Glanz und Gloria
Archiv der Ausgabe 1 | 4. Jahrgang | Frühjahr 2009
- Von jeher eine Top-Adresse – Potsdam und seine Umgebung
Möchte man der brandenburgischen Landeshauptstadt ein großes Kompliment aussprechen, greift man zu einem ganz besonderen Vergleich: „Wo Berlin am schönsten ist, heißt es Potsdam!” Tatsächlich trennt die beiden Städte nur eine unscheinbare Grenze. Auch wenn Potsdams Antlitz längst nicht überall vor Pracht strotzt und an so mancher Wunde und Bausünde leidet, gerät der aufmerksame Spaziergänger doch auf vielen Straßen und Plätzen ins Staunen. Luxus und Eleganz drücken sich oft auf dezente und daher sehr sympathisch wirkende Weise aus.
Filmmuseum Potsdam, Foto: Ihlow / TMB-FotoarchivWer daran zweifelt oder vielleicht einen etwas zu kräftig ausgefallenen Lokalpatriotismus vermutet, sei auf das Urteil des US-amerikanischen Reisemagazins „National Geographic Traveler” verwiesen. In seinem Auftrag hat eine international besetzte Fachjury die ihrer Meinung nach 110 historisch bedeutendsten Orte auf der ganzen Welt bewertet. Zu den wichtigsten Kriterien gehörten die Entwicklung und der Zustand des historischen Erbes sowie das Tourismus-Management in den jeweiligen Städten und Regionen. Dabei kam Potsdam auf einen unerwarteten achten Platz. Unter den deutschen Städten lag es sogar ganz vorn, denn München (Platz 30) und Dresden (38) folgten mit deutlichem Abstand. Den ersten Rang auf der von 280 internationalen Reiseexperten zusammengestellten Liste holte sich die niederösterreichische Region Wachau, gefolgt vom Rideau Kanal (Kanada) und Gent (Belgien).
Karin Genrich, Präsidentin des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg e. V. und Unternehmerin seit 1987, erklärt den Reiz der Stadt so: „Viele Potsdam-Besucher und Touristen, die zum ersten Mal hier sind, versprechen wiederzukommen. Sie schwärmen vom Charme unserer Stadt, finden die kleinteilige, barocke Innenstadt so wunderbar und sind begeistert vom Potsdamer Flair. Hier können sie abseits vom Großstadtgetümmel und ohne Hektik bummeln und erleben in den Geschäften persönliche Beratung und Zuwendung. Potsdams Handelslandschaft bietet zwar noch nicht in allen Branchen Berlins Fülle und Vielfalt, doch die Geschäfte führen hier interessante Nischenprodukte, Ausgefallenes und so manches Highlight.”
Lebendige Kulturlandschaft
In der Stadtverwaltung knallten jedenfalls die Sektkorken, symbolisch versteht sich. „Wir sind sehr stolz über diese Platzierung und sehen uns in unserer Arbeit bestätigt”, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs. Das Ergebnis habe gezeigt, welche Bedeutung der Kulturlandschaft mit ihren Schlössern und Gärten zukommt. Seit der Wende investierte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten viele Millionen Euro in die Erhaltung und Restaurierung des historischen Zentrums und in die touristischen Sehenswürdigkeiten. „Es ist uns gelungen, wieder den alten barocken Glanz und die Lebendigkeit in die Stadt zu holen”, freute sich Jakobs.
Natürlich gibt es an manchen Ecken und Enden und selbst in der Innenstadt noch eintönige Plattenbauten, aber gerade der Kontrast zur harmonischen Schlösser- und Gartenwelt, zu Villen in Neubabelsberg oder den schmucken Häusern im Holländischen Viertel macht den Reiz Potsdams aus.
Zur besseren Aussicht gleich ein tolles Schloss
Schon zu königlichen Zeiten dominierten Glanz und Gloria. So ließ sich Friedrich Wilhelm IV. Mitte des 19. Jahrhunderts auf dem Pfingstberg zur besseren Aussicht auf die Stadt eben keinen billigen Turm oder eine Terrasse, sondern gleich ein ganzes Schloss bauen. Das Belvedere kann es mit seinen monumentalen Doppeltürmen, den hier untergebrachten Römischen und Maurischen Kabinetten und dem Innenhof mit seinem Wasserreservoir mit jedem anderem Schloss aufnehmen.
