Auf den Spuren der Ufa-Stars durch Babelsberg
Archiv der Ausgabe 3 | 3. Jahrgang | Herbst 2008
- Per Rad zu den Villen von Brigitte Horney, Marika Rökk oder Anni Ondra – unter sachkundiger Führung
Sie gehört zweifellos zu den schönsten Stadtteilen Potsdams – die Villen- Siedlung Neubabelsberg. Um 1900 entstanden zwischen dem S-Bahnhof Griebnitzsee und dem Schlosspark Babelsberg zahlreiche mondäne Häuser. Vor allem wohlhabende Berliner bauten sich hier ihre Residenzen, wobei die prächtigsten Häuser bis heute am Ufer des Griebnitzsees zu finden sind. Die Geschichte zahlreicher Häuser ist auch mit den Namen bekannter Ufa-Filmschauspieler verbunden. Eine Radtour führt jeden zweiten Sonnabend im Monat zu den bekanntesten Adressen, an denen Episoden und Anekdoten lebendig werden.
Fotos: Sta*Tours Berlin; Rökk Archiv„Babelsberg war einst und wird wieder zu dem deutschen Filmmekka“, sagt Birgit Wetzig-Zalkind zum Start der Tour am S-Bahnhof Griebnitzsee. „Anfang des letzten Jahrhunderts gingen viele filmische Innovationen von dem einstigen kleinen Potsdamer Vorort aus. Kein Wunder, dass sich viele Prominente und Schauspieler an diesem idyllischen Ort ansiedelten.“
Die 1960 in Mecklenburg-Vorpommern geborene Journalistin kennt sich mit Prominenten-Touren aus. Bereits seit einigen Jahren führt sie Gäste zu den einstigen Wohnungen umschwärmter, eigenwilliger und erfolgreicher Schauspieler, Sänger und Tänzer der Berliner Vergangenheit in verschiedenen Bezirken der Hauptstadt wie Grunewald, Charlottenburg und Schöneberg. Genau wie in Babelsberg erzählt sie dann mit Zitaten, Bildern und zeitgenössischen Berichten über die jeweilige Person.
Wer Geld hatte, besaß ein Telefon
Für die Recherche der einzelnen Adressen nutzt sie vor allem die Telefonbücher aus den zwanziger und dreißiger Jahren. „Wer Geld hatte, besaß ein Telefon“, sagt Birgit Wetzig-Zalkind, die als Musikjournalistin und im Radio arbeitete.
Die Babelsberg-Rundfahrt beginnt am heutigen Gelände des Rundfunks Berlin-Brandenburg, wo 1917 die Ufa gegründet wurde. In der Marlene-Dietrich- Halle drehte Fritz Lang seinen Klassiker „Metropolis“. Das Tonkreuz aus der Premiere des Tonfilms Mitte der zwanziger Jahre steht bis heute. „Der Film ,Melodie des Herzens‘ mit Willy Fritsch gilt als Mutter des vertonten deutschen Films“, versichert die Expertin.
Dank Fahrrad sind die Villen der Prominenten in der Karl-Marx-Straße, der Sauerbruchstraße oder in der Virchowstraße schnell erreicht. So erfahren die Teilnehmer, wo die Villa vom „süssesten Madel der Welt“ Lilian Harvey stand. Bald danach gibt es einen Stopp vor der Villa von Richard Tauber, Operetten-Tenor des letzten Jahrhunderts, dem die weiblichen Fans scharenweise zu Füssen lagen. „Ich küsste Ihre Hand, Madame“, war wohl sein bekanntestes Lied. Nicht weit von seiner imposanten Villa steht das Häuschen, welches Heidemarie Hatheyer bis Kriegsende bewohnte. Ihre Nachbarin war Brigitte Horney, die hier gerne für ihre Freunde kochte. Ein Stück weiter kommt man zum Haus, das sich Sybille Schmitz, einer der rätselhaftesten Filmstars der dreißiger und vierziger Jahre, hat bauen lassen.
Um die Ecke wohnte ihre Kollegin Magda Schneider, die Mutter von Romy Schneider. Dort kam auch ihr Mann Wolf Albach-Retty häufig zu Besuch. Fast genau gegenüber lernte Marika Rökk ihren Gatten, den Regisseur Georg Jacoby, kennen, sie wohnten bis Kriegsende dort. Der ehemalige Studentenclub der Hochschule für Film und Fernsehen erinnert an Defa-Zeiten. Auch Angelika Domröse soll hier gerne ihr Weinchen getrunken haben.
Max Schmeling schickte fünf Wochen lang einen Blumenstrauß
Magda SchneiderEs geht vorbei an der Villa Annie Ondras. Dem Filmstar konnte Max Schmeling nicht widerstehen. Fünf Wochen lang soll er ihr jeden Tag einen Strauß Blumen gebracht oder geschickt haben, um ihr Herz zu erobern. 1933 heirateten sie schließlich in der kleinen Dorfkirche von Bad Saarow. Nicht weit davon steht das Gästehaus der Ufa und später auch der Defa, wo unter anderem Heinz Rühmann, Hans Albers und Wolfgang Kieling wohnten. Gegenüber findet sich die einstige Villa von Magda Quandt, besser bekannt als Frau von Joseph Goebbels, der als Reichspropagandaminister auch die Filmindustrie während des Dritten Reiches unter sich hatte.
Auf dem Weg zum Filmmuseum in der Breiten Straße kommt die Gruppe noch an der Villa des einstigen Schweizer Glamour-Botschafterpaares Borer- Fielding vorbei. Der Blick fällt von hier auf die Glienicker Brücke, die auch als Kulisse diverser Agentenfilme diente, unter anderem für „Finale in Berlin“ mit Michael Caine, Paul Hubschmid und Eva Renzi.
Im Filmmuseum erhalten die Teilnehmer eine exklusive Führung durchs Haus, die im Preis inbegriffen ist. Das gemietete Fahrrad kann hier stehengelassen werden.
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