Jugendstil in seiner schönsten Form
Kunst & Kultur-Archiv der Ausgabe 4 | 3. Jahrgang | Winter 2007
- Vor dem 100-jährigen Cottbuser Theaterjubiläum 2008 erhielt das Haus eine behutsame Sanierung
So einen Theaterbau wie in Cottbus gibt es kein zweites Mal in Europa. 90 Prozent der gesamten Substanz mit allen Details erlebt der Besucher hier so wie alles vor 99 Jahren in Stein, Gips, Holz und Glas geformt wurde.
Fotos: Marlis KrossBei allen Renovierungen und Modernisierungen achteten die Denkmalschützer konsequent auf den Erhalt dieses Erbes, natürlich auch bei der jüngsten Sanierung in diesem Jahr.
Auf den ersten Blick bemerkt der Gast des Staatstheaters am Schillerplatz im Herzen der Lausitzmetropole die Veränderungen kaum. Doch in den vergangenen anderthalb Jahren wurden hier immerhin 3,9 Millionen Euro aus den Kassen des Landes Brandenburg und der Stadt Cottbus verbaut. Dieses Geld steckt vor allem in einem besseren Brandschutz. So ersetzt eine Sprühnebellöschanlage die veraltete Sprinklertechnik, damit beim Löschwassereinsatz keine größeren Schäden mehr auftreten. Eine Klimaanlage garantiert jetzt in den meisten Gebäudeteilen eine bessere Luft. Im großen Vorraum in der ersten Etage erstrahlen die acht prächtigen Majolika-Vasen mit den gemalten Porträt-Medaillons und die für ein Theater im sezessionistischen Jugendstil so typischen Putten wieder im alten Glanz. Das trifft ebenso auf den blauen Stoff im Foyer zu, der dem vor 100 Jahren auf englischen Webstühlen gefertigten Material sehr nahe kommt.

Eine Neuerung werden vor allem Stammbesucher des Hauses zu schätzen wissen: die größer gewordene Beinfreiheit. Alle 620 Polsterstühle wurden erneuert und bei dieser Gelegenheit gleich großzügiger an- und hintereinander aufgereiht. Dafür zählen das Theaterparkett und die beiden Ränge zwar nun 52 Plätze weniger. Aber bei der insgesamt immer noch sehr großen Platzzahl von 620 Sitzen ist diese Einschränkung durchaus zu verkraften. Die Auslastung der Mehrspartenbühne liegt bei durchschnittlich 78 Prozent.
„Zum 100. Theaterjubiläum sind vom Ensemble mit Sicherheit mehrere Paukenschläge zu erwarten“, zeigte sich der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski überzeugt. „Da kann sich das Publikum schon jetzt freuen, schließlich haben wir Cottbuser einen guten Ruf zu verteidigen“, meinte er in Anspielung auf so manche spektakuläre Aufführung in den vergangenen 15 Jahren.
Das Theater war am 1. Oktober 1908 nach nur 16 Monaten Bauzeit eröffnet worden. Den Entwurf lieferte Bernhard Sehring, der schon mit seinem Berliner „Theater des Westens“ Aufsehen erregt hatte.
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