Drachenfrau im Höhenflug
Archiv der Ausgabe 3 | 2. Jahrgang | Herbst 2006
- Potsdamerin Kristin Boese gewinnt Kitesurf-WM
Es ist die Faszination Fliegen und das Abenteuer Wasser. Während die Wellen peitschen und die Gischt schäumt, bändigt die 29-jährige gebürtige Potsdamerin Kristin Boese die Elemente durch ihren Drachen und ihr Können.
Foto: 9pm mediaDabei hatte sie eigentlich angefangen, Publizistik zu studieren. Sportlich erfolgreich, spielte die Brandenburgerin seit 1986 Handball, zuletzt in der Oberliga. Ein Urlaub mit einer Freundin an der Ostsee sollte 1998 ihre Liebe zum Wasser wecken und die Wende bringen: „Dort herrschte zu dieser Zeit viel Wind und ich konnte Windsurfer beobachten, die dabei so viel Spaß und Freude hatten, dass ich es auch mal ausprobieren wollte. Danach bin ich jedes Wochenende von Potsdam bis zur Ostsee gefahren, um zu üben. 2001 habe ich dann meinen Windsurflehrerschein gemacht.“
Das hat sich längst bezahlt gemacht, immerhin feiert Kristin Boese nun bereits ihren zweiten Weltmeistertitel, erzielt durch bis zu 15 Meter hohe Sprünge und einen unvergleichlich geschickten Umgang mit Lenkdrachen und Surfbrett. Dabei hatte der vorausgegangene „Gard Kitesurf World Cup“ in St. Peter Ording ihrer Erwartung nicht entsprochen und das Ende spannend werden lassen: Durch den Mangel an Wind war sie nur Dritte geworden.
Sie ist zu neuer Topform aufgelaufen und sicherte sich bereits die Führung in der Weltrangliste bei der Professional Kiteboard Riders Association in Kanada. Den Abschluss der Tour machte Brasilien, zeitgleich die Gelegenheit zum festlichen Entspannen bietend, obwohl sich die gut durchtrainierte Athletin stets zurückhält: „Während der Wettkämpfe feiere ich so gut wie gar nicht. Wenn am nächsten Morgen Wind ist und man Kiten muss, rächt sich das sonst. Erst wenn die Rennen vorbei sind. Dann trinke ich aber nicht allzu viel und stürze auch nicht ab. Bei mir bleibt alles im Rahmen.“
Jetzt widmet die Potsdamerin, die das ganze Jahr durch die Welt reiste, um ihren Titel zu verteidigen, ihre Zeit dem Freund – selbst Ex-Kiteprofi – und der Familie. Lange jedoch wird der Freiraum nicht währen, versichert Kristin Boese doch, an der Professional Kiteboard Riders Association der nächsten Saison wieder teilnehmen zu wollen. Und nicht nur 2007 ist das ihrerseits wörtlich „todsicher“ erklärte Ziel:
„Der älteste Kitesurfer, den ich kenne, ist 85 und hat noch viel Spaß daran. So was schwebt mir auch vor. Als Profi werde ich so lange weitermachen, wie ich oben mitmischen kann.“
Ihr Geheimrezept ist der Trick, die Lenkstange möglichst hoch in der Luft hinter dem Rücken mit einer Hand entlangzuführen und mit der anderen auf der anderen Seite wieder anzunehmen. cl






















