IM OSTEN VIEL NEUES
Archiv der Ausgabe 1 | 3. Jahrgang | Winter 2006/07
- Sportlich, kunstinteressiert, wissbegierig: die Universitätsstadt an der Oder
Manch einer kennt die Stadt nur aus der eingeschränkten Perspektive des Kraftfahrers, der schnell (was nicht immer möglich ist) ins benachbarte Polen gelangen möchte. Doch es lohnt sich, in Frankfurt (Oder) auszusteigen, um eine Stadt zu entdecken, die ihre Reize nicht auf den ersten Blick offenbart.
Reizvoll zu jeder Jahreszeit – das Oderbruch
Foto: Tourist-Information „Oderbruch“ e. V.
Die gemächlich dahinfließende Oder ist für viele Etappen der Stadtentwicklung ausschlaggebend gewesen. Schon im 14. Jahrhundert befuhren Frankfurter Kaufleute mit eigenen Schiffen die Ostsee, fast 150 Jahre lang war die Stadt Mitglied des stolzen Hansebundes. Mit Beginn der Industrialisierung wird der Fluss zum wichtigen Transportweg, ein Hafen entsteht. Seit über 60 Jahren markiert die Oder die Grenze zu Polen. Heute führt an der Oder ein ausgebauter Spazier- und Radweg entlang, bestens geeignet, das Besondere dieser Stadt im Osten Deutschlands zu erkunden, denn die meisten Sehenswürdigkeiten sind nur wenige Gehminuten vom Fluss entfernt.
Am besten, der Besucher beginnt seinen Spaziergang an der Stadtbrücke. Schon im späten Mittelalter gab es an dieser Stelle eine Verbindung zwischen beiden Ufern. Erster Stopp sind das Rathaus und die 5-schiffige St.-Marien-Kirche, beides historische Gebäude. Frankfurts Kriegswunden sind tief, die Stadt war nach dem 2. Weltkrieg zu 90 Prozent zerstört.
Nahezu ein Muss ist der Besuch des Kleist-Museums, das auch Forschungseinrichtung ist. Heinrich von Kleist wurde 1777 in Frankfurt (Oder) geboren, verbrachte hier einen Teil seiner Kindheit und studierte später drei Semester an der Viadrina. Seit 1999 darf die Stadt die Zusatzbezeichnung „Kleiststadt“ führen, die aber nicht Bestandteil des amtlichen Namens ist. Alljährlich im Oktober, um den Geburtstag des weitgereisten Dramatikers, Erzählers, Lyrikers und Publizisten, finden die Kleist-Festtage statt.
Alles fließt
Zeit für eine Pause. In den letzten Jahren entstanden gleich mehrere Restaurants und Cafés, in denen engagierte Wirtsleute mit Ideen in Küche, Ausstattung und Service Neues kreierten. Auch Kneipen und Clubs entstanden, schließlich ist Frankfurt (Oder) eine wiedererweckte Universitätsstadt und Studenten brauchen nicht nur Bibliotheken. Von 1506 bis 1811 war Frankfurt (Oder) die Stadt der ersten brandenburgischen Landesuniversität. Zu den berühmtesten Studenten der alten Oder-Universität zählen die Gebrüder von Humboldt, Ulrich von Hutten, Carl Philipp Emanuel Bach, Thomas Müntzer und Heinrich von Kleist. 1991 wurde die Viadrina als Europa-Universität neu gegründet und hat sich in dieser Zeit einen beachtlichen Ruf erarbeitet. Die grundsätzliche Orientierung in Lehre und Forschung auf Internationalität erweist sich als weitsichtig. Drei Gebäude der Universität Viadrina, das Hauptgebäude, das Audimax und das Gräfin-Dönhoff-Gebäude, befinden sich unmittelbar in Odernähe. Rund 3.000 Studenten lernen hier und kräftigen auch das Lebensklima der Stadt, deren Einwohnerzahl von 1989 bis 2005 um 24 Prozent zurückging. Langfristige Perspektiven für die Stadt soll vor allem die Solartechnik eröffnen, schließlich ist Frankfurt (Oder) eine der Brandenburger Hochburgen dieser Zukunftstechnologie. Eine Ahnung vom alten Frankfurt vermittelt die Fischerstraße am Alten Oderarm. In den letzten Jahren wurden die kleinen Fischer- und Handwerkerhäuser aufwendig saniert und sind heute als Wohnungen begehrt. Von der Fischerstraße führt der Stadtspaziergang auf die Oderinsel Ziegenwerder, auf die der Besucher über eine geschwungene Holzbrücke kommt. 2003 wurde dieses idyllische Gelände zwischen den beiden Oderläufen aus dem Dornröschenschlaf erweckt und zur Parkanlage mit großen naturbelassenen Flächen ausgebaut. Schon nach wenigen Gehminuten genießt man die Stille der Flusslandschaft.
Kunst, Sport und Natur
Foto: Heide FestRund 63.000 Einwohner hat die Stadt heute. 10.000 davon sind nicht nur sportbegeistert, sondern in Sportvereinen organisiert. Frankfurt (Oder) ist die Sportstadt des Landes Brandenburg. Sie bietet mit Olympiastützpunkt, der Bundeswehrsportfördergruppe, der Sportschule, 13 Landesleistungsstützpunkten und 83 Sportvereinen Spitzen- und Breitensport. Die Boxer Henry Maske und Axel Schulz trugen auch dazu bei, dass so manch einer lernte, dass es nicht nur ein Frankfurt am Main gibt. Die Oderstadt hat sogar ein eigenes Sportmuseum, zu finden in der Slubicer Straße 7-8. Sportbegeisterte sollten reichlich Zeit einplanen, denn mit Liebe und Sammelleidenschaft wurden die Erinnerungen zusammengetragen.
Noch eine besondere Ausstellung hat Frankfurt (Oder): Das Museum Junge Kunst ist eine der wesentlichsten Sammlungen von Kunst aus dem Osten Deutschlands. Über 11.000 Werke der Malerei, Handzeichnungen und Aquarelle, Druckgrafiken, Skulpturen und polnische Grafiken werden in zwei Häusern, dem Rathaus mit Rathaushalle und dem gotischen Festsaal sowie im Pack-Hof des Museums in der C.-Ph.-E.-Bach-Straße ausgestellt. Mit seinem Jahresprogramm 2007 bietet das
Rathaus Frankfurt (Oder)
Museum Junge Kunst wieder ein ambitioniertes Ausstellungsforum für zeitgenössische Kunst in Deutschland. Rund um Frankfurt lockt eine grüne, wald- und wasserreiche Umgebung mit vielen Sehenswürdigkeiten: das Schlaubetal, die seltenen im Frühjahr strahlend schön blühenden Adonishänge in Lebus, die stille Weite des Oderbruchs, der Freizeit- und Campingpark Helenesee und das Kloster Neuzelle, in dem die ungewöhnlich reich ausgestattete ehemalige Klosterkirche (katholische Kirche) besichtigt werden kann. Gleich nebenan wird das bekannte Neuzeller Bier gebraut.
www.frankfurt-oder.de oder www.frankfurt-oder-tourist.de
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2006






















