Ein See schöner als der andere
Archiv der Ausgabe 2 | 5. Jahrgang | Sommer 2009
- Brandenburg bietet mit seinem Wasserreichtum alles, was sich der Badefreudige wünscht
- Von Christa Steuer
Der Verfasser der inoffiziellen Brandenburg-Hymne „Märkische Heide“ fand für eine der schönsten Reichtümer des Landes eine recht phantasievolle Umschreibung: „Blauende Seen“, dichtete Gustav Büchsenschütz 1923 und verewigte damit das viele Nass in der Mark. Tatsächlich kann Brandenburg als eines der wasserreichsten Bundesländer bezeichnet werden. Immerhin ein Achtel der deutschen Binnengewässer findet sich in der näheren und ferneren Umgebung Berlins. Da muss niemand lange nach einer Badestelle entlang der 7.000 kleinen und 3.000 größeren Seen, der 32.000 Kilometer Flussläufe oder an den 600 künstlichen Teichen suchen.
Die offizielle Badestellenkarte listet rund 250 regelmäßig kontrollierte Ortsnamen auf. Rund ein Viertel davon sind Bäder mit Toiletten und Kiosken, manchmal auch mit Sportplätzen und Rettungsschwimmern. Doch auch die übrigen Seen weisen fast ausnahmslos die ganze Saison über eine hervorragende Wasserqualität auf. Nur selten müssen einige Abschnitte gesperrt werden, hauptsächlich im Hochsommer wegen eines zu starken Wachstums von Blaualgen.
Bei einer so großen Auswahl fällt es selbst den Experten der Tourismus Marketing Brandenburg GmbH nicht leicht, die schönsten Bademöglichkeiten zu nennen. „Jeder kann sich bei uns seine ganz speziellen Wünsche erfüllen“, heißt es. „Niemand muss dafür wilde Badestellen in der nahezu unberührten Natur aufsuchen. Dabei würde er nur der Flora und Fauna schaden. Die offiziellen Badestellen reichen durchaus aus.“
Deshalb beschränkt sich auch unsere Auswahl auf die reguläre Liste, die dennoch einige Geheimtipps enthalten dürfte. Das Gütesiegel „geheim“ verliert nach einer Veröffentlichung ohnehin an Wert.
Die Klarsten
Der Große Stechlinsee nördlich von Fürstenberg im Brandenburger Norden weist in Neuglobsow selbst mitten in der Badesaison eine fast unglaubliche Sichttiefe von mehr als sieben Metern auf. Theodor Fontane beschrieb ihn in seinem Roman „Der Stechlin“. Gleich nach dem etwas belebten Strand in Neuglobsow, wo auch eine Tauchbasis ihr Domizil hat, beginnt der Rundweg um den See. Dieser führt zu verträumten Buchten und freien Stellen, die nicht nur zum Baden einladen. Adler und andere Wasservögel drehen hier majestätisch ihre Runden und liefern dabei den schönsten Naturfilm.
Ebenso klares Wasser finden die Gäste am Senftenberger See in der Niederlausitz. Allerdings handelt es sich nicht um ein natürliches Gewässer, sondern um eine in den siebziger Jahren geflutete Tagebaugrube. Weite Abschnitte des Ufers sind mit einem Ferienpark bebaut worden.
Die Verkehrsgünstigsten
Bequemer kann ein Ausflug zum Badesee kaum sein. Man fährt vom S-Bahnhof Karow mit der Heidekrautbahn bis zum Bahnhof Wandlitzsee. Gleich gegenüber befindet sich das 4.000 Quadratmeter große Strandbad mit allen Annehmlichkeiten. Auch Autofahrer rollen bequem zum ersehnten Ziel, führt doch die Bundesstraße 109 direkt am See vorbei. Schon in den zwanziger Jahren hatten Berliner Wandlitz und Umgebung als Sommerfrische entdeckt. Mit dem idyllisch gelegenen Liepnitzsee und dem nahen Stolzenhagener See befinden sich weitere zwei Perlen ganz in der Nähe.
Auch das Strandbad mit dem wohl schönsten Sonnenuntergang ist gut mit Bahn und Fahrrad zu erreichen. Caputh am Schwielowsee liegt schließlich gleich vor den Toren Potsdams und versetzt die Badbesucher nicht nur wegen des italienischen Restaurants in Urlaubsstimmung. Strohschirme und der Blick auf den meistens ganz stillen Schwielowsee, von Fontane einst als Medaillon der Havelseenkette gerühmt, beruhigen das Gemüt.
Die Sehnsuchtsvollen
Manche Seen bestechen allein schon durch ihre Größe. Der Scharmützelsee zwischen Bad Saarow und Wendisch Rietz gilt schon viele Jahrzehnte als „Märkisches Meer“. Wer schnell ein erfrischendes Bad genießen und hinterher spazieren, gut einkehren und vielleicht auch übernachten will, ist in dem Kurort genau richtig. Vom Bahnhof legt der Besucher nur eine kurze Wegstrecke zum See zurück. Dabei muss niemand befürchten, im großen Andrang keinen ruhigen Platz zu finden. Entlang des Sees gibt es rund ein Dutzend schöner Badestellen.
Außerdem liegen im südöstlichen Berliner Umland mit dem Storkower See und dem Schwielochsee zwei weitere Gewässer, die ihre Ruhe und Einsamkeit bewahrt haben. Selbst Sehnsüchte nach einem Ausflug ins Hochgebirge können sich bei Badefreudigen in der Region einstellen. Schließlich trägt der hügelige und von Schluchten und schmalen Wasserläufen durchzogene Landstrich rund um die Kleinstadt Buckow den Beinamen „Märkische Schweiz“. Und mittendrin liegt der liebliche Schermützelsee mit einer Badeanstalt und mehreren schönen Zugängen an das Ufer.
Der Romantische
Auf dem Wolziger See im Südosten Berlins tummeln sich zwar viele Segelboote und Yachten aller Größen, aber Badestellen in Kolberg und Blossin liegen dennoch fernab von den Schifffahrtslinien. Die Sonne spiegelt sich an schönen Tagen bis in die Abendstunden auf dem klaren See, so dass sich am Ufer bei Paaren jeden Alters romantische Gefühle fast von allein einstellen.
www.reiseland-brandenburg.de, www.brandenburg.de/land/mlur/badestellen/
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