INDUSTRIE – KULTUR – NATUR
Archiv der Ausgabe 2 | 3. Jahrgang | Frühjahr 2007
- Der Ziegeleipark Mildenberg lädt zu einer „Erfahrungstour“ ein
Berlin zur Gründerzeit: Die Stadt platzte aus allen Nähten, Millionen von Menschen strömten in die neue Reichshauptstadt. Damals brauchte das boomende Berlin vor allem eines: Baumaterial. Wie ein Glücksfall mutet es an, dass gerade zu dieser Zeit rund um Zehdenick riesige Tonlagerstätten gefunden wurden.
Fotos: Ziegeleipark MildenbergDie Region entwickelte sich rasch zum größten Ziegeleirevier Europas. Zur Blütezeit der Industrie wurden allein in einem Jahr rund 700 Millionen Ziegel produziert. Das reichte, um cirka 27.000 Mietwohnungen zu bauen. Ganze Stadteile, wie der Prenzlauer Berg, oder Straßenzüge, wie die heutige Karl-Marx-Allee, wurden mit Ziegeln aus Zehdenick aufgebaut. Erst mit dem Ende der DDR wurde auch die letzte Ziegelei stillgelegt. Sieben Jahre später öffnete der Ziegeleipark Mildenberg seine Pforten. Er entwickelte sich zum bedeutenden Industriekultur-Standort im Land Brandenburg. Wichtige Epochen der Industrialisierung und der Entwicklung des „Zehdenicker Ziegeleireviers“ werden anschaulich in diversen Ausstellungen gezeigt. Von traditionellen Methoden der Gründerzeit bis hin zum „VEB Ziegelwerke Zehdenick“ – der Alltag und die Lebensumstände der Menschen „auf Ziegelei“ spielen eine besondere Rolle.
Aber der Park hat auch eine andere Seite: Wer malerische Natur, viel Zeit und Platz für einen Familienausflug und Erholung sucht, hat den idealen Ort gefunden.

Der Ziegeleipark ist eingebettet in die „Tonstich-Landschaft“, die Teil des Naturparks „Uckermärkische Seen“ ist. Ehemalige Tongruben füllten sich im Laufe der Jahre mit Wasser. So entstanden mehr als fünfzig Seen, die sich wie an einer Perlenschnur aufgefädelt entlang der Havel verteilen. Die „Naturpark-Tour“ mit der Tonlorenbahn führt durch genau diese Idylle. Auf eigenen Pfaden erschließt sich die „Tonstich-Landschaft“ auch: auf dem Radweg Berlin – Kopenhagen, der Havel oder per pedes auf Wanderwegen. Die passenden führerscheinfreien Boote oder Kanus vermietet die „Marina im Ziegeleipark“. Eine Rundfahrt mit der „Ziegeleibahn“ verschafft einen Überblick über alles, was der Park selbst zu bieten hat. Wer allein das große Gelände erkunden will, ist auch dazu eingeladen. Ein Teil des Parks lässt sich zum Beispiel auf dem Schienenfahrrad buchstäblich „erfahren“. Wer es gemütlicher angehen lassen will, genießt die Ruhe auf der „Picknickwiese Herzbergstich“ oder lässt sich im Biergarten des Gasthauses nieder. Ob Tiere im Streichelzoo, eine „Seilfähre“ über das Wasser oder die große Abenteuerspielwiese – unter dem Motto „kleine Dinge entdecken – große Freude erleben“ bietet der Park gerade für Familien mit Kindern viel Platz zum Ausprobieren und Toben.
Unser Tipp: Nutzen Sie die Gelegenheit, wenn der Ziegeleipark einmal im Jahr zur „6. Ziegeleipark-Nacht“ auch am Abend seine Pforten öffnet. Oder erleben Sie die Verdi-Oper „Nabucco“ in dieser einmaligen Kulisse der Industrie-Kultur.
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2006
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2007






















