Ein Theater für die selbstbewussten Bürger
Archiv der Ausgabe 3 | 3. Jahrgang | Herbst 2008
- Vor 100 Jahren öffnete der Jugendstilbau im Cottbuser Zentrum erstmals seine Türen für das Publikum
Der 100. Geburtstag eines Theaters muss kräftig gefeiert werden. Deshalb lädt das Cottbuser Ensemble gleich zu einer ganzen Festwoche ein. Vom 1. bis zum 5. Oktober erlebt das Publikum ein großes Programm für jüngere und ältere Gäste mit zwei Premieren. An allen Tagen steht das beeindruckende Haus am Schillerplatz natürlich den Interessierten offen. Der Ausflug in die zweitgrößte brandenburgische Stadt lohnt sich zwar immer, aber anlässlich des Theaterjubiläums können sich die Besucher auf eine ganze Reihe zusätzlicher Ereignisse mit hohem Unterhaltungswert freuen.
Bernhard Sehring entworfenen TheaterAm 1. Oktober 1908 hob sich erstmals der Vorhang in dem von Bernhard Sehring entworfenen Theater.
Damals florierte die Lausitzer Textilindustrie, warf gute Gewinne ab und brachte dem Bürgertum einen gewissen Wohlstand. Gleichzeitig wuchs das Selbstbewusstsein, das schließlich in den Wunsch nach dem Bau eines Theaters mündete. Deshalb entschlossen sich die Stadtverordneten am 1. November 1905 zur Ausschreibung eines Architekturwettbewerbs für ein großes Haus der Kultur. Den Kostenvoranschlag bezifferten sie auf 800.000 Reichsmark.
Die Jury wählte den Architekten des „Theaters des Westens“
Die Cottbuser Juroren wollten unbedingt sichergehen und auf jeden Fall die Garantie haben, sich wirklich für ein Schmuckstück zu entscheiden. Sie wählten deshalb Bernhard Sehring aus, der bereits 1896 mit seinem „Theater des Westens“ in Berlin großes Aufsehen erregt und lebhafte Diskussionen ausgelöst hatte. Tatsächlich gelang ihm in der Lausitz ein architektonisches Meisterwerk des sezessionistischen Jugendstils. Geschickt verband er hier die Architektur mit ausgefeiltem Kunsthandwerk, schöner Malerei und außergewöhnlichen Plastiken.
Die Chronik vermerkt als erstes Stück Lessings Schauspiel „Minna von Barnhelm“. Nur ganze 16 Monate hatten zuvor die Bauarbeiten gedauert. Anfangs besaß das Theater noch kein eigenes Orchester und kein Opernensemble, doch das Publikum ließ nicht locker und verlangte nach musikalischer Unterhaltung. Die Rettung brachte die Idee einer „Monatsoper“: Am Ende einer Spielzeit standen nur Opern auf dem Spielplan, während das Schauspiel pausieren musste. Der erste Intendant versöhnte sich so mit seinen Besuchern, die sich vor allem in Operetten- und Opernaufführungen amüsieren wollten. Er holte dafür Künstler aus großen Häusern in die Provinz, die sich wiederum sehr über die große Aufmerksamkeit freuten. Im Jahre 1912 konnte das Cottbuser Theater endlich mit einem eigenen Orchester und einem festen Opernensemble arbeiten. Die fast schon sprichwörtliche Liebe der Cottbuser zu ihrem Theater geht nicht zuletzt auf die Rettungsaktion beherzter Bürger am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 zurück. Diese verhinderten in letzter Minute die Sprengung des Ensembles, in dem ausgerechnet Munition gelagert worden war.
Die „Zonenrand- Ermutigung“ machte das Haus deutschlandweit bekannt
Die Wende 1989/90 brachte für das Haus keinen akuten Existenzsorgen wie in vielen anderen ostdeutschen Orten. Eher war das Gegenteil der Fall. 1992 stieg das Stadttheater in den Rang eines „Staatstheaters“ auf, des einzigen im ganzen Land Brandenburg. In jenem Jahr übernahm der renommierte Regisseur Christoph Schroth als Intendant und Schauspieldirektor die künstlerische Leitung, die er bis zum 15. Juni 2003 behielt. Vor allem mit Theaterfesten wie der „Zonenrand- Ermutigung“ und dem sommerlichen Kunst-Spektakel erwarb er sich deutschlandweite Aufmerksamkeit. Zu Beginn der Spielzeit 2003 / 04 übernahm der langjährige Operndirektor Martin Schüler das Amt des Intendanten. „Er hat es seit 1991 als Operndirektor verstanden, das hohe Niveau des Musiktheaters in Cottbus zu behaupten und weiter zu entwickeln“, sagte die Brandenburgische Kulturministerin Johanna Wanka. Mindestens bis 2014 bleibt er im Amt, nachdem sein Vertrag im September 2007 verlängert worden ist.
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