Einfach umwerfend
Archiv der Ausgabe 4 | 3. Jahrgang | Winter 2008
- Die TVF Altwert GmbH bietet maßgeschneiderte Lösungen für den Rückbau alter Militär- und Industrieanlagen
Wer sich an die eigene Kindheit erinnert oder den Nachwuchs beobachtet, weiß, dass nicht nur Häuser-Aufbauen Spaß macht. Mindestens genauso gern reißen Kinder ihre Werke wieder ein. Später, im Erwachsenenleben, stellt man sich die Frage danach, wie man das richtig macht, und wer so etwas gut kann? Unternehmer Frank Marczinek und seine Mitarbeiter kommen nicht einfach mit der Abrissbirne, sprengen weg und machen platt. Nein, sie bereiten den Nährboden für einen Neubeginn auf ehemaligen Industrie- und Militärflächen. Wir trafen den Herrn über viele Brandenburger und Berliner Industriebrachen in seinem Büro hoch über den Dächern von Adlershof.
Dass Frank Marczinek nicht nur als Unternehmer ein Machertyp ist, merkt man schon daran, wie er federnd die letzten Treppenstufen zu seinem Büro nimmt, manchmal sind es gleich zwei mit einem Mal. Der 47-Jährige hält sich, wie sich bald herausstellt, fit mit Fahrradfahren, Squash, Badminton und Kampfsport. Er ist im Vorstand vom Verein „Kase Karate Do“, Karate ist seine Hauptdisziplin – eine, bei der viel Wert auf körperliche Kondition gelegt wird, auf Beweglichkeit und Schnellkraft.
Abriss von der Stange gibt es nicht, jeder Auftrag ist anders
Besonders beweglich und schnell ist Marczinek auch in seinen Entscheidungen. Das ist von Vorteil, weil ein perfekter Rückbau auch Abbruch-Experten vor große Herausforderungen stellen kann. Man muss innovativ sein und am Ball bleiben, was neue Abriss-Technologien angeht. Stets ist höchste Präzision gefragt, und kein Objekt ist direkt mit einem anderen vergleichbar. „Jedes unserer Projekte ist ein Unikat. Wir basteln an Anlagen herum, die zwischen 150 und 5 Jahre alt sind“, sagt er und erzählt von der Berliner Infobox, die seine Firma im Jahr 2000 zurückgebaut hat. Zu den kleinsten Aufträgen seiner TVF Altwert GmbH gehört der Einfamilienhaus-Abriss, zu den größten der Rückbau kompletter Kraftwerke. Da kann es um ein Auftragsvolumen von 10 bis 12 Millionen Euro gehen und um technisch hoch anspruchsvolle RiesenSchornsteine, wie sie in Boxberg in der Lausitz zurückgebaut werden. Das Unternehmen übernimmt außerdem Asbestsanierung, Schadstoffsanierung im Boden sowie das Beseitigen von Kontaminationen.
TVF steht für ThyssenKrupp (T), VEAG (V) und Flächenrecycling (F)
Das Unternehmen für Flächenrecycling wurde 1994 von den Konzernen ThyssenKrupp und VEAG gemeinsam gegründet und gehört heute zu den größten Abbruchunternehmen in Deutschland. 2006 übernahm TVF Altwert vom Land die Management-Gesellschaft „Brandenburgische Boden“ (BBG). Die Unternehmensgruppe hat eine solide Basis. Hauptkunde der BBG ist das Finanzministerium des Landes Brandenburg. Verwaltet, vermarktet und saniert werden ehemalige Militärstandorte der sowjetischen Streitkräfte, wie Kasernen, Bunker, Flug- und Truppenübungsplätze. Bei den derzeit rund 140 Projekten geht es um Flächen mit insgesamt 12.000 Hektar. Und die befinden sich überall verteilt in Berlin und Brandenburg, zum Beispiel in Eberswalde. Dort haben Marczineks Mitarbeiter auf einer Fläche, auf der zuvor ein Kasernenkomplex stand, Platz für über 90 Einfamilienhäuser geschaffen.
