Der Schatz von Babelsberg
Archiv der Ausgabe 4 | 3. Jahrgang | Winter 2008
- Potsdam – einer der sinnlichsten und kreativsten Orte Deutschlands
Glamour liegt hier in der Luft. Ist man auf dem Weg zu Filmpark-Chef Friedhelm Schatz, kann man mit etwas Glück auf einen Star treffen. Zum Beispiel Brad Pitt, Diane Kruger oder Daniel Brühl, die gerade in Quentin Tarantinos neuem Streifen „Inglourious Bastards“ spielen. Oder man war zur feierlichen Eröffnung der Metropolis-Halle im Oktober geladen. Bambi, Filmpreis und Goldene Kamera in Babelsberg? 2011 gibt es dafür einen willkommenen Anlass: Da wird die Filmstadt hundert Jahre alt.
Foto: Oliver WiaFriedhelm Schatz hat in seinem Leben schon vieles aufgebaut. Sein jüngstes „Baby“ ist die große Veranstaltungshalle „Metropolis“, in der sich Shows mit dem Filmorchester, Starkomiker und Messen wie die „Ostpro“ die Klinke in die Hand geben. Die Einweihung war für Friedhelm Schatz eine große Premiere – mit allen Zutaten: von „auf den letzten Drücker fertig werden“ bis „beruhigend eingreifen, wenn der Grad der Hysterie erreicht ist“. Hier kann er sich große Medienpreis-Verleihungen gut vorstellen.
Mit Vorurteilen räumt der Zweimetermann auf: Hans Albers, Marlene Dietrich, Fritz Lang, DEFA, na klar, der Mythos Babelsberg lebt, aber Babelsberg ist nicht mehr nur ein Filmstandort mit Tradition, sondern auch ein Medienstandort. Auch wenn der Filmpark bis zum Frühjahr ruht, zieht es Friedhelm Schatz nicht auf eine Insel im Süden. „Das operative Geschäft im Veranstaltungsbereich läuft weiter“, sagt er, lehnt lässig im Bürosessel und raucht eine handgezöpfelte Zigarre, „im Winter machen wir strategische Überlegungen für das nächste Jahr, da ist fast mehr zu tun als im Sommer.“ 2008 war ein gutes Jahr für den Filmpark.
50 Jahre Sandmann, neue Vulkanshow, Games und Radio Teddy
2009 soll hier investiert und gefeiert werden: Zusammen mit dem RBB wird der 50. Geburtstag vom „Sandmann“ ganz groß begangen. Der ist eine von Friedhelm Schatz’ Lieblingsfiguren, „weil ich damit groß geworden bin“. Das ist ziemlich selten, denn er stammt aus dem, zugegeben grenznahen, Westen. Schatz, der mittlerweile „vollkommen in Potsdam angekommen ist“, wuchs in der Lüneburger Heide auf, dort konnte man DDR-Fernsehen empfangen.
Ein zweites Spektakel im nächsten Jahr wird die neue Vulkanshow werden. Zehn Jahre gibt es den Vulkan inzwischen, und die „Bartertown“-Stuntshow ist stabil die Nummer Eins in der
Publikumsgunst. Konzeptionell arbeitet Schatz mit seinen Kollegen gerade daran, dem Themenkomplex Spezialeffekte, Computerspiele und Animation mehr Gewicht zu geben. Der Filmpark ist kein Freizeitpark, betont er, er liege irgendwo zwischen Museum und Themenpark. „Die inhaltliche Entwicklung wird sich immer daran orientieren, was der Standort hier ausspuckt, sowohl im Fernseh- als auch im Film- und im Radiobereich.“ Letzteren bestreitet er selbst mit. Sein Sender „Radio Teddy“, der vor drei Jahren in den Äther ging, sendet 24 Stunden aus einem gläsernen Radio im Filmpark, „dem größten Ghettoblaster der Welt“.
Konkurrenzlos im Norden und Osten Deutschlands
Neben dem Filmpark gibt es hierzulande nur zwei weitere Themenparks, die sich mit Medien, Film und Fernsehen befassen: die Bavaria-Filmtour in München, die Friedhelm Schatz Anfang der achtziger Jahre mitgegründet hat, und den Moviepark im Ruhrgebiet. Der Babelsberger Filmpark unterscheidet sich von beiden durch seine „aktiven Studios“, in denen man sich frei bewegen kann. Die Marke Babelsberg und die Nähe zu Berlin sind für Schatz „Geschenke“. Und – natürlich fände er es klasse, wenn der nächste „James Bond“ direkt vor seiner Haustür gedreht würde.
Den Filmpark bezeichnet Schatz als „Seele des Unternehmens“, die behutsam wachsen soll. Auf den erworbenen 22 Hektar der Medienstadt sind unter anderem einen Kindergarten und, zusammen mit der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF), ein neues Mensa-Restaurant geplant.
Friedhelm Schatz erweckt gern Objekte, die Dornröschenschlaf halten, zu neuem Leben. Mit der Entwicklung des Kronguts Bornstedt neben dem Park Sanssouci wollte er beweisen, dass ein Weltkulturerbe auch massentauglich ist, also „nicht nur mit Filzpantoffeln begehbar, sondern, dass man auch dort bacchantische Feste feiern kann“. Zum Eldorado, der Westernstadt im uckermärkischen Templin, eine Stunde nördlich von Berlin, hat ihn das Wirtschaftsministerium gebracht. Dort hat sich Schatz in die Landschaft und die Kulissen verliebt: „Das ist wie eine große Dekorationsstadt, in der man früher Western gedreht hat“.
20 Jahre Lüneburger Heide, 20 Jahre München, seit 15 Jahren Potsdam
1993 ging der Mann, der lange bei der Bavaria gearbeitet hatte, nach Babelsberg. Hier hat er die DEFA-Filme wiederentdeckt. Ein Lieblingsfilm seiner Kindheit war „Das singende klingende Bäumchen“ – das Plakat sieht er heute von seinem Schreibtisch aus. Nach 20 Jahren Lüneburger Heide und 20 Jahren München ist er jetzt seit 15 Jahren Potsdamer: „Ich will die Stadt keine Stunde missen. Potsdam ist einer der sinnlichsten und kreativsten Orte, die wir im Moment in Deutschland haben.“ Den leidenschaftlichen Frühaufsteher Schatz kann man hier an manchen Tagen schon um 7 Uhr beim Einkauf bei den Bauern auf dem Markt treffen, bevor er in die Medienstadt fährt. Sein selbstgewähltes Nomadentum hat ein Ende gefunden. gb






















