Der Gewinner heißt Brandenburg
Archiv der Ausgabe 3 | 3. Jahrgang | Herbst 2008
- Brandenburg setzt auf Tagungstourismus
Das Land machte im neuen Meeting- und Event-Barometer gleich vier Plätze gegenüber dem Vorjahr gut
Foto: Kong / www.photocase.deDiese Zahl der Statistiker spricht Bände: Rund eine Million Übernachtungen im Land Brandenburg entfallen auf den Tagungs- und Seminartourismus. Damit ist inzwischen jeder neunte Gast in den Hotels ein Teilnehmer einer Tagung. Brandenburg behauptet sich also in dieser national und weltweit stark umkämpften Branche auf einem vorderen Platz in Deutschland. Nicht nur die Nähe zu Berlin spielt dabei eine wichtige Rolle. Viele Veranstalter schätzen die Lage der Tagungsstätten im Grünen, in der Nachbarschaft von touristischen Attraktionen oder im historischen Ambiente eines Schlosses.
Das renommierte German Convention Bureau e.V. (GCB), das Deutschland international und national als Standort für Kongresse, Tagungen, Events sowie Incentives vermarktet, zählt Brandenburg 2008 zu den Gewinnern im Ranking der Bundesländer. „Laut unserer Studie ‚Meeting- und Event-Barometer’ wählten die Veranstalter von Tagungen, Kongressen und Events Brandenburg auf Platz 9“, sagt Lutz P. Vogt, Geschäftsführer von GCB. „Das bedeutet eine Verbesserung um vier Plätze im Vergleich zu 2007.“ Brandenburg sei als Tagungsstandort nicht zuletzt deshalb attraktiv, weil viele Incentive- Möglichkeiten geboten würden, Berlin in erreichbarer Nähe liege und das Land überhaupt sehr vielfältig sei. Gerade Potsdam weise viele Sehenswürdigkeiten auf. „Brandenburg insgesamt bietet natürlich viel Natur – gerade im Kontrast zu Großstädten“, erklärt Geschaftsführer Lutz P. Vogt.
Foto: ©mediendesign.Michael SchönDas Urteil dieser in Frankfurt am Main ansässigen Organisation besitzt durchaus Gewicht in der Branche. Zu ihren 250 Mitgliedern zählen führende Hotels, Kongresszentren und -städte, Autovermietungen, Veranstaltungsagenturen und Dienstleister aus der deutschen Tagungs- und Kongressbranche. Strategische Partner sind die Deutsche Lufthansa, die Deutsche Bahn und die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT). Das GCB wirkt als Schnittstelle zwischen Veranstaltern von Kongressen oder Tagungen und Anbietern des deutschen Tagungsmarktes, berät und unterstützt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen und vermittelt Ansprechpartner und Kontakte.
International behauptet Deutschland Platz zwei hinter den USA
Die gute Bewertung Brandenburgs wiegt sogar noch schwerer, wenn man die hohe Bewertung Deutschlands in der Welt der Tagungen betrachtet. Im Europavergleich gibt es in Deutschland die meisten derartigen Veranstaltungen. Weltweit liegen nur die USA in dieser Wertung noch vor den Deutschen. Doch die holen auf. Im Jahre 2007 stieg die Zahl der Veranstaltungen hierzulande um sechs Prozent auf 2,8 Millionen. Noch deutlicher – um acht Prozent – kletterte die Teilnehmerzahl im letzten Jahr. 314 Millionen Personen besuchten deutsche Tagungen und Events. Das ist fast das Vierfache der Einwohnerzahl der Bundesrepublik.
