DIE WIEGE DER MARK
Archiv der Ausgabe 2 | 3. Jahrgang | Frühjahr 2007
- Eine Stadt mit Geschichte feiert sich
Brandenburg an der Havel präsentiert sich während einer Festwoche im Juni und auf vielen anderen Veranstaltungen als aufstrebende Stadt. Ein Besuch der Stadt Brandenburg lohnt zwar immer – bei einem Abstecher in diesem Sommer und Herbst jedoch ganz besonders, trifft der Besucher doch auf einen ganzen Ort in Feierlaune. Vor 850 Jahren begann hier die Geschichte der Mark Brandenburg. Zu Recht bezeichnet sich die Havelstadt als Wiege der Mark. Volksfeste, ein Festumzug, ein offizieller Festakt der Landesregierung und viele andere Veranstaltungen füllen den Kalender des Jubiläumsjahres.
Oberhavel am Mühlendamm; Fotos: Sebastian Bodach, Bootskontor Detlev Delfs GmbH, Loft GmbHBei der Fülle der Programmpunkte und der guten Stimmung in der Stadt scheinen alle anfänglichen Probleme mit dem Festjahr vergessen zu sein. Denn ursprünglich wollte die Staatskanzlei in Potsdam von einer großen Beteiligung des Landes an dem angeblichen „Ereignis von kommunaler Bedeutung“ nicht viel wissen. Doch die Beharrlichkeit von Oberbürgermeisterin Dr. Dietlind Tiemann ließ den Ministerpräsidenten umschwenken. Es gibt am 3. Oktober einen Festakt der Landesregierung und ein Bürgerfest rund um das frisch sanierte St.-Pauli-Kloster. Dieser Termin wurde nicht wegen des Tages der Deutschen Einheit gewählt. Am 3. Oktober 1157 nannte sich Albrecht der Bär erstmals selbst auf einer Urkunde „Markgraf von Brandenburg“.
Überhaupt hörten die Brandenburger in den vergangenen Wochen viel über die meist vergessene Geschichte. Viele Einheimische und Gäste wunderten sich deshalb durchaus, als sie von „Feiern zum 850-jährigen Bestehen der Mark Brandenburg“ hörten. Noch gut waren ihnen die Feste zu „1050 Jahre Brandenburg“ 1998 in Erinnerung. Doch dieses Jubiläum bezog sich auf das Bistum und die Stadt, nicht auf die Mark.
Slawische Vorfahren
Die Historiker machten sich aber fleißig ans Werk und recherchierten die ganze Geschichte sehr gründlich. Demnach war die Brandenburg seit dem 10. Jahrhundert eine bedeutende slawische Burg und Zentrum einer ausgedehnten Herrschaft. 928/29 eroberte König Heinrich I. Burg und Herrschaft, 948 wurde hier wahrscheinlich das erste Bistum östlich der Elbe gegründet.
Ein Slawenaufstand vertrieb 983 die Deutschen wieder. Nach einer Annäherung zwischen Slawen und Deutschen gelang es Albrecht dem Bären, dem Markgrafen der Nordmark, sich nach dem Tod des letzten slawischen Herrschers Pribislaw-Heinrich 1150 als Erbe in den Besitz der Brandenburg und des Hevellerreiches zu setzen. Dies wurde ihm jedoch von Jaxa, einem Verwandten des Pribislaw, streitig gemacht, der die Brandenburg besetzte. Mit Hilfe des Erzbischofs Wichmann stürmte Albrecht der Bär am 11. Juni 1157 nach längerer Belagerung und blutigen Kämpfen schließlich die Burg. Sie blieb seither dauerhaft in deutscher Hand. Daran wird nun 850 Jahre später auf verschiedene Weise erinnert.
Von Havelfisch bis Streichelzoo

Die Festwoche findet vom 9. bis 17. Juni statt. Am eigentlichen Jubiläumstag wird im Dom zu einem feierlichen Gedenkgottesdienst eingeladen. Das Dominselfest bietet viele regionale Spezialitäten wie Havelfisch und selbstgebrautes Bier, Töpfereien und frisches Brot aus dem Original-Slawenofen. Als weitere Attraktionen präsentieren die Veranstalter Rundfahrten mit dem Slawenschiff „Dragomira“, einen Streichelzoo und ein ganztägiges Bühnenprogramm.
Vom 15. bis 17. Juni steigt mit dem Havelfest ein weiterer Höhepunkt. Im Mittelpunkt stehen sportliche Aktivitäten rund ums Wasser. Auf vier verschiedenen Bühnen in der Innenstadt und an den Ufern der Havel bringen prominente Künstler ein stimmungsvolles und abwechslungsreiches Programm für Jung und Alt zur Aufführung.
