrlichen Umgebung, im Winter aber kann es seine Türen nur bis zum Einbruch der Dunkelheit offen halten. Die Bewirtung mit erlesenen Speisen erfolgt umso herzlicher. Vom 11. Januar bis zum 8. Februar geht es zwar in die Winterpause, aber danach werden die Tage schon wieder bedeutend länger.
Archiv:
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