BLÜTENSTADT DER MARK
Archiv der Ausgabe 1 | 3. Jahrgang | Winter 2006/07
- Vom 28. April bis zum 6. Mai erwartet Werder (Havel) Gäste aus aller Welt
500.000 Menschen besuchen alljährlich im Frühjahr Werder (Havel) und genießen blühende Obstgärten, Obstwein, Konzerte, Partys und fröhliche Stimmung. Das Baumblütenfest gehört zu Deutschlands größten Volksfesten. In diesem Jahr wird vom 28. April bis zum 6. Mai zum 128. Mal gefeiert.
Im Jahre 1879 hatte der Werderaner „Obstmucker“ Wilhelm Wils eine Idee, die man heute als Marketing-Geniestreich loben würde. Nach den kargen Wintertagen ohne Einnahmen sollten die Berliner und Potsdamer schon im Frühjahr die idyllische Stadt am Wasser besuchen. Da lag es nahe, ein Fest rund um die üppig blühenden Obstbäume und den frischen Obstwein zu arrangieren. Seither wird das Baumblütenfest gefeiert, das immer am letzten Wochenende im April beginnt. Und tatsächlich zeigt das statistische langjährige Mittel, dass hier der Frühling früher als im Umland beginnt. Das liegt an den Sandböden, die sich schneller erwärmen, dem nahen Fläming, der als Regenbarriere dient und der Wärmespeicherkapazität der vielen Gewässer der Gegend. Das alles bietet auch gute Wachstumsbedingungen für Erdbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren, Brombeeren, Süßkirschen, Sauerkirschen, Aprikosen, Pfirsiche, Äpfel, Birnen und Pflaumen, die in und um Werder gedeihen. Die findigen Obstbauern erkannten, dass die Früchte zusammen mit Zucker, Wasser und Weinhefe einen vorzüglichen Obstwein reifen lassen, der hier zumeist in großen gläsernen Weinkrucken hergestellt wird. Nach drei bis sechs Monaten ist Wein entstanden, der allerdings nicht so lange haltbar ist wie der Rebentrank. Muss er auch nicht, denn schließlich fließt der Obstwein in all seinen fruchtigen Varianten zehn Tage lang in Strömen. Aber Achtung! Der Obstwein hat es in sich!
Die Krönung einer Königin
Begeisterte Konzertbesucher in Werder; Foto: Zube ©2006 www.baumbluete.deDas Fest beginnt mit dem Baumblütenball. Hier wird die Baumblütenkönigin gekürt, deren Amtszeit ein Jahr dauert. Diese Würdenträgerin muss nicht nur attraktiv sein, sondern auch in mehreren Prüfungen ihr Wissen über die Stadt und den Obstanbau unter Beweis stellen. Die frisch gekürte Baumblütenkönigin eröffnet am Samstag des ersten Wochenendes nach dem traditionellen Umzug, bei dem sich die Vereine und die Stadt präsentieren, das Baumblüten fest: Zehn Tage Riesen-Party in der idyllischen Stadt am Wasser, mit Konzerten, Hoffesten, Umzügen, Schaustellern, Garten- und Kinderfesten. Die findigen Organisatoren stricken alljährlich ein Programm, das vielfältige Interessen, unterschiedliche Ansprüche und Altersklassen berücksichtigt. Nur eines gibt es nicht: Langeweile. In der ganzen Stadt stehen Bühnen, auf denen täglich Shows und Musik zu erleben sind, dabei auch Konzerte, die zu Festivals werden. Im Stadtzentrum dominiert der Rummel mit Riesenrad, Bungee-Kran, vielen Karussells und klassischen Rummelbuden. Neben den Verkaufsständen, wie man sie überall auf Volksfesten trifft, sind es vor allem die Anbieter der regionalen Spezialitäten, die den Charme des Baumblütenfestes ausmachen. An fast jedem Stand können die Besucher Obstwein kaufen. Überall Am Hohen Weg wird gekocht, gegrillt, gebacken. Neben dem Werderaner Nationalgetränk fließt auch reichlich Gerstensaft. Der kommt von Berliner Kindl. Die Traditionsbrauerei unterstützt Brandenburgs größtes Volksfest seit vielen Jahren. Insbesondere die Berliner Kindl Weisse – sozusagen das Nationalgetränk der Berliner – wird in diesen ersten sommerlichen Tagen gern genossen und steht bei allen, die ausnahmsweise mal nicht dem Obstwein frönen wollen, als prickelndes und alkoholreduziertes Sommergetränk hoch im Kurs.
