Cottbus lohnt sich
Business-Archiv der Ausgabe 4 | 3. Jahrgang | Winter 2007
- Mit einer spektakulären „Nacht der kreativen Köpfe“ machte die Lausitz-Metropole auf ihr Potenzial aufmerksam, so dass weitere Veranstaltungen folgen werden.
Die Idee klingt vielversprechend, spannend und selbstbewusst: Eine Stadt zeigt ihr Potenzial in einer „Nacht der kreativen Köpfe“.

Mitten im Herbst machte Cottbus mit einer solchen Veranstaltung auf sich aufmerksam. Der Erfolg dieser Wissenschaftsschau war so groß, dass die Lausitz-Metropole weitere „Kreativ-Nächte“ plant. Dann sollen die Kultur und die Wirtschaft im Mittelpunkt stehen.
Wie groß die Möglichkeiten einer etwas mehr als 100.000 Einwohner zählenden Stadt sind, zeigt sich wohl am besten in einer Nacht mit einem derartig anspruchsvollen Titel. Immerhin konnten sich Einwohner und Gäste zwischen 20 Stationen und insgesamt rund 140 Veranstaltungen entscheiden. Darunter befanden sich nicht nur die überregional bekannte Technische Universität Cottbus mit mehreren Fachbereichen, sondern auch die Fachhochschule Lausitz, das Raumflugplanetarium, das Landgericht, die Oberkirche und das künftig ein Kunstmuseum beherbergende ehemalige Dieselkraftwerk. „Synonyme für die Lausitz sind aufstrebend, zukunftsweisend, weltoffen und tolerant“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck in seiner Begrüßungsbotschaft. Die größte Stärke von Cottbus sei das Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft. Forschungsergebnisse könnten so schnell und unkompliziert in der Praxis getestet und angewendet werden, lobte Platzeck.
Kohlendioxid der Kraftwerke verschwindet im Erdinneren
Präsentation der Vattenfall-Pilotanlage für das CO2-freie KraftwerkEin überzeugendes Beispiel dafür lieferte auch in der „Nacht der kreativen Köpfe“ die Hauptverwaltung von Vattenfall Europe Mining & Generation unweit des Cottbuser Zentrums. Großen Anklang fand zwar die beeindruckende Aussicht auf die Stadt und ihre Umgebung von der Dachterrasse in der 13. Etage. Doch ein Modell im Erdgeschoss stand im Interesse der vielen Besucher. Es zeigte eine sich in Schwarze Pumpe im Bau befindliche Kraftwerksanlage, bei dem das Klima schädigende Kohlendioxid abgetrennt und für die unterirdische Speicherung vorbereitet wird. Das ca. 70 Millionen Euro teure Vorhaben soll im nächsten Jahr mit einer thermischen Leistung von 30 Megawatt in Betrieb gehen.
Wie die Vattenfall-Gäste erfuhren, wird das verflüssigte Kohlendioxid zunächst in den ehemaligen Erdgasspeicher Ketzin bei Potsdam eingeleitet. Künftig seien dafür die Erdgaslagerstätten in der Altmark vorgesehen, wie ein Experte am Modell erläuterte. Falls sich das vergleichsweise kleine Experimental-Kraftwerk in der Lausitz bewähren sollte, plant Vattenfall sogar ein 300 Megawatt starkes Projekt nach dem so genannten Oxyfuel-Verfahren.
Einige Besucher lernten in den Gesprächen mit den „kreativen Köpfen“ auch ganz unerwartete Seiten von Vattenfall kennen. Schließlich hatten sie nicht unbedingt erwartet, dass der hauptsächlich als Kohle- und Kernenergie-Produzent bekannte Konzern auch Windkraftanlagen betreibt und sich an Off-Shore-Projekten in der Nord- und Ostsee beteiligt.
Kräuterblätter werden bei minus 200 Grad Celsius knusprig
Spreewaldkoch Peter Franke begeistert das Publikum mit der „molekularen Küche“Wer während der Tour zwischen den einzelnen Stationen hungrig wurde, konnte sich mit recht ungewöhnlichen Speisen stärken. „Schnell hinein beißen“, forderte beispielsweise der Spreewaldkoch Peter Franke das Publikum vor der eindrucksvollen Uni-Bibliothek auf, die offiziell Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum heißt. Dabei hielt er den Gästen knusprig gewordene Kräuterblätter hin. Sie ließen sich tatsächlich wie Knabberchips abbeißen, schmeckten aber ganz würzig. Das Geheimnis lüfteten Wissenschaftler der Uni. Sie hatten die Lebensmittel in einer „molekularen Küche“ auf minus 200 Grad Celsius abgekühlt. „Genau wie beim Kochen mit hohen Temperaturen verändern auch schnell gefrorene Lebensmittel ihre Eigenschaften“, hieß es zur Erklärung. Zum Kosten angebotenes Speiseeis war besonders cremig, weil sich durch das extrem rasche Gefrieren keine Wasserkristalle bildeten. Gefrorene Bierschaum-Stücke dagegen „explodierten“ geradezu im Mund. Manchmal entstehen unter den eiskalten Verhältnissen auch ganz neue Speisen – Schäume und Gelees aus Gemüse, Bonbons aus Olivenöl oder Kaviar aus Melonen.
Schwimmende Häuser auf der neuen Lausitzer Seenplatte
Die kreativen Nachtschwäremer erwartete eine einzigartige Kulisse; Fotos: Hans-Joachim GoetheKreative Köpfe sind natürlich auch bei der Internationalen Bau-Ausstellung „Fürst-Pückler-Land“ zu Hause, die die Umgestaltung der Lausitzer Bergbaulandschaft in eine Seenplatte mitgestaltet. Sie stellte den staunenden Besuchern unter anderem schwimmende Häuser für Wochenendgäste und Urlauber sowie Hafenprojekte vor.
Ähnliche Landschaftsveränderun gen vollbrachte vor rund 140 Jahren Fürst Hermann von Pückler, der die „Wüste“ in Branitz in eine harmonische „Oase“ verwandelte. Das Schloss Branitz zeigte sich nicht nur als beeindruckende Kulisse, sondern präsentierte detektivische Methoden zur Analyse alter Kunstwerke. Restauratoren schätzen die genauen Materialeigenschaften, um die beste Herangehensweise für ihre Arbeit herauszufinden.
Der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) freute sich sichtlich über den Erfolg der Premiere. „Wir suchen noch nach einem pfiffigen Slogan für unsere Stadt“, sagte er, um dann gleich seinen Favoriten zu verkünden: „Cottbus lohnt sich.“ Das Motto würde jedenfalls auch für die zweite „Nacht der kreativen Köpfe“ gut passen. Die soll 2008 voraussichtlich der Kultur gewidmet sein, feiert doch das Staatstheater in dem Jahr seinen 100. Geburtstag.
www.cottbus.de/buerger/leben/bildung/kreativekoepfe
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