Die Tagungsfachleute bewerten die einzelnen Anbieter nach strengen und einheitlichen Kriterien. So müssen vor allem die Verkehrsanbindung und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen. Es folgen die Benennung eines zentralen Ansprechpartners, variable Raumkapazitäten, moderne Veranstaltungstechnik und ein gutes gastronomisches Angebot. Wer sich gegenüber der Konkurrenz behaupten will, sollte Kundenanfragen generell innerhalb von 24 Stunden beantworten, sowie vor, während und nach der Tagung immer den gleichen Service-Mitarbeiter in Bereitschaft halten. Die Abrechnung hat spätestens 14 Tage nach dem Ende der Veranstaltung vorzuliegen.
Nur technisch gut ausgestattete Hotels können sich mittel- und langfristig auf dem Tagungsmarkt behaupten. Zu den Selbstverständlichkeiten gehören die Erreichbarkeit der Gäste mit dem Handy, Internetzugänge, die Akzeptanz von Kreditkarten, ein Parkplatz am Haus, ein Schreibtisch oder zumindest eine Arbeitsfläche im Hotelzimmer und Bettmatratzen, die regelmäßig auf ihre Qualität überprüft werden. Der Wunsch nach einem kleinen Frühstück sollte ebenfalls erfüllt werden – genau wie der nach einer Rechnung nach der Firmenreisepolitik.
Allerdings gibt es auch in diesem Metier keinen Automatismus. Wie das German Convention Bureau herausgefunden hat, entscheidet stets das Ziel der jeweiligen Veranstaltung auch über die Wahl des Ortes. Schon bei der Zahl der erwarteten Teilnehmer oder beim Blick auf das Budget scheiden einige Hotels bereits von vornherein aus.
Schöne Natur allein bedeutet nicht immer gleich Erfolg
Foto: Schloss HubertushöheOb ein Haus im Grünen bessere Chancen als ein Stadthotel besitzt, hängt vor allem von der Erreichbarkeit ab. „Nur knapp 16 Prozent aller Veranstaltungsplätze werden wegen ihrer schönen Natur bevorzugt“, sagt Geschäftsführer Lutz P. Vogt beim Blick auf das aktuelle Meeting- und Event-Barometer. „Dagegen schneiden die Großstädte mit 33,9 Prozent aller Veranstaltungsregionen schon bedeutend besser ab.“
Neben der Freundlichkeit und dem technischen Service wünschen sich viele Tagungsveranstalter aber auch immer häufiger Angebote zur aktiven Teambildung. Sie bieten nach Einschätzung der Fachleute eine ganze Reihe von Vorteilen. „Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die während eines Events erlebten positiven Emotionen sehr gut auf die Beurteilung der Veranstaltung und das Image des Eventveranstalters auswirken“, stellt Lutz P. Vogt fest. Die dort geknüpften persönlichen Kontakte und die Erlebnisse bleiben meistens lange in Erinnerung. „Wir empfehlen den Kunden Programme mit Interaktivität in den verschiedensten Bereichen“, so der Geschäftsführer. „Von Formel-1-Training bis hin zum Training der europäischen Raumfahrtorganisation ESA ist alles dabei.“
Selbst ausgefallene Wünsche können die Profis vom German Convention Bureau nicht aus der Ruhe bringen. In die wahrscheinlich tiefste Location lädt das Flair Hotel Nieder ein. Hier geht es zum Grubenlight- Dinner in 300 Meter Tiefe. Zwischen alten Originalwerkzeugen und Erzbrocken im romantisch beleuchteten Stollen des Erzbergwerks von Ramsberg bereitet das Hotel kulinarische Candle-Light-Erlebnisse, die die Teilnehmer so schnell nicht vergessen dürften. Selbst mit gefährlichen Tieren können die Gäste einmal speisen. Frei nach dem Motto „Haben Sie beim Essen schon einmal einem Raubtier tief in die Augen geblickt?“ lädt Catering’s Best zu Lunch- und Dinner-Veranstaltungen in den Katzendschungel im Zoo Frankfurt/Main. Bei den aufregenden Events direkt in der Höhle des Löwen finden bis zu 100 Gäste Platz bei Empfängen, bei einem Essen an Tischen immer noch bis zu 60 Personen.
