Gartenpracht dank vieler Glücksfälle
Archiv der Ausgabe 3 | 3. Jahrgang | Herbst 2008
- Potsdam und Umgebung glänzen mit einzigartigen Parks
Seinen besonderen Reiz verdankt Potsdam in erster Linie einer wunderbaren Fügung: Die Sehnsucht der brandenburgischpreußischen Herrscher nach prachtvollen Schlössern, Parks und Gärten traf in den vergangenen Jahrhunderten mit dem Können der besten Künstler ihrer Zeit zusammen. Bekannte Namen wie Karl Friedrich Schinkel, Ludwig Persius, Peter Joseph Lenné und Hermann Fürst von Pückler-Muskau prägten die Stadt und ihre nicht weniger schöne Umgebung. Wer sich heute zu einem Bummel aufmacht, erlebt ganz unterschiedliche Park- und Gartenanlagen voller überraschender Ein- und Ausblicke, künstlicher und natürlicher Höhepunkte und wahrer Bilderbücher der Harmonie. Die große Auswahl der Adressen zeigt die Vielfalt und vor allem das Glück von Potsdam, das so viele königliche Träumereien und enthusiastische Gartenbaugenies einst zusammenführte.
Foto: Hagen Immel, Copyright SPSGDie Entdeckung der Potsdamer Gartenlandschaft, die von Sanssouci bis zur Pfaueninsel in Berlin reicht, kann zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgen. Die beste Möglichkeit aber bietet das Fahrrad. Zwar weist die Parkordnung den Radlern nur bestimmte Wege zu und fordert ab und zu zum Schieben des Drahtesels auf. Aber diese Unterbrechungen vor allem in Sanssouci und im Neuen Garten steigern noch das Vergnügen. In der Eile würde man sonst womöglich einige der genialen Sichtachsen und kleinen Kunstwerke am Wegesrand verpassen. Außerdem bewegen sich die Besucher in einem hoch geadelten Gelände. 1990 nahm die Unesco die Potsdamer Kulturlandschaft in die Liste des Weltkulturerbes der Menschheit auf. Die Parks und Gärten gehören untrennbar dazu, auch wenn diese Kunstwerke manchmal etwas im Schatten der Schlösser, Türme und Pavillons stehen.
Freundschaftsinsel zeigt die Träume des Staudenzüchters Foerster
In unmittelbarer Nähe des Potsdamer Hauptbahnhofes, in dem auch die S-Bahn-Linie aus Berlin endet, lässt so mancher Ausflügler die erste Sehenswürdigkeit unbeachtet links liegen. Dabei wartet mit der Freundschaftsinsel inmitten der Havel ein echtes Schmuckstück auf die Besucher. Der Name könnte vielleicht etwas irritieren und Assoziationen mit der DDR heraufbeschwören, wurde doch hier der Begriff Freundschaft geradezu inflationär gebraucht. Doch die Bezeichnung für dieses sechs Hektar große Gartenkunstwerk war schon vor über 100 Jahren gebräuchlich und wurde von einer hier einst befindlichen Gaststätte abgeleitet.
Vor allem der berühmte Staudenzüchter Karl Foerster (1874-1970) gab der Insel ihr Gesicht, indem er hier zwischen 1938 und 1940 seinen ersten Schau- und Sichtungsgarten für winterharte Blütenstauden, Farne und Gräser in Deutschland anlegte. Sein Motto steht auf einer Plastik: „Wer Träume verwirklichen will, muss wacher sein und tiefer träumen als andere“. Das ist ihm bei seinen vielen Züchtungen durchaus gelungen, gibt es doch mehr als 1 000 verschiedene Staudensorten und über 250 Schwertliliensorten zu bewundern. Eine kleine Galerie und ein Cafe ergänzen heute die vielen Angebote.