Bereits vom 26. bis 28. Mai zieht das Rolandfest mit dem Festumzug am 27. Mai Besucher aus nah und fern an. Im Zentrum dieser Feierlichkeiten steht die 1474 aufgestellte Statue des Roland zu Brandenburg auf dem Altstädtischen Markt. Die Geschichte der Mark wird in vielen Bildern dargestellt. Das kann den ganzen Sommer über auch ganz unterhaltsam auf einem überdimensionierten Golfplatz geschehen. Auf einer Freifläche unweit der Jahrtausendbrücke werden ab dem 24. Mai die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Städte in Miniaturform aufgebaut.
Die Hotels der Stadt haben für Touristen Extra-Programme aufgelegt. So bietet beispielsweise das Axxon-Hotel neben maritimen Ausflügen auch Entdeckungstouren durch die Stadt und ihre reizvolle Umgebung an. Ob mit dem Segelboot, zu Fuß oder mit dem Fahrrad – für jeden Geschmack ist etwas dabei.
Erbs, Ludewig und Wagner – auf Entdeckungsreise
Viel Zeit sollten die Gäste für ihren Abstecher in die Stadt nicht nur wegen der Feiern einplanen. Denn es gibt viel zu entdecken. Bis ins späte Mittelalter blieb Brandenburg der Hauptort in der Mark, dem Berlin erst danach den Rang ablief. Jahrhunderte lang war es eine Doppelstadt, Altstadt und Neustadt, die erst 1715 durch königliche Verfügung vereint wurden. An vielen Stellen treffen eine ganz alte und die moderne Stadt aufeinander. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts wurde Brandenburg schließlich zur Stadt der Schwerindustrie. Für die wachsende Einwohnerzahl bauten namhafte Architekten, wie Schmitthenner, Erbs und Ludewig, in den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sozial konzipierte Siedlungen.
Dom mit GalateaAls Brandenburgs frühester Siedlungskern gilt die Dominsel mit dem Sitz des Bistums. Der Dom St. Peter und Paul hat Symbolcharakter für das ganze Land. Im Innern findet man eine reiche mittelalterliche Ausstattung, darunter eine im wahrsten Sinne großartige Orgel, das größte erhaltene Werk des Orgelbauers Wagner, und im Dommuseum liegt der berühmte Domschatz.
Ein Spiegelbild für den überall spürbaren Aufschwung findet der Besucher direkt auf dem Weg von der Neustadt zur Dominsel. Die Heidrichsmühle an der Havel produziert zwar schon lange Zeit nichts mehr, aber dafür sind hier einzigartige Wohnungen entstanden. Die Loft Bau GmbH verspricht ihren Mietern einen unverbauten Blick auf die Havel und das Leben in besonderer Umgebung.
Der Namensgeber der Mühle erwarb die Anlage 1899. Schon nach fünftägigem Probelauf, nach dem Einbau einer neuen Technik im Jahre 1900, geriet die Mühle in Brand. Daraufhin wurde das neue Mühlengebäude – nun als massiver Mauerwerksbau – bis Weihnachten 1900 errichtet.
1917/1918 ersetzte ein fünfgeschossiger Neubau den zweigeschossigen Speicher. Im Zuge der allgemeinen Verstaatlichung in der DDR wurde die Heidrichsmühle 1972 zum „VEB Havelmühle“. 1988 standen alle Maschinen endgültig still. Nach der politischen Wende 1989 wurden das ehemalige Produktionsgebäude und der Speicher wieder der Familie Heidrich übereignet. Die Loft Bau GmbH erwarb die Heidrichsmühle im März 2002, um dieses Zeugnis der Industriearchitektur des vergangenen Jahrhunderts wieder zu einem lebendigen Bestandteil der Stadt werden zu lassen. Das trifft auch für weitere Projekte von Firmenchef Detlev Delfs zu, der in Brandenburg mehrere Eigentumswohnungen und Reihenhäuser in bester Lage baut.
Die Stadt Brandenburg kann auf ganz unterschiedliche Weise erkundet werden. Dafür eignen sich Auto, Fahrrad, bequeme Schuhe oder die Straßenbahn. Am schönsten aber ist Brandenburg immer noch vom Wasser aus …
www.stadt-brandenburg.de
www.850-jahre-mark-brandenburg.de
www.boots-kontor.de
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2006
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2007






