Tagungen können gleich ganz aufs Wasser ziehen
Foto: tourist / www.photocase.deGanz so aufregend geht es zwar gewöhnlich in Brandenburg nicht zu, aber dank großer Investitionen gibt es doch eine ganze Reihe bemerkenswerter Hotels. Laut Lutz P. Vogt gehören dazu das Kongresshotel Potsdam am Templiner See, das Seminaris Seehotel Potsdam, das Dorint Hotel Sanssouci Berlin Potsdam, das Resort Schwielowsee oder das Sport & SPA Resort A-ROSA am Scharmützelsee. Diese würden außergewöhnliche Rahmenprogramme sowie Freizeitmöglichkeiten bieten, durch eine tolle Lage am See bestechen und über ausgezeichnete Tagungskapazitäten verfügen.
Wer sich die einzelnen Häuser in den schönsten märkischen Landschaften genauer anschaut, stellt durchaus einige Besonderheiten fest. So hat das Kongresshotel Potsdam das Potenzial seiner Lage direkt am Templiner See erkannt. Hier können die ganze Tagung, ein Meeting oder eine Pause gleich aufs Wasser verlegt werden. Die Firma Teamgeist hat zusammen mit dem Hotel viele Ideen verwirklicht. Sie fährt mit Expeditionsbooten direkt vom Bootsanleger vor dem Hotel auf den See hinaus, wo inmitten der Natur und weit weg von Hektik und Alltagsstress ein Ankerplatz gesucht wird. Die Boote fassen jeweils 15 Personen und sind mit einem solarbetriebenen Elektromotor, Paddel und einem Segel ausgestattet. Ein prickelndes Erlebnis auf dem Wasser verspricht das „Proseccosegeln“ im Sommer und das „Glühweinsegeln“ im Winter mit einem Zweimaster. Wer es sportlich will, bucht einfach einen Wettkampf mit Kanus. An Land warten ein skandinavisches Aktivitätsspiel oder das Crossgolfen.

Auch das neue IFA Hafendorf Rheinsberg besticht durch seine Lage am Wasser. Direkt vor der Haustür beginnt die Mecklenburgische Seenplatte, so dass die Gäste vom Tagungscenter gleich aufs Wasser gehen können. Die Anlage am Rande der Stadt ist so grosszügig, dass sich Tagungs- und andere Hotelbesucher gar nicht in die Quere kommen. Das Conference Center bietet drei helle Seminarräume für bis zu 250 Personen und mit der Siegfried- Matthus- Arena eine der größten Hallen weit und breit. Sie grenzt direkt ans Hotel und bewährt sich sowohl bei Konzerten als auch bei der Präsentation neuer Automodelle.
Abseits der großen Wasserflächen haben die Brandenburger Tagungsorte ebenfalls viel zu bieten. So beispielsweise der Gasthof zur Linde in Wildenbruch. Hier trifft ein authentisches kulinarisches Angebot mit brandenburgischen Spezialitäten wie den echten Teltower Rübchen und Geflügel aus der Region auf ein abwechslungsreiches Programm, auch für Gruppen. Jazzkonzerte in der nahe gelegenen Kirche, die gemeinschaftliche Nutzung des historischen Backofens im Freien oder auch Gruppenkochkurse sind nur einige Beispiele dafür. Was den Gasthof auszeichnet: Hier kann man die Ruhe des Landlebens genießen und fühlt sich dabei stilvoll umsorgt.
In Potsdam gibt es ab Herbst mit der neuen Multifunktionshalle „Metropolis“ endlich einen großen Veranstaltungsort. In unmittelbarer Nähe zum Filmpark Babelsberg finden hier auf einer 3.000 Quadratmeter großen Fläche bis zu 2.800 Gäste an Dinner-Tischen oder bei einer parlamentarischen Bestuhlung Platz. Bei Konzerten liegt die Kapazität bei bis zu 5.000 Personen.
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