EINE REGION IM AUFWIND
Archiv der Ausgabe 3 | 3. Jahrgang | Sommer 2007
- Spreewald und Niederlausitz locken mit attraktiven Ausflugszielen
Diese Trendwende im Spreewald kommt überraschend. Während sich die Touristiker im 80 Kilometer südöstlich Berlins gelegenen Ausflugsziel noch vor drei Jahren über nachlassendes Interesse beklagten und Schlagzeilen schon den „Absturz“ der neben Potsdam einzigen überregional bekannten Brandenburger Urlaubsregion verkündeten, sieht es nun ganz anders aus. Im Vorjahr gelang erstmals der Sprung über die magische Grenze von mehr als einer Million Übernachtungen. Auch die erste Hälfte 2007 brachte Zuwächse in den einzelnen Orten zwischen sechs und acht Prozent. Damit liegt der Spreewald in der Brandenburg-Wertung wieder auf einem gesicherten dritten Platz hinter dem viel größeren Fläming und dem Ruppiner Land.
Foto: pixelio.deDer Geschäftsführer des Tourismusverbandes Peter Stephan führt die positive Entwicklung vor allem auf die gewachsene Breite der Angebote zurück. „Wir haben es geschafft, das Erscheinungsbild des Spreewaldes über die fast zum Klischee gewordenen Kahnfahrten hinaus zu vergrößern“, sagt er. „Längst sind wir nicht mehr nur ein Ziel für die ältere Generation, die sich gemütlich über die Spree und ihre vielen Arme und Fließe staken lässt. Bei uns sind Familien genauso willkommen wie Radfahrer, Kanutouristiker, Wanderer und alle anderen Naturliebhaber.“ Selbst Wellness-Begeisterte würden inzwischen gleich mehrere erstklassige Adressen zum Genießen finden.
Eine Zahl verdeutlicht den Stimmungswandel. Buchten 1995 noch rund 1,5 Millionen Gäste eine gemächliche Tour auf einem großen Kahn, so sind es heute nur noch eine Million. Dennoch stieg die absolute Zahl der Touristen an. Sie entschieden sich für die lange Zeit vernachlässigten Angebote.
Exemplarisch steht dafür die Spreewald Therme in Burg. Anfangs vor allem als Verlängerung der beschränkten Saison zwischen Ostern und Altweibersommer im Oktober gedacht, erfreut sich die von Schweizer Investoren gebaute und betriebene Anlage inzwischen selbst in den Sommermonaten größter Beliebtheit. Das liegt vor allem an der Ausrichtung der Therme auf spreewaldtypische Produkte. So fanden Wissenschaftler ausgerechnet im Hafenbecken des Kurortes eine Algenart, die voller Vitamine und wichtiger Spurenelemente steckt. Das Institut für Getreideverarbeitung in Bergholz-Rehbrücke entnahm der Spree eine gewisse Anzahl dieser winzigen Organismen, um sie für die künftige Anwendung in der Therme zu vermehren. So sind sie heute in Salben und Lotionen für die Haut enthalten, im Badewasser und sogar in dem im Thermenrestaurant servierten Salat.
Foto: Tourismusverband Spreewald e.V.An Wochentagen kommen im Schnitt 600 Besucher, sonnabends und sonntags sogar rund 1 000 Gäste in das heilende aus 1 350 Metern Tiefe geförderte Thermalwasser. Beide Zahlen liegen deutlich über den Erwartungen und sehen auch im Vergleich mit den fünf anderen großen Brandenburger Thermalbädern sehr gut aus. Das liegt natürlich nicht nur an der Spreewaldalge. Die ganze Architektur nimmt die einzigartige Natur mit ihren unzählig vielen großen und kleinen Wasserläufen, den Sümpfen und dichten Wäldern und sogar die typischen Gurkenfässer auf. Diese dienten als Vorbild für Inhalationsräume mit heißer und salzhaltiger Luft. „Danach gibt es auf der Lunge bestimmt kein Staubkorn mehr“, verspricht die betreuende Expertin. Die tragenden Pfosten in der großen Halle über den Becken muten wie im Wind hin und her schwankende Weiden an. Das verwendete Holz stammt von der hier weit verbreiteten Erle und überall dominiert ein kräftiges Grün.
Inzwischen offerieren mehrere Hotels Pauschalangebote für Besuche in der Spreewald Therme. Zu den Partnerhäusern gehören das Hotel „Zum Leineweber“ und das Hotel „Eiche“ in Burg.
Deren Arrangements schließen einen preisgünstigen Aufenthalt in der Therme ausdrücklich ein. Genau wie einige andere Häuser liegen diese Hotels direkt an der Spree und damit an einer Kanu- und Kahnabfahrtsstelle und natürlich am großen Netz des Gurkenradweges. Außerdem bieten sich beide Adressen für Ausflüge in die nähere und fernere Umgebung an. Nur einen Katzensprung entfernt liegt die zweitgrößte Brandenburger Stadt Cottbus. Hier empfehlen sich unter anderem der historische Marktplatz mit dem Apothekenmuseum, die mächtige Oberkirche oder das Schloss und der weitläufige Park Branitz für einen Besuch. Die Messegesellschaft ist aus dem Veranstaltungsprogramm der Stadt nicht mehr wegzudenken. Deren Spektrum ist breit.
Gleich um die Ecke liegt außerdem das noch selbstständige, aber durch eine enge Kooperation mit dem Spreewald verbundene Reisegebiet Niederlausitz. Zum Markenzeichen hat sich hier das neue Seenland entwickelt. Aus den riesigen ehemaligen Tagebaugruben entstehen in den nächsten fünf bis 15 Jahren rund 30 große Gewässer, von denen die meisten mit Kanälen für Wassersporttouristen und Fahrgastschiffe verbunden werden. Am Ufer und auf dem Wasser selbst entstehen ganz neue Möglichkeiten für Ausflügler und Urlauber. Jet-Ski-Fahrer, Surfer, Taucher, Segler, Angler oder Badelustige kommen hier voll auf ihre Kosten. Am besten lässt sich das jetzt noch einer Mondlandschaft ähnelnde Terrain auf einem Quad oder in einem eigenen bzw. geliehenen Geländewagen erkunden. Auch Touren zu Fuß oder per Rad werden vom Tourismusverband oder von der den Landschaftswandel begleitenden Internationalen Bau-Ausstellung „Fürst-Pückler-Land“ angeboten.
Auch die Kultur kommt nicht zu kurz. Die Neue Bühne Senftenberg hat dank ihrer oft überraschenden und innovativen Inszenierungen einen guten Ruf weit über Südbrandenburg hinaus. Sie bespielt auch ein Amphitheater direkt am Senftenberger See, der übrigens aus einer großen Kohlegrube hervorgegangen ist.
www.spreewald.de, www.niederlausitz.de
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