Auf Rollen, Rädern und Pisten
Archiv der Ausgabe 2 | 5. Jahrgang | Sommer 2009
- Brandenburg bietet alle Möglichkeiten für tolle Abenteuer
- Von Christa Steuer
Brandenburg punktet als Tourismusland vor allem mit seiner schönen Natur, der Ruhe in den Wäldern und an Seen, den prachtvollen Schlössern und Gärten sowie den vielen Entspannungsmöglichkeiten in Thermalbädern und hochwertigen Hotels. Doch Brandenburg bietet auch viele Möglichkeiten für einen aktiven Freizeitspaß. Konflikte mit dem eher sanft ausgerichteten Tourismus gibt es kaum. Viel zu groß ist das Land. Wir geben einige Empfehlungen für nicht alltägliche Ausflugsprogramme vor den Toren der Großstadt.
Schlackernde Knie, Schweißperlen auf der Stirn und pochendes Herz – die Herausforderungen in zehn Meter Höhe lassen kaum jemanden kalt. Dabei mangelt es nicht an guten Ratschlägen. Man solle auf dem Stahlseil laufen wie Charlie Chaplin, den Schwebebalken schnellen Schrittes bewältigen und die von beiden Händen umklammerten Seile wenigstens auf einer Seite kurz einmal loslassen. Dann sei der nächste Schritt nach vorn nur ein Kinderspiel. Irgendwann wird die Angst vor dem Absturz dann tatsächlich überwunden. Doch die nächsten Prüfungen warten schon.
Bis zu 20 Stationen bietet so ein Hochseilgarten wie in Luckenwalde neben dem Fläming-Skate. Ähnliche Kletter- und Geschicklichkeitsparcours stehen in Strausberg, in Hobrechtsfelde am nördlichen Berliner Stadtrand, in Potsdam und an der Spremberger Talsperre. Passieren kann nichts, sind doch die Personen ständig mit Seil und Haken gesichert. Nur um das „Kribbeln“ in der Magengegend kommt kein Anfänger herum.
Rasantes Rollen auf glatter Bahn
Nordic Walker auf eigenen Strecken
Längst sind zwar auch im Fläming die Zeiten vorbei, in denen die Anhänger des Nordic Walkings als „Skifahrer ohne Schnee“ oder als „Krückenläufer“ verspottet wurden. Aber eine gewisse Skepsis begegnet den Anhängern der bis ins hohe Alter zu erlernenden Sportart doch noch hin und wieder. Das verunsichert insbesondere Anfänger, die noch nicht die beiden Stöcke richtig handhaben können. Sicher erklärt diese Tatsache den großen Zulauf zum Fläming-Walk, dem „Nordic Walking Zentrum“ Gottsdorf bei Luckenwalde. Hier stehen nicht nur professionelle Trainer und zu bestimmten Zeiten auch Physiotherapeuten und Mediziner sowie gutes Material bereit, sondern auch ausgewiesene Wege zwischen 4 und 21 Kilometer zur Verfügung.
Vor den Alpen noch schnell in die Halle
Über den Zweck eines künstlichen SkiHanges unter einem Hallendach kann kräftig gestritten werden. Doch es gibt auch in unseren Breiten viele Enthusiasten, die sich in Senftenberg in der Snowtropolis-Halle regelmäßig mit dem Schlepplift nach oben ziehen lassen und danach die 130 Meter lange Abfahrt mit Ski oder Snowboard gekonnt und rasant hinunterfahren wollen. Kleine Sprunghügel und Hindernisse lassen sogar die Erinnerung oder die Vorfreude auf richtige Berge aufkommen.
„Genau darauf zielt unser Konzept ab“, sagt der Skilehrer. „Anfänger und Fortgeschrittene sollen sich hier vor ihrem eigentlichen Urlaub in den Alpen oder anderswo in Schwung bringen und dafür unter anderem unsere Ski-Schulen nutzen.“ So vorbereitet, könne der Winterspaß in 1.000 oder 2.000 Meter Höhe vom ersten Tag an in vollen Zügen beginnen. Selbst die Ski-Hütte mit Glühwein, Würstchen und Semmeln fehlt in der Halle mit einer Temperatur von minus zwei Grad Celsius nicht.
Motorrad auf vier Rädern
Keine zweieinhalb Stunden dauert die Fahrt von Berlins Mitte in eine zerklüftete Landschaft wie vom anderen Ende der Welt. Dabei geht es bequem zu: Der Zug fährt direkt nach Großräschen, am Bahnhof wartet der Kleinbus für die Weiterfahrt nach Klein Partwitz inmitten der Lausitzer Tagebaulandschaft an der sächsisch-brandenburgischen Landesgrenze, und dort schwingen sich die Ausflügler sofort aufs Quad. Dieses „Motorrad auf vier Rädern“ ist nach wenigen Proberunden gut zu beherrschen. Außer Gasgeben und Bremsen gibt es nicht viel zu beachten. „Voraussetzung ist ein Pkw-Führerschein“, sagt der Veranstalter Andreas Ittmann.
Dann steht dem Abenteuer nichts mehr im Weg. Mit viel Gas und geschickten Lenkbewegungen erklimmt die kleine Kolonne aus vier Fahrzeugen einen steilen Anstieg, um durch eine grandiose Aussicht belohnt zu werden. Auch in Wünsdorf, bei Rheinsberg und zahlreichen anderen Orten können Quadtouren gebucht werden.
Tauchgang in Brandenburgs Südsee
Der letzte Schritt ist der schwerste. Jetzt rückwärts einfach in den See fallen lassen? Mit diesem schweren Gepäck auf dem Rücken, den unförmigen Schwimmflossen und dem Schlauch im Mund? Tauchlehrerin Silvia gibt das Kommando. „Einfach vom Steg reinplumpsen und unter Wasser ganz ruhig atmen“, sagt die junge Dame. „Ich komme gleich nach“. Ein Rückzug käme einer Blamage gleich, obwohl das Herz doch recht aufgeregt schlägt. Schließlich hat sich die erfahrene Sportlerin in ihrem Schnupperkurs so viel Mühe mit den Erklärungen und Demonstrationen der Ausrüstung gegeben. Außerdem ist der Tauchgang im Senftenber-ger See für Anfänger ohne Tauchschein die Ausnahme. In der Regel finden solche Ausflüge unter Wasser in der nahen Schwimmhalle statt. Also wird der Sprung gewagt. Unter Wasser fasst die Tauchlehrerin eine Hand und schon schweben wir in die Tiefe. Nach einer Weile verschwinden der Druck von den Ohren und das Wasser aus der Brille.
Angesichts von mehr als 3.000 Seen in Brandenburg herrschen hier ausgezeichnete Bedingungen für den Tauchsport – sowohl für Profis als auch Amateure. Zwar gibt es keine Korallenriffe, aber dennoch verzeichnen die Tauchclubs gerade rund um Berlin einen erstaunlichen Zulauf. Ein großer Teil der Interessenten macht hier seine Tauchscheine für den nächsten Urlaub.
Gute Tauchmöglichkeiten bestehen auch am Stechlinsee in Neuglobsow.
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