Sanssouci bietet weit mehr als nur das Weinbergschlösschen
Foto: SDCVon der Freundschaftsinsel brauchen die Radfahrer nur eine Viertelstunde bis zum Park Sanssouci. Die meisten Touristen kennen nur die großen Terrassen unterhalb des Weinbergschlosses und die Hauptallee zum Neuen Palais. Dabei verpassen sie jedoch einige ganz besonders schöne Teile des Sanssouci- Gesamtkunstwerkes. So gilt der südlich vom Schloss gelegene Charlottenhof als die erste völlige Neuschöpfung Lennés
in Potsdam. Überall ist in diesem arkadisch-idyllischen Kunstwerk die persönliche Handschrift des talentierten Kronprinzen Friedrich Wilhelm zu spüren, der für die 1825 begonnene Gestaltung rund um das klassizistische weiße Schlösschen Charlottenhof viele eigene Ideen lieferte.
Auch der Sizilianische Garten und der Nordische Garten in der Nähe des mächtigen Orangerieschlosses sollen wesentlich auf den 1840 zum König Friedrich Wilhelm IV. gekürten Romantiker zurückgehen. Die Motive nordischer Landschaften bestimmen auch die Gartenanlage zwischen der Orangerie und dem Belvedere auf dem Klausberg. Der Landschaftsarchitekt Potente schuf zwischen 1904 und 1908 unter Wilhelm II. diese Anlage.
Der Neue Garten lebt vor allem von der Ausstrahlung berühmter Bauten
Als einen Gegensatz zum barocken Sanssouci wollte der Kronprinz Friedrich Wilhelm (II.) einen anderen Garten anlegen. Ein Jahr nach seinem Regierungsantritt begann 1787 tatsächlich die Gestaltung des „Neuen Gartens“ am Jungfernsee, der vom Wörlitzer Gärtner Johann August Eyserbeck Grundzüge eines englischen Landschaftsgartens erhielt. Lenné überformte den 102 Hektar großen Park zwar später, aber der ungewöhnliche Charakter blieb. Den gewinnt die Anlage vor allem durch die zwischen 1787 und 1792 entstandenen Gebäude wie Marmorpalais, Küche in Form einer römischen Tempelruine, Gotische Bibliothek, Orangerie, Grotte, Meierei und die als Eiskeller genutzte Pyramide. Lenné legte später große Sichten und Wiesenräume an, eine gefälligere Wegeführung und vor allem die Blickverbindungen zu den Nachbargärten in Sacrow, zur Pfaueninsel, nach Glienicke, Babelsberg, Potsdam und zum Pfingstberg. Englische Landhausschlösser waren schließlich auch das Vorbild für das zwischen 1913 und 1917 für den Kronprinzen erbaute Schloss Cecilienhof, das sich ganz harmonisch in den Neuen Garten einfügt.
Gleich zwei Genies gestalteten den 124 Hektar großen Park Babelsberg. Lenné begann 1833 mit der Arbeit, ehe er 1842 von Herman Fürst von Pückler-Muskau abgelöst wurde. Beide gestalteten Terrassen mit Mosaiken, Teppichbeeten, Plastiken und Brunnen. Spazierwege bieten tolle Aussichten auf die Havelseen, die Glienicker Brücke und die Potsdamer Stadtsilhouette. In den Sommermonaten empfiehlt sich auf jeden Fall ein Blick vom 1853 bis 1856 errichteten Flatowturm.
Lohnende Ausflüge nach Sacrow, Caputh, Paretz oder Petzow
Foto: SDCIm Potsdamer Umland gibt es in allen Himmelsrichtungen sehenswerte Gärten und Parks. Der Garten Sacrow gegenüber dem Neuen Garten wird durch die nach Plänen von Ludwig Persius entworfene Heilandskirche auf der in den Jungfernsee ragenden Landspitze geprägt. Erst seit 1994 werden die alten Wege Lennés wieder ausgegraben, nachdem der Mauerbau große Zerstörungen angerichtet hatte.
Der Blick fällt von hier auch auf die Pfaueninsel, die König Friedrich Wilhelm II. 1793 erwarb. Neben dem weißen Schlösschen fällt besonders der uralte Baumbestand von etwa 400 malerischen Eichen auf. Zum Schlossgarten Caputh führt die schönste Anreise mit einem Fahrgastschiff der Weißen Flotte. Auch hier erarbeitete Lenné einen Verschönerungsplan, der ab 1820 schrittweise umgesetzt wurde und mehrere kleine Nutzbereiche
in das Gesamtensemble einfügte. Auch Paretz und Petzow lohnen sich für Gartenliebhaber.
Informationen unter www.potsdam.de und www.spsg.de
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