Ein Niederländer in Potsdam
Archiv der Ausgabe 1 | 3. Jahrgang | Frühjahr 2008
- Menno Veldhuis: Unerschöpfliche Besessenheit für die Kunst
Einem Thema nähert sich der junge niederländische Maler Menno Veldhuis vielschichtig. Voller Besessen heit öffnet er mit kräftigen Farben und verwegenen Pinselstrichen neue Sichtweisen: eigenständig, assoziationsreich, tiefgründig, intuitiv, mutig und oft mit einer ordentlichen Portion Humor. Seine Serien „Spi derman meets Klee“, „Clown stro pho bie“, „Soldaten“ und „Minotauri“ wurden viel gesehen, viel beachtet und viel diskutiert.
Foto: Michael Lüder„Intuition ist ein essentielles Thema in meinen Bildern“, erklärt Menno Veldhuis, der 1974 im niederländischen Eibergen geboren wurde und in Kampen Freie Malerei studierte. Dem folgten zwei Jahre Kunstgeschichte an der Universität Utrecht. Die Großen der Malerei – von Landsmann Vincent van Gogh bis Paul Klee – zitiert er gelegentlich in seinen Bildern mit eigenständiger Sicht.
Seit 2004 lebt Menno Veldhuis in Potsdam. Der schönste Grund der Welt, die Liebe, zog ihn ins Brandenburgische. Er blieb – angetan vom nimmermüden kreativen Kunstpool Berlin. Zum Lebensmittelpunkt wählte er Potsdam. „Es lebt sich einfach gut hier. Berlin hat Energie und verbraucht Energie. In Potsdam finde ich Ruhe“ – einen Gegenpol zu seiner Besessenheit des Malens, zum Rausch des Schaffens. Hat er sich in ein Thema verbissen, arbeitet er fast ohne Unterbrechung. Serien nennt Menno Veldhuis die malerische Variation eines Themas, in die er sich verbeißt und woran er so lange arbeitet, bis das Thema „ausgeblutet“ ist. Früher skizzierte er Sujets, heute hat er sich von solchen – wie er es nennt – akademischen Formen gelöst.
„Musik ist dabei wichtig. Auch Paul Klee mischte Musik und Malerei. Bei meiner Soldaten-Serie war es Hard Rock. Laut und gnadenlos“, erzählt der junge Maler. „Ich konnte schnell agieren und reagieren.“ Das Ergebnis sind großformatige Bilder von Gewalt und Zügellosigkeit. Sehbare Gewalt und spürbare Seelenqual.
Eine Serie trägt den Titel „Minotauri“, jene Ungeheuer in Gestalt von Menschen mit Stierkopf. Schon immer war die griechischen Mythologie ein Motiv der Kunst. Berühmt sind die Darstellungen auf Relikten der minoischen Kultur Kretas, die Bilder Picassos und die Minotaurus-Ballade von Friedrich Dürrenmatt, bei dem das Menschen fressende Ungeheuer zum Sinnbild gegenwärtiger Orientierungslosigkeit wird. Der Maler Menno Veldhuis sieht in den „Minotauri“ auch das Symbol für Machtstreben und unerfüllte Begierden. Die künstlerische Auseinandersetzung mit Begriffen wie Eros und Thanatos fließt in die Bildfindung ein.
Seine erste Ausstellung hatte der temperamentvolle Niederländer 1999. Seitdem hängen seine Bilder mit wunderbarer Regelmäßigkeit in Schauen und Galerien.
Im Januar waren Teile der Serie „Soldaten“ sowie Einzelwerke von Menno Veldhuis im Pavillon auf der Potsdamer Freundschaftsinsel zu sehen. Fasziniert konstatierten die Besucher den Gegensatz zwischen den lauten großen „Soldaten“-Bildern und den leisen kleinen Porträts.
Ab 1. März sind die neuesten Werke von Menno Veldhuis im Kulturzentrum Hermann-Elflein-Straße 10 zu sehen. bm
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2006
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 2/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 4/2007






















