Die klügste Cottbuser Nacht
Archiv der Ausgabe 4 | 3. Jahrgang | Winter 2008
- Zum zweiten Mal präsentierte die Lausitz-Metropole ihre kreativen Köpfe einem begeisterten Publikum
Es mag etwas verwegen klingen, schon nach der zweiten Auflage einer Veranstaltung von einem Erfolgsmodell zu sprechen. Aber bei einer Erfindung aus Cottbus muss sich kein Prophet vor einer Enttäuschung fürchten. Die „Nacht der kreativen Köpfe“ wird garantiert auch künftig ein Markenzeichen der Lausitzmetropole sein. Ihre Wirkung bleibt nicht auf das fünfstündige Programm an ganz unterschiedlichen Orten begrenzt. Schließlich lernen sowohl Einheimische als auch Gäste auf höchst unterhaltsame Art die Potenziale der Stadt kennen und stärken damit den ohnehin schon guten Ruf von Cottbus.
Nach der überaus erfolgreichen Premiere der Veranstaltung im Herbst 2007 stand für alle Akteure fest: So eine Präsentation von Kultur und Wissenschaft muss zur guten Tradition werden. Oberbürgermeister Frank Szymanski hat dabei nicht nur das Symbol eines sehr attraktiven Schaufensters im Blick. „Wir sind dankbar für das Engagement so vieler Menschen in Cottbus“, sagt er und würdigt damit den großen Einsatz für das Gelingen dieser sehr inspirierenden Veranstaltung.
Inzwischen gibt es vielerorts publikumswirksam inszenierte Nächte, die sich den Museen, den Künsten oder der Wissenschaft widmen. Doch Cottbus will mehr bieten. „Bei uns ist Mitmachen angesagt“, lobt Szymanski. Man könne sich zwar auch berieseln lassen, aber viel mehr Spaß mache die aktive Teilnahme. Beste Adressen dafür seien das Staatstheater, die Brandenburgische Technische Universität und zahlreiche Institute. Hier besteht tatsächlich bei jeder „Nacht der kreativen Köpfe“ die Möglichkeit, mal in ein Lieblingskostüm zu schlüpfen, auf der Bühne eine Arie hinzulegen, den perfekten theatralischen Mord darzustellen oder sich als Brückenkonstrukteur zu versuchen.
Frieda stiehlt allen Attraktionen die Show
Jede Veranstaltung braucht natürlich möglichst ein besonderes Aushängeschild. Das garantierte bei der Auflage 2008 der Vattenfall-Konzern. Er stellte mit „Frieda“ eine wahre Sensation der Öffentlichkeit vor. Die Dame war im Jahre 2007 im Tagebau Jänschwalde entdeckt worden – als Skelett. Ihr Alter schätzten Archäologen auf etwa 1600 Jahre. Sie lebte also in der römischen Kaiserzeit. Da sie als germanische Frau in einem Grab identifiziert wurde, erhielt der überraschende Fund von den beteiligten Wissenschaftlern den schönen und alten Namen „Frieda“. Hunderte Neugierige ließen sich die Chance nicht entgehen, in der Cottbuser Hauptverwaltung von Vattenfall einen Blick auf die „alte Dame“ zu werfen. Bei dieser Gelegenheit schauten sie gern auch bei Kunstwerken aus unseren Tagen vorbei. Bisher haben mehr als 110 Künstler die Gelegenheit genutzt, ihre Werke bei Vattenfall einem großen Publikum zu präsentieren. Bei der „Nacht der kreativen Köpfe“ verwandelte sich der große Barbarasaal in ein zeitweiliges Kunstmuseum mit 15 ausgewählten Werken. Wie vielfältig und umfangreich der Energiekonzern die Kultur in der Region unterstützt, zeigte nicht zuletzt der Auftritt von zwei Solisten des Lausitzer Opernsommers. Cornelius Uhle, der den Papageno in der diesjährigen Inszenierung „Müllerbursch und Zauberflöte“ sang, und Burkhard Kosche, der als Sarastro zu erleben war, gaben einen beeindruckenden Einblick in ihr Können.
Studenten aus 90 Ländern an der TU Cottbus
Erneut verfehlte die Dachterrasse im 13. Stock der Hauptverwaltung ihre Anziehungskraft nicht. Da konnte man nicht nur einen faszinierenden Blick über die Dächer der Lausitzmetropole mit ihrem gerade neu eröffneten Blechen-Carree genießen, sondern sich auch prächtig über die Erlebnisse des Abends unterhalten.
So mancher Gast geriet dabei auch ins Schwärmen über einige kulinarische Höhepunkte dieser besonderen Nacht in Cottbus. Im Hauptgebäude der Technischen Universität lockte eine „Straße der Esskultur“ viele Besucher an. Schließlich herrschte an Spezialitäten kein Mangel, beteiligten sich doch daran viele ausländische Studenten mit Spezialitäten. An der Uni studieren Kommilitonen aus 90 Nationen.
Die mehr als 150 Programme an 20 Veranstaltungsorten bleiben zwar lange in Erinnerung und wecken die Vorfreude auf eine Fortsetzung in den nächsten Jahren. Doch jeder an Cottbus interessierte Internetsurfer kann sich schon jetzt von der Leistungskraft kreativer Köpfe aus der Stadt überzeugen. Pünktlich vor dem Ereignis im Herbst feierte auf der offiziellen Website ein neues Angebot seine Premiere: Aktuelle Luftbilder zeigen Cottbus aus der Vogelperspektive und sind nahtlos in den digitalen Stadtplan integriert. Es handelt sich um Fotografien, die aus einem Flugzeug im Frühjahr 2007 und 2008 aufgenommen wurden. Bei einer Detailgenauigkeit von etwa 20 Zentimetern pro Pixel sind nicht nur einzelne Gebäude, sondern auch Autos, Straßenmarkierungen und Bahnschwellen deutlich zu erkennen.
Die Intelligenz beginnt schon beim Ticket
Längst hat sich das hohe Niveau der kreativen Nacht auch in anderen Brandenburger Gegenden herumgesprochen. Daher schauten sich einige „Späher“ ganz genau die perfekte Organisation an und gerieten dann doch in Zweifel, ob sie so eine Veranstaltung auch in ihrem Heimtort auf die Beine stellten könnten. Die Kreativität begann in Cottbus schon mit den Eintrittskarten. Das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Logistiksystemplanung und Informationssysteme (ALI)entwickelte Tickets mit einem modernen Funketikett. Mit dem im Vorverkauf erworbenen Funkchip konnte der Besitzer bereits am heimischen Computer mit Hilfe der Ticketnummer sein ganz spezielles Programm zusammenstellen. Wer erst an der Abendkasse eine Karte kaufte, ließ in den Auskunftsterminals seine ganz persönliche „kreative Nacht“ ermitteln.
Übrigens: Die nächste Nacht der kreativen Köpfe findet am 17. Oktober 2009 statt. Einen Rückblick auf die Veranstaltung 2008 finden Sie im Internet.

























