Gesund, regional und neu
Archiv der Ausgabe 1 | 3. Jahrgang | Frühjahr 2008
- Ständig bereichern Erfindungen die Bio-Branche in Berlin und Brandenburg. Sie wächst so stark wie nirgendwo.
Der Absatz von Bio-Produkten in der Region Berlin-Brandenburg boomt schon das vierte Jahr in Folge. Die Steigerungsraten liegen zwischen 15 und 20 Prozent, wobei zu dieser Bilanz längst nicht nur die reinen Bio-Geschäfte oder Naturkostläden beitragen. Längst haben auch die Supermarktketten und selbst die Discounter auf die Nachfrage der Kunden reagiert und das Sortiment von Produkten mit dem Bio-Siegel erheblich erweitert.
Fotos: Sabine Gaßer, Michael LüderNach der jüngsten Internationalen Grünen Woche in Berlin werden mit Sicherheit viele neue Erzeugnisse den Weg in die Regale finden. Denn die Tests beim Publikum fielen überwiegend positiv aus.
Gewiss hört sich so manche Kreation auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig an. Mit Chicoree-Schnaps, Wurzelbrot aus dem Biobackhaus, Aronia-Apfel-Topinambur-Sanddorn-Saft, Honigsenfspezialitäten in den Geschmacks rich tun gen Curry, Chili, Pfeffer und Knoblauch oder einem Bio-Bockbier können viele Kunden zunächst wenig anfangen. Aber die Erfindungs- und Entdeckerfreude der Hersteller lohnt sich. Immer mehr Menschen sind bereit, für die nach den strengen Kriterien der Bio-Branche produzierten Lebens- und Genussmittel mehr Geld auszugeben. „Dabei heißt ökologisch auch immer regional“, sagt Brandenburgs Agrarminister Dietmar Woidke. „Denn dank der kurzen Wege zwischen dem Produzenten und dem Verbraucher stimmt auch die Energiebilanz.“ So trügen zwar zum Beispiel auch viele chinesische Produkte inzwischen ein BioSiegel, aber der Import großer Mengen sei doch mit einem großen Energieaufwand verbunden.
20 Prozent des Bio-Bedarfs kommen aus der Region

Außerdem kann sich der Käufer bei einheimischen Waren sehr oft selbst davon überzeugen, nach welchen Prinzipien die Brandenburger Betriebe arbeiten. Sie haben nichts zu verbergen und öffnen ihre Türen nicht nur zur alljährlichen Landpartie Mitte Juni für die Besucher.
Derzeit decken die märkischen Landwirte schon zu 20 Prozent den Bedarf an Bio-Produkten in Berlin und Brandenburg. „Bei Brot und Brötchen, Frischmilch sowie im Sommer bei Obst und Gemüse kommen wir schon auf nahezu 100 Prozent“, hebt Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg, hervor. „Wir brauchen vor allem mehr Verarbeitungsbetriebe für veredelte Bio-Produkte wie Tiefkühlgemüse, Pizza, Joghurt oder Marmelade.“ Hier schlummere noch ein riesiges Potenzial für Wertschöpfung und Arbeitsplätze im ländlichen Raum.
In Hofläden geht es zu wie auf der Grünen Woche
Fotos: Sabine Gaßer, Michael LüderBereits heute gehören 9,7 Prozent der gesamten Anbaufläche Brandenburgs zur Bio-Branche. Im bundesweiten Durchschnitt liegt dieser Anteil nur bei 4,6 Prozent. Hier zeigen sich einerseits die guten Absatzmöglichkeiten und andererseits die staatliche Förderung für Betriebe, die auf Bio umstellen. Beispiele für die große Bewegung auf diesem Sektor sind die Pläne für eine 1.800 Quadratmeter große gläserne Produktionsstätte für feine BioFleisch- und Wurstwaren im Veltener Gewerbegebiet oder eine neue Halle für das Biobackhaus in Falkensee.
Immer mehr Betriebe verkaufen ihre Produkte nicht nur im Groß- und Einzelhandel, sondern zusätzlich auch in den angeschlossenen Hofläden. Hier geht es dann manchmal zu wie auf der Grünen Woche. Die Kunden entdecken Neuigkeiten, lassen sich zum Kosten verführen, prüfen ausgiebig und entscheiden sich dann zum Kaufen. Manchmal ergibt sich daraus sogar ein Abonnement, das regelmäßige Lieferungen von Frischeprodukten garantiert. Wer biologisch einwandfreie Erzeugnisse in Restaurants oder in Brauereien genießen will, muss sich schon selbst auf einen kulinarischen Ausflug begeben. Der Weg lohnt sich mit Sicherheit, schon wegen der vielen Neuigkeiten.
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