Frauen-Power damals und heute
Archivbeitrag der Ausgabe 2 | 6. Jahrgang | Sommer 2010
- von Christa Steuer
Spätestens die Ausrufung des Königin-Luise-Jahres durch die Schlösserstiftung regt zum Nachdenken über die Rolle der Frauen für die Brandenburger Geschicke an. Denn die preußische Königin, deren 200. Todestag Anlass für zahlreiche Ausstellungen, Vorträge, Bücher und Exkursionen ist, hat die Politik und das Alltagsleben doch stark beeinflusst. Sie war Diplomatin, liebende und lebensfrohe Mutter und eine ausgesprochene Schönheit. Die alljährliche Kulturland-Kampagne widmet sich diesmal der holden Weiblichkeit unter dem Motto „Mut & Anmut. Frauen in Brandenburg- Preußen“.

Luise von Preußen nach Vieweg Plakatmotiv-F0016491 unbekannter Künstler (vermutlich nach M. Vieweg), um 1897 © SPSG
Heute fällt die Suche nach Frauen, die die Politik beeinflussen, Größe und Emotionen zeigen, intellektuell den Zeitgeist mitbestimmen oder einfach die Menschen mitreißen, gar nicht so leicht. Natürlich fällt in Umfragen immer wieder der Name der 2001 verstorbenen und unvergessenen Brandenburger Sozialministerin Regine Hildebrandt. Als „Mutter Courage des Ostens“ hat sie wie kaum ein anderer Mensch die Bevölkerung Ostdeutschlands bewegt. Ihr Leitspruch ist bis heute Programm vieler Initiativen: „Der tiefere Sinn des Lebens liegt im Miteinander“. Seit 2002 gibt es den jährlich vergebenen Regine-Hildebrandt- Preis der SPD. Die Preisträger handeln laut Ausschreibung im Sinne Regine Hildebrandts für Ostdeutschland und seine Menschen, wirken für die innere Einheit Deutschlands, gegen Rechtsextremismus und Gewalt und für Frieden, Freiheit und soziale Gerechtigkeit.
Deutschlands erfolgreichste Olympionikin stammt aus Brandenburg
Keine andere Politikerin konnte danach die Lücke nach dem viel zu frühen Tod Regine Hildebrandts auch nur annähernd ausfüllen, auch kein männlicher Akteur. So bleibt nur die Suche nach Frauen, die auf anderen Gebieten Menschen begeistern. Der Sport bietet eine Fülle von Namen. Mit acht Goldmedaillen ist die in Brandenburg (Havel) geborene Birgit Fischer die erfolgreichste Olympia-Sportlerin Deutschlands. „Immer einen Paddelschlag voraus“, lautete ihr Motto schon von klein auf.
Ihr Streben hatte sie dabei immer klar vor Augen: „Mein Ziel war immer Gold. Immer ganz oben stehen. Denn so habe ich begonnen, da macht man nicht gerne Abstriche.“ Daran hat sich auch nach der sportlichen Karriere nichts geändert. Jetzt bietet die Diplomsportlehrerin mit ihrer Firma „Kanufisch“ Leistungs- und Mentaltraining für Führungskräfte, erlebnisorientierte Kanu-Events sowie Personaltraining für Wettkampfsportler.
Berlin feiert zwar die Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen oft als einheimische Sportlerin. Das Schwimmen hat sie allerdings vor mehr als 20 Jahren in ihrer Heimatstadt Schwedt erlernt. Aus der Oder-Stadt ging Steffen zum Sport- Leistungszentrum in Potsdam, bevor sie vor einigen Jahren schließlich nach Berlin wechselte.
Fußballmeister und Silly-Star
Die aktuelle „Sportlerin des Jahres“ in Brandenburg ist ebenfalls im Wasser zu Hause. Die Nichte von Birgit Fischer, Fanny Fischer, kann auch schon einen Kanu-Olympiasieg verbuchen. Wahre Begeisterungsstürme lösen außerdem regelmäßig die Fußballfrauen von Turbine Potsdam aus. Mehrfach schon konnte sie den Meistertitel und den Pokalsieg und 2005 sogar den Gewinn des UEFACups feiern. Kein anderes Team konnte mit der Mannschaft auch 2010 ernsthaft konkurrieren.
Auf künstlerischem Gebiet fällt vor allem ein Name: Anna Loos. Die in der Havelstadt Brandenburg geborene Schauspielerin und Sängerin der Gruppe „Silly“ ist mit Jan Josef Liefers verheiratet und hat in zahlreichen Filmen gespielt.
Beim Blick in die Geschichte finden sich viele Biografien und Zitate bemerkenswerter Frauen. Sie stehen im Mittelpunkt zahlreicher Kulturveranstaltungen. So widmet sich im Schloss Branitz in Cottbus zwischen Mai und Oktober die Ausstellung „Die grüne Fürstin“ der Ehefrau des Gartenbaugenies Fürst Pückler. Der sagte einmal über seine Gattin Lucie von Hardenberg: „Eine schöne Frau ist ein Schmuckstück, eine gute Frau ist ein Schatz.“
Erinnerung an Madame Fouqué und Tucholskys Verlobte In Frankfurt (Oder) wird bis August das Leben und Wirken einer weiteren selbstbewussten Adligen nachgezeichnet: Caroline de la Motte Fouqué. Sie war Anfang des 19. Jahrhunderts auf Schloss Nennhausen Gastgeberin für viele adelige und bürgerliche Literaten. Zu ihnen gehörten Joseph von Eichendorff und August Wilhelm Schlegel. Ihr Mann, Baron de la Motte Fouqué, beschrieb sie so: „Sie ist eine von in allen Glorien erhabener Geistesbildung leuchtende Gestalt.“
Ab Mitte November steht im Literaturmuseum Rheinsberg die Verlobte von Kurt Tucholsky, Else Weil, im Mittelpunkt. Sie gilt als sein Vorbild für Claire in seiner 1912 erschienen Erzählung „Rheinsberg – Ein Bilderbuch für Verliebte“. Tatsächlich verkörperte sie für die damalige Zeit ein neues, selbstbewusstes Frauenbild. Außerdem gehörte sie zu den ersten Frauen, die in Preußen Medizin studierten.
Archiv:
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 2/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 4/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2008
- Archivbeiträge der Ausgabe 2/2008
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2008
- Archivbeiträge der Ausgabe 4/2008
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2009
- Archivbeiträge der Ausgabe 2/2009
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2009
- Archivbeiträge der Ausgabe 4/2009
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2010






















