Fahrstuhl für große Pötte
Archiv der Ausgabe 2 | 5. Jahrgang | Sommer 2009
- Niederfinow erhält bis 2014 ein neues Schiffshebewerk für bis zu 110 Meter lange Lastkähne
- Von Christa Steuer
Auf der Liste der größten Verkehrsbauvorhaben steht Brandenburg in Deutschland ganz vorn. Schließlich entsteht in Schönefeld nicht nur bis Ende 2011 der neue Großflughafen. In Niederfinow bei Eberswalde wächst seit diesem Frühjahr ein zweites Schiffshebewerk buchstäblich in den Himmel. 285 Millionen Euro gibt das Bundesverkehrsministerium dafür aus. Ab 2014 sollen dadurch auch 110 Meter lange Schiffe das Nadelöhr am Oder-Havel-Kanal passieren können, während der bestehende Fahrstuhl nur Schiffe bis 75 Meter Länge aufnehmen kann. Dieser bleibt als technisches Denkmal in Sichtweite des Neubaus erhalten.
Die „gute alte Dame“, wie Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee das am 21. März 1934 eröffnete technische Meisterwerk respektvoll nannte, gehört heute zu den wichtigsten touristischen Sehenswürdigkeiten Brandenburgs. Jährlich bis zu 150.000 Neugierige lassen sich vom stählernen Monstrum faszinieren. Sie buchen entweder eine Fahrt auf einem kleinen Dampfer oder betrachten vom Boden aus das Heben und Senken des riesigen Troges. Die Zahl der Touristen dürfte während der sechsjährigen Bauzeit noch zunehmen, ist doch die Montage einer so komplizierten Konstruktion nicht alle Tage zu verfolgen.
Genau wie im bestehenden Hebewerk überwinden die Schiffe auch im neuen Fahrstuhl einen Höhenunterschied von 36 Metern. Die Landschaft lässt keine andere Wahl zu. Als vor gut 100 Jahren der jetzige Kanal zwischen der Havel im Westen und der Oder im Osten eröffnet wurde, mussten die Schiffe noch eine vierstufige Schleusentreppe in Kauf nehmen. Erst das zu jener Zeit höchste Schiffshebewerk brachte eine wesentliche Zeitersparnis.
Oft Zwangspause am Nadelöhr
Da das Bundesverkehrsministerium in seinen Prognosen einen erheblichen Anstieg der auf dem Wasser transportierten Gütermengen erwartet, reichte das alte Hebewerk nicht mehr aus. Schon jetzt müssen Binnenschiffer auf der Strecke zwischen dem Rhein-RuhrGebiet, Magdeburg, Berlin und dem Stettiner Ostseehafen in Niederfinow oft eine Zwangspause einlegen. Lange Schubverbände müssen erst aufwändig aufgelöst und nach dem Hebewerk wieder zusammengekoppelt werden. Das kostet Zeit und schlägt sich in höheren Transportkosten nieder.
Dank der nun gewählten Dimensionen von 130 Metern Länge und 60 Metern Höhe entfallen solche Nachteile. Wird der Trog mit Wasser gefüllt, wiegt er etwa 9.000 Tonnen. Gegengewichte und vier Maschinen mit einer Gesamtleistung von 1.280 Kilowatt bewegen dieses riesige Wasserbecken von oben nach unten und umgekehrt.
www.schiffshebewerk-niederfinow.info
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