Ein Schmuckstück im Havelland
Archiv der Ausgabe 3 | 5. Jahrgang | Herbst 2009
- Schloss Ribbeck erstrahlt nach aufwändiger Renovierung wieder im alten Glanz
- von Christa Steuer
Kaum ein anderes märkisches Dorf erfuhr eine so große deutschlandweite Bekanntheit wie der kleine Ort Ribbeck auf halbem Wege zwischen Berlin und Rathenow. Das liegt keineswegs nur am schmucken Ensemble mit Schloss, Kirche und Brennerei, sondern in erster Linie an Theodor Fontane. Seine Ballade über den „Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand …“ gehörte einst zum Pflichtstoff an allen Schulen. Seit diesem Sommer kann der Ort an der B 5 mit gutem Gewissen als Ausflugsort empfohlen werden, erstrahlt doch das Schloss im alten Glanz.

Schloss Ribbeck, Foto: SCD
Das zwischen 1893 und 1897 errichtete Herrenhaus bietet nicht nur Platz für ein Standesamt, ein Restaurant, den Tourismus- und den Bauernverband, sondern auch für eine sehenswerte Ausstellung über diesen besonderen Herrn von Ribbeck und Fontane, der auf seinen berühmten Wanderungen von dem schon 1759 verstorbenen Gutsherren erfahren hatte. Dieser Hans-Georg von Ribbeck verschenkte mittags gern Birnen an die Kinder. Laut Legende soll er seinen Sohn darum gebeten haben, nach dem Ableben eine Birne ins Grab zu legen. Tatsächlich wuchs drei Jahre später aus der Gruft ein Birnbaum. Der Stumpf dieses 1911 bei einem Sturm abgebrochenen Baumes ist heute noch zu sehen. Der gehört ebenso zu den beliebtesten Fotomotiven wie der Nachfolgebaum an der Kirche. Als neuer Schlossherr fungiert jetzt der örtliche Kulturverein. „Bis 2004 diente das Haus als Alters- und Pflegeheim“, sagt die Vereinschefin Sonja Herrmann. „Danach begann eine Zeit der Ungewissheit, die nun ein so glückliches Ende gefunden hat.“ Tatsächlich wollte der Landkreis Havelland das Schloss nach dem Auszug der Bewohner möglichst schnell verkaufen. In mehreren Anzeigenkampagnen und auf Immobilienmessen wurde es fast wie Sauerbier angeboten. Es mangelte zwar nicht an Kaufinteressenten, aber der hohe Sanierungsbedarf schreckte schließlich alle ab.

Foto: Angelina Ströbel / PIXELIO
Sie dürften am Ende die richtige Entscheidung getroffen haben. Schließlich machte sich nach dem gescheiterten Verkauf der Landkreis selbst ans Werk und musste dabei stolze 5,6 Millionen Euro aufbringen. Ganz besonders aufmerksam verfolgte Carl Friedrich von Ribbeck, „Urenkel des Birnenverteilers in siebenter Generation“, das Baugeschehen. Als Achtjähriger musste er 1945 mit seiner Familie den Ort verlassen, als die Bodenreform unter dem Motto „Junkerland in Bauernhand“ alle Großgrundbesitzer enteignete. Nach dem vergeblichen Kampf um die Rückgabe des großväterlichen Erbes kaufte die Familie den völlig verfallenen Kutsch- Pferdestall gegenüber vom Schloss, er ist jetzt ihr Zuhause. In der alten Brennerei und in einem Stallgebäude stellen die Nachfahren des berühmten gutmütigen Gutsherrn heute jährlich 4 000 Liter Brennessig her.
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