Alles aus einer Hand: von der Kasernensanierung bis zur Funkturmsprengung
Viele innerstädtische Kasernengelände wie in Frankfurt und Brandenburg werden nach wie vor genutzt. Sie wurden vom Unternehmen saniert und sind jetzt Standorte von Behörden. In Oranienburg wurden große Flächen zu einem Gewerbegebiet gemacht. Auf das letzte der drei dortigen Baufelder , das momentan erschlossen wird, kommt ein Aluminiumzulieferer. Für den Großflughafen BBI in Schönefeld hat die Firma Vorarbeiten geleistet, unter anderem das Dorf Diepensee mit zurückgebaut und große Waldflächen geräumt. Ende des Jahres werden Marczineks Leute einen 358 Meter hohen Funkturm in Frohnau sprengen und um den Abriss des „B5 Centers“ im Frühjahr 2009 hat sich die TVF Altwert GmbH beworben.
Auf nach Osten – Aufträge von Usti bis Vladivostok
Auch in Zeiten, wo Autohersteller ihre Fließbänder anhalten und Banken den Staat um Unterstützung bitten, gehen ihm die Aufträge nicht aus. „Es ist kein wachsender Markt“, sagt Frank Marczinek, „aber so wie gebaut wird, wird auch zurückgebaut, zumindest in Europa“. Und es ist ein stabiler Markt – der dem Unternehmen ein Auftragsvolumen von 40 bis 50 Millionen im Jahr sichert. Außerdem ist es ins europäische Ausland expandiert, denn „was in den neuen Bundesländern in den letzten Jahren passiert, wird Schritt für Schritt in ganz Süd- und Osteuropa stattfinden, von Griechenland bis Polen, und noch weiter bis nach Vladivostok.“ Stichwort CO2: In Abhängigkeit von der lokalen Gesetzgebung gibt es da Veränderungen, die dazu führen, dass Anlagen nicht mehr betrieben werden dürfen. In Tschechien und in der Slowakei saniert das Unternehmen Deponien und Teerseen, und in Rumänien baut sein Unternehmen gerade zusammen mit lokalen Firmen Zuckerfabriken zurück. In der Regel wird bei einem neuen Projekt eine Tochtergesellschaft gegründet, oder es werden kompetente Partner gesucht und es wird – wie in Tschechien mit der Lobbe Industrieservice GmbH & Co. KG – eine gemeinsame Gesellschaft gebildet.
Psychologisch gesehen ist es für einen Unternehmer nicht immer einfach, Dinge abzureißen statt aufzubauen. Ein beeindruckendes Erlebnis in dieser Hinsicht hatte Frank Marczinek 1997, kurz nachdem er im Unternehmen angefangen hatte: „Als wir damals in Vetschau einen Schornstein sprengten, stand neben mir ein weinender älterer Herr, der berichtete, dass er vor Jahrzehnten diesen Schornstein aufgebaut hatte. Für manche schließt sich damit der Lebenskreis. Aber andererseits ist es so: Egal, wo wir arbeiten, zum Beispiel bei BASF in Ludwigshafen, wo wir Teile der Einheiten herausnehmen und neue hingebaut werden, es ist immer der erste Schritt für etwas Neues.“
Mehr Beständigkeit und Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Politik
Bevor Frank Marczinek in die Wirtschaft ging und Unternehmer wurde, gab er ein kurzes Gastspiel in der Politik. Im Alter von gerade einmal 29 Jahren war er in der letzten DDR-Regierung unter Lothar de Maizière Staatssekretär für Abrüstungsfragen. An die Adresse seiner heutigen Politikerkollegen formuliert er ohne Umschweife: „Ich wünsche mir eine einfache und für den Wähler verständlichere Politik. Mit mehr Beständigkeit und mehr Nachhaltigkeit.“ Und das gelte nicht nur in der Politik, sondern – gerade angesichts der aktuellen Finanzkrise – auch in der Wirtschaft. Seiner Meinung nach sind weder ein Vorstand, der für fünf Jahre bestellt ist, noch ein Minister, der vier oder fünf Jahre eine solche Position innehat, auf Nachhaltigkeit ausgelegt. „Warum bekommen Manager ihre Erfolgsbeteiligung, bevor der Erfolg da ist? Der Erfolg ist doch nur dann da, wenn das Unternehmen langfristig existiert.“ So wie seine TVF Altwert GmbH, der er Beständigkeit auf die Fahnen geschrieben hat. Im kommenden Jahr feiert die Firma ihren 15. Geburtstag. gb
www.tvf-altwert.de www.bbg-immo.de






