Russisch-Orthodoxe Kirche des Heiligen Alexander Newski, Foto: © Tm Higgins / PIXELIOVerschwenderisch ging der König auch mit dem Dampfmaschinenhaus für den Betrieb der Fontänen im Park Sanssouci um. Er hätte es bei einer schlichten Werkhalle bewenden lassen können. Stattdessen entschied er sich für die Kopie einer ägyptischen Grabmoschee mit einer Kuppel und einem schlanken Minarett als Schornstein.
Eine Erklärung für die verschwenderische Ausstattung von Schlössern und Gärten – für die beispielhaft auch Sanssouci, das Neue Palais, die Römischen Bäder oder das Marmorpalais stehen – liefert mit Sicherheit die harmonische Landschaft in und um Potsdam. Was wäre die Stadt z. B. ohne die zauberhafte Garten- und Landschaftskunst des Peter Josef Lenné?! Und es war oft die natürliche Schönheit der Stadt, der Bauherren und Architekten oft einfach nacheifern wollten.
Dafür steht auch das Krongut Bornstedt am Rande des Parks Sanssouci. Das einstige Mustergut der Hohenzollern entstand im Stil eines einladenden italienischen Dörfchens und ist heute eine beliebte Adresse für gutes Einkaufen und Feiern. Im Hof-Brauhaus erleben die Gäste die seit 1689 bestehende Tradition des Brauens und Brennens. Weitere kulinarische Genüsse garantiert die Königliche Hofbäckerei. Auch im Gutshaus des Kronguts lässt es sich trefflich feiern – zum Beispiel eine Hochzeit, denn man kann sich hier auch trauen lassen. Nach dem kürzlich vollzogenen Betreiberwechsel darf man auf Neuerungen gespannt sein.
Die Brandenburg-Manufaktur macht alte Handwerkskunst wieder lebendig. Hut- und Putzmacher, Weber und Keramiker lassen sich gerne über die Schulter schauen. Ein Glasmacher, ein Barbier und eine Parfümerie ergänzen das Angebot.
Eine Villenkolonie nicht nur für die Reichen und Schönen
Großartige Architektur, Glamour und Geschichte begegnen dem Spaziergänger auch in der Villenkolonie Neubabelsberg. Am Ufer des Griebnitzsees ließen sich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem reiche Berliner nieder, die abseits der Großstadt Ruhe und Natur suchten. Mies van der Rohe, Hermann Muthesius und andere namhafte Architekten schufen hier wahre Meisterwerke. In ihnen wohnten in den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts viele Stars, die die Nähe zur Filmstadt Babelsberg schätzten. Zu ihnen gehörten Heinz Rühmann, Brigitte Horney oder Marika Rökk. Im Sommer 1945 residierten in dem Nobelviertel die alliierten Regierungschefs Harry S. Truman, Winston Churchill und Josef Stalin, um das Potsdamer Abkommen zu beraten. Auch heute mangelt es nicht an exklusiven und teuren Villen in Potsdam. Die Immobilienfirma Engel & Völkers bietet beispielsweise eine Zwölf-Zimmer-Villa in Neubabelsberg für 1,3 Millionen Euro an. Ein 1.800 Quadratmeter großes Villengrundstück in der Berliner Vorstadt ist für knapp eine Million Euro zu haben. Hier befinden sich ohnehin sehr mondäne Wohnadressen bekannter Potsdamer Einwohner. Auf den Heiligen See in Richtung Marmorpalais blicken unter anderem TV-Star Günter Jauch und Modeschöpfer Wolfgang Joop.
St. Nikolaikirche, Foto: © Heike Eckmiller / PIXELIOAnspruchsvolles Publikum findet auch in Potsdam genügend Adressen zum Shoppen und Amüsieren, wobei es im Unterschied zu anderen Städten keine ausgesprochene Hoch-Preis-Meile gibt. Eine Reihe von Geschäften im Holländischen Viertel sowie auf der Brandenburger Straße und ihren Nebenstraßen offerieren interessante und qualitativ hochwertige Angebote.
Für gehobene Ansprüche beim Mittag- oder Abendessen bieten sich beispielsweise das Hotel Bayrisches Haus am Wildpark, das „Kleine Schloss” im Park Babelsberg, die „Waage” auf dem Neuen Markt oder das Mövenpick „Historische Mühle” am Schloss Sanssouci an. Das Hotel am Jägertor, das Dorint-Hotel in der Jägerallee, das Inselhotel in Hermannswerder und das NH Voltaire in der Friedrich-Ebert-Straße gehören zu den vielgebuchten Hotels der Stadt.






