Eine heitergemütliche Atmosphäre herrscht in diesen Tagen in den Gärten und auf den Plantagen der Obstbauern. Viele der Obsthöfe pflegen nach bitteren Erfahrungen zwischen Monokultur, Abholzungen und EU-Standards ihre Ursprünglichkeit und setzen auf Selbstvermarktung ihrer Produkte. Während des Baumblütenfestes haben die Besucher hier auch die Möglichkeit, mehr über die lange Tradition des Obstanbaus in und um Werder zu erfahren und natürlich auch Säfte und den eigenen Obstwein zu probieren. Zugleich laden viele Höfe zu gemütlichen Garten-, Grill- oder Kinderfesten ein.
Am letzten Sonntag, 22 Uhr, endet das Baumblütenfest mit einem großen Höhenfeuerwerk.
Vom Wasser umgeben
Hier kommt der Bilduntertitel. Hier kommt der Bilduntertitel. Hier kommt der Bilduntertitel.Werder bedeutet „von Wasser umgebenes Land“. Und wer in Werder (Havel) spazieren geht, wird immer irgendwo ans Wasser kommen, denn Havel, Schwielowsee, Glindowsee, Großer Plessower See und Großer Zernsee umgeben die Stadt. Besonders idyllisch liegt die Insel mit ihren engen Gassen und schmucken kleinen Häusern. Hier merkt man schnell, dass der Fischfang in Werder eine ähnlich lange Tradition hat wie der Obstanbau. Auch heute wird täglich frischer Fisch in der Havel und den Seen gefangen. In den örtlichen Restaurants landet er fangfrisch auf den Tellern der Gäste.
Werder (Havel) ist ein Eldorado für Wassersportler, es gibt jede Menge Anlegemöglichkeiten für private Boote, Ruder-, Segel- oder Kanuregatten, Wasserskiveranstaltungen, Drachenbootrennen, Wasser- und Hafenfeste. Im Winter ist ein Spaziergang über die Eisdecke der Seen ein ganz besonderes Erlebnis.
Viele Reedereien bieten Dampferfahrten von Berlin und Potsdam nach Werder (Havel) an. In der Stadt gibt es ein sehenswertes Zweiradmuseum in der Miele-Straße und natürlich das Obstbau-Museum in der Kirchstraße, das im ehemaligen Stadtgefängnis untergebracht ist. Viele alte Stadtvillen wurden in den letzten Jahren aufwendig saniert und ziehen so manchen Blick auf sich. Auch ein Bummel Unter den Linden ist in Werder (Havel) möglich.
Und noch etwas ganz Besonderes hat Werder (Havel). Die Weinberglage „Wachtelberg“ ist das nördlichste von der EU für die Produktion von Qualitätsweinen zugelassene Anbaugebiet. 1985 belebten Werderaner Wein-Enthusiasten die Tradition neu und rekultivierten nach über 100 Jahren eine knapp 5 Hektar große Weinbergfläche. Seit 1997 kommt auch wieder Rotwein vom „Werderaner Wachtelberg“. Übrigens schätzten schon die Hohenzollern die Winzererfolge aus der Havelstadt.
bm
Touristen-Information
Werder Kirchstraße 6/7, 14542 Werder
Tel. 03327 / 7833-74 Fax 03327 / 7833-22
E-Mail: werder-tourimus@t-online.de
Internet: www.werder-havel.de, www.baumbluetenfest.de und www.wachtelberg.de
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2